Bewährungsprobe für den Porsche Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche: Die Hauptversammlung des Konzerns am kommenden Freitag ist erst der Anfang.
Alle waren sie da in der Allerheiligenhofkirche, dem säkularisierten Festsaal in der Münchner Residenz. Hier lädt immer Mitte Januar der ADAC zur Verleihung von fünf Gelben Engeln. In der ersten Reihe nimmt Platz, wer im Autoland Deutschland Rang und Namen besitzt. Links vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer saß diesmal aufgereiht die Führungstruppe des größten Autokonzerns in Europa: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, Volkswagen-Aufseher Ferdinand Piëch, VW-Konzernlenker Martin Winterkorn, flankiert vom jungen Audi-Boss Rupert Stadler, 45.
Karosserie des Ur-Porsche aus dem Jahre 1939 im Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen. Nach dreijähriger Bauzeit öffnet es am 31. Januar für Besucher die Türen. (© Foto: dpa)
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Deutlich abseits, am rechten Flügel, war Wolfgang Porsche zu sehen, so als habe er mit den anderen wenig zu tun. Der Eindruck trügt. Denn "WoPo", wie seine Familie und Freunde den 65-jährigen Diplom-Kaufmann aus München nennen, zieht im Zentrum des drittgrößten Autokonzerns der Welt die Fäden.
Das wird in dieser Woche so deutlich wie nie. Es wird eine Art Festwoche für Porsche - die Firma und den Mann. Erst weiht er am Mittwoch das neue Museum neben der Hauptverwaltung in Zuffenhausen ein. Es kostet nun zwar hundert Millionen Euro statt der ursprünglich veranschlagten fünfzig Millionen, doch der Polyeder für 82 Autos ist dafür besonders schön geraten. Am Freitag folgt dann in der Porsche-Arena an der Mercedesstraße in Stuttgart die Hauptversammlung der Porsche SE, der Holding nach europäischem Recht. Es wird ein spannendes Treffen und Wolfgang Porsche führt dabei als Aufsichtsratsvorsitzender Regie.
Ein neuer Mega-Konzern wird geboren
Denn mit dem Aktionärstreffen in Schwaben wird ein neues Kapitel deutscher Industriegeschichte aufgeschlagen. Es ist die Geburtsstunde eines neuen Mega-Konzerns: Die Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Bugatti, Lamborghini, VW Nutzfahrzeuge, Scania und Porsche - alles wird eins. Jede Marke bleibt einzeln, doch vieles geht zusammen besser. Auch der MAN-Konzern gehört schon fast zur Familie, ist VW hier doch mit knapp einem Drittel der Anteile größter Aktionär.
Erstmals könnte es nun aber auch eine Menge kritischer Fragen geben - ein Novum fast für Porsche-Hauptversammlungen. Zwar könnten die Aktionäre zufrieden sein angesichts einer guten Dividende und eines Gewinns, der dank der VW-Optionsgeschäfte von Porsche-Finanzvorstand Holger Härter höher war als der Umsatz. Doch die Optionsgeschäfte, mit denen die Mehrheit bei VW gesichert wurde, werfen noch Fragen auf.
Mehr als drei Jahre bereits halten Wiedeking und Härter die Börsianer mit netten Geschichten aus Zuffenhausen in Spannung - und erwarben derweil 52 Prozent am VW-Konzern. David übernimmt Goliath, nennt Wiedeking das Spiel, bei dem wie beim Schach nie verraten wird, wie es weitergeht. Genügt Porsche die Mehrheit an VW? Geht er auf 75 Prozent, auf 98 oder 100? Es muss wirtschaftlich sinnvoll sein, das ist alles, was Wiedeking sich dazu entlocken lässt.
Verprellt hat der Porsche-Chef aber auch so ziemlich alle in Wolfsburg. Vor allem der VW-Betriebsrat weigerte sich, eine Geheimvereinbarung zu akzeptieren, die ihm als Vertreter von 320000 Mitarbeitern nur so viel Einfluss gegeben hätte wie den Vertretern der 11000 Porsche-Arbeitnehmer. Der Streit scheint mit der Nominierung für den Aufsichtsrat am Freitag fast beigelegt, es steht allerdings immer noch ein Gerichtstermin Ende März im Kalender. Den müsste der VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh noch absagen.
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Gysi gegen Lafontaine