Volkswagen VW-Aktionäre müssen um Dividende bangen

Entscheidend für die Dividende dürfte die Höhe der Strafzahlungen in den USA sein.

(Foto: AFP)
  • Für 2014 zahlte VW seinen Aktionären noch eine Dividende von 4,80 Euro je Aktie. Nun könnte sie wegen drohender Strafen im Abgasskandal komplett wegfallen.
  • Das Land Niedersachsen betrachtet die Entwicklung mit Sorge, sieht aber zunächst keine Schwierigkeiten.

Die Aktionäre von Volkswagen müssen angesichts möglicher Milliardenstrafen im Abgasskandal mit einem kompletten Ausfall der Dividende rechnen. Es stehe noch nichts endgültig fest, "aber es gibt keinen Hinweis, dass es auch nur Hoffnung auf einen Cent gibt", sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Presse-Agentur.

Für 2014 zahlte der Konzern für jede VW-Stammaktie 4,80 Euro, für jede Vorzugsaktie 4,86 Euro als Dividende. Insgesamt schüttete der Autobauer so rund 2,3 Milliarden Euro seines Gewinns an die Aktionäre aus. Analysten hatten zuletzt im Schnitt noch mit knapp 1,50 Euro pro Aktie gerechnet. Ein VW-Konzernsprecher sagte, dass sich der Konzern auf der Bilanzpressekonferenz Ende April zu Details äußern werde.

Betroffen wären von einem solchen Schritt die Anteilseigner des Autoherstellers. Der größte Anteilseigner ist die Porsche SE, die von den Familien Porsche und Piëch kontrolliert wird. Auch das Land Niedersachsen und der Staatsfonds des Emirats Katar halten große Aktienpakete. Beim Land Niedersachsen blickt man mit Sorge, aber ohne Panik auf einen möglichen Ausfall der Dividende. "Es gäbe keine unmittelbaren Auswirkungen auf den Landeshaushalt", teilte die Staatskanzlei auf Anfrage mit.

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Entscheidend: Die Höhe möglicher Strafzahlungen

Für 2014 hatte Niedersachsen 285 Millionen Euro Dividende eingestrichen. Die landeseigene Beteiligungsgesellschaft HanBG, bei der der Großteil der VW-Anteile liegen, hatte die Dividenden zuletzt geparkt. Möglicherweise ist das ein Grund, warum die niedersächsische Staatskanzlei bislang relativ gelassen auf einen möglichen Ausfall der Dividende reagiert. Schon beschlossene Projekte seien für die Folgejahre durch die vorherigen Dividendenzahlungen "komplett ausfinanziert", heißt es.

Entscheidend dürfte für VW die Höhe der Strafzahlungen sein, die wegen des Abgasskandals in den USA fällig werden könnten. "Wahrscheinlich wäre ein Wert zwischen 20 und eher 30 Milliarden Euro. Und dann wird es sehr eng für die Dividende", sagte der VW-Aufsichtsrat der dpa weiter.

Im Aufsichtsrat könnte über die Höhe der Dividende durchaus gestritten werden: Arbeitnehmervertreter und das Bundesland dürften vor allem den Erhalt der Arbeitsplätze bei VW im Blick haben - die Vertreter der Kapitalseite könnten ein stärkeres Interesse an Rendite und damit an der Ausschüttung einer Dividende haben. Sprecher beider Seiten wollten sich auf Anfrage nicht dazu äußern.

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