Volkswagen Porsche-Deal könnte am Finanzamt scheitern

Volkswagen forciert die Übernahme von Porsche. Doch das Vorhaben ist in Gefahr - wegen möglicher Steuerforderungen in Milliardenhöhe.

Von Klaus Ott

Die Übernahme des Sportwagenherstellers Porsche durch den Autokonzern Volkswagen könnte noch an den Finanzbehörden scheitern. Denn bei dem Geschäft drohen mögliche Steuerzahlungen in Höhe von bis zu drei Milliarden Euro.

Es werde nach Wegen gesucht, die Zahlungen an den Fiskus zu vermeiden, gelinge das nicht, dann "ist der Deal hinfällig", heißt es in Aufsichtsratskreisen von Porsche. Ein entsprechender Vorbehalt ist auch in der Grundlagenvereinbarung enthalten, die am Donnerstag von den Aufsichtsräten von Porsche und VW verabschiedet werden soll.

Volkswagen hatte sich zuvor im monatelangen Machtkampf mit Porsche durchgesetzt. Der Konzern aus Wolfsburg will das Unternehmen aus Stuttgart-Zuffenhausen für acht Milliarden Euro übernehmen. Der Sportwagenbauer hatte seinerseits versucht, den viel größeren Konzern zu übernehmen.

Hück: Aufruf an Oettinger

Der Grundlagenvereinbarung zufolge will VW den Rivalen nun in zwei Schritten schlucken. In einem ersten Schritt will VW 49 Prozent von Porsche übernehmen, in einem zweiten die übrigen 51 Prozent. Die Familien Porsche und Piech als bisherige Haupteigentümer von Porsche sollen an dem neuen VW-Konzern die Mehrheit halten, Niedersachsen besäße gut 20 Prozent der Anteile, dem Emirat Katar würden maximal 19,9 Prozent zufallen.

Doch das Geschäft könnte noch am Finanzamt scheitern, da bei der Übernahme Ertragsteuern in Milliardenhöhe anfallen könnten. "Es gibt diese Problematik", bestätigte ein Porsche-Sprecher.

Nach Angaben aus Porsche-Kreisen hat VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch einen Weg aufgezeigt, wie sich eine hohe Steuerbelastung vermeiden lasse. Dazu soll die Gründung neuer Gesellschaften notwendig sein. Ein VW-Sprecher sagte auf Anfrage: "Zu Inhalten unseres Konzepts äußern wir uns nicht."

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück lehnt ein Entgegenkommen der Finanzbehörden strikt ab. Er verlangt von Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger, "keine Steuergeschenke zu machen". Dies wäre "gegen die Interessen des Autolandes Baden-Württemberg". In Baden-Württemberg könnte ein beträchtlicher Teil der Steuern anfallen, dort ist Porsche ansässig.

Vermögen "aufs Spiel gesetzt"

Die Steuerdebatte sorgt für neuen Zündstoff zwischen Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking. Wulff, der dem VW-Aufsichtsrat angehört, vermutet offenbar Wiedeking als Urheber der Diskussion um mögliche Steuerzahlungen.

Ein Sprecher der niedersächsischen Landesregierung warf dem Porsche-Chef vor, dieser habe mit seiner Strategie bei Porsche das "gesamte Vermögen" der Familien Porsche und Piëch, "aufs Spiel gesetzt". Es sei unbegreiflich, dass Wiedeking auch noch die Rettung des Familienvermögens torpediere. Wiedeking hatte den VW-Konzern übernehmen wollen und dabei mehr als zehn Milliarden Euro Schulden angehäuft, die Porsche belasten.

Inzwischen gibt es erstmals Signale von Wiedeking, dass er zu einem Rückzug bereit sei. In Aufsichtsratskreisen von Porsche wird er mit den Worten zitiert: "Ich kann nicht versprechen, dass ich bleibe, wenn Porsche verkauft wird." Als neuer Vorstandsvorsitzender ist der bisherige Produktionschef von Porsche, der 48 Jahre alte Michael Macht, im Gespräch.

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