Volkswagen und Porsche Das große Schweigen

Machtkampf, nächste Eskalationsstufe: Kurz vor dem Spitzentreffen der Porsche-Eigentümerfamilien hat Volkswagen den Termin abgesagt.

Der Übernahmestreit zwischen Volkswagen und Porsche wird immer schärfer. Volkswagen sagte am Sonntag ein für Montag angesetztes Gespräch mit Porsche ab. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh erklärte, er habe die Unterbrechung eingefordert. In der derzeitigen Lage sehe er keine Atmosphäre für konstruktive Gespräche, begründete er.

Eigentlich wollte Porsche den mehrfach größeren Volkswagen-Konzern übernehmen, doch das Unternehmen aus Zuffenhausen scheiterte mit seinem Geniestreich.

(Foto: Foto: Reuters)

"Wir sind nicht diejenigen, die um Gespräche gebeten haben. Und wir lassen es nicht zu, dass Volkswagen und einzelne Personen unseres Unternehmens in Misskredit gebracht werden, weil es bei Porsche keine Linie gibt", sagte Osterloh. Ein Porsche-Sprecher wollte die Unterbrechung der Gespräche zunächst nicht kommentieren.

Die Porsche-Holding erklärte am Sonntagnachmittag, die Fusionsgespräche seien nicht unterbrochen. Es sei vielmehr nur der Termin am Montag abgesagt, aber Folgetermine vereinbart. Eine Volkswagen-Sprecherin bekräftigte dagegen betonte: "Es ist derzeit keine konstruktive Atmosphäre für Gespräche vorhanden. Es ist völlig offen, wann es weitergeht."

Die Fusionsgespräche zwischen den Unternehmensvertretungen, den Betriebsräten und dem Land Niedersachsen sollen klären, wie die Modalitäten eines Zusammenschlusses aussehen könnten.

Am Montag treffen erstmals seit den umstrittenen Äußerungen von VW-Aufsichtsratschef und Porsche-Miteigentümer Ferdinand Piëch zur Zukunft des Sportwagenherstellers die Porsche-Eigentümerfamilien bei einer Aufsichtsratssitzung zusammen.

Porsche-Mitarbeiter protestieren gegen Piëch

Parallel dazu planen die Porsche-Beschäftigten Proteste gegen Piëch. Volkswagen wirft den Stuttgartern dagegen "Volksverdummung" vor. Offenbar werde der Ernst der Lage bei Porsche verdrängt, verlautete aus dem Unternehmen.

Beim Treffen des Kontrollgremiums soll es nach Informationen der Nachrichtenagentur AP um eine Kapitalerhöhung bei Porsche in Höhe von vier bis fünf Milliarden Euro gehen. Der Sportwagenhersteller ist mit rund neun Milliarden Euro verschuldet. Volkswagen soll dagegen Nettoreserven von elf Milliarden Euro haben.

"Brenzlige" Finanzlage

In VW-Konzernkreisen hieß es am Samstag, die Porsche- Führung verkenne die Lage total. Die finanzielle Situation des Sportwagenherstellers sei "äußerst brenzlig". Vorwürfe, VW wolle Porsche fertigmachen, seien eine "Dolchstoßlegende". Die Familie Porsche habe vielmehr VW gebeten, eine Porsche-Übernahme durch Volkswagen zu prüfen. Es habe dazu mehrere Krisentreffen in der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover gegeben.

Osterloh stellte klar, dass die Familie Porsche jetzt deutlich vorgeben müsse, wozu sie bereit ist und wozu nicht. "Das sollte sie vor allem erst einmal hausintern bei Porsche klären, vor allem mit den Beschäftigten. Wenn man dann wieder auf Volkswagen zugeht, dann muss klar sein, worüber wir überhaupt sprechen wollen. Verkauf, Fusion oder etwas ganz anderes", stellte Osterloh klar. "Aber wir sind nicht bereit, uns die Probleme Dritter ins Haus zu holen. Wir haben keinen Druck und wollen uns auf unser Kerngeschäft konzentrieren. Wolfgang Porsche muss für Klarheit sorgen", forderte er.

Bei Volkswagen seien alle Beteiligten für eine Lösung offen - Aufsichtsratsvorsitzender, Vorstandsvorsitzender und Betriebsrat. "Aber nicht, wenn hier jeden Tag von Porsche eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird", sagte Osterloh.

Ein Streit, der seit Jahren anhält

Hintergrund der erneuten Eskalation des seit Jahren andauernden Streits zwischen Porsche und VW sind Äußerungen von VW-Patriarch Ferdinand Piëch bei der Vorstellung des neuen VW Polo auf Sardinien.

Er hatte von Schwierigkeiten der Stuttgarter gesprochen, Geld aufzutreiben. VW könne dagegen leichter Kredite bekommen. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück kämpft dagegen weiter für die Unabhängigkeit der Sportwagenschmiede. Er wirft Porsche- Miteigentümer Piëch vor, die Stuttgarter zu verraten. Für Montag hat Hück mehrere tausend Porsche-Beschäftigte zu einer Demonstration gegen den VW-Patriarchen aufgerufen.

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