Von Hans Leyendecker

Der langjährige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert sah sich zuletzt mehr als Manager denn als Betriebsrat.

Als der langjährige VW-Betriebsratschef Klaus Volkert am 30. Juni vorigen Jahres auf einer Betriebsversammlung seinen Rücktritt erklärte, applaudierten ihm Tausende Beschäftigte. Minutenlang. ,,Ich glaube'', sagte der damals 62 Jahre alte Arbeiterführer, ,,dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, zurückzutreten''. Jüngere müssten ran.

Bild vergrößern

Einkommensschub bei Volkert. (© Grafik: SZ)

Anzeige

Wieder Beifall. Es war die letzte große Show des Mannes, der vor Jahren noch mit einem Brief an das Bundeskanzleramt (,,Lieber Gerhard'') Einfluss auf Entscheidung über eine Besteuerung des Jahreswagengeschäfts zu nehmen versucht hatte.

Der gelernte Schmied gehörte nicht nur aus seiner Sicht zu den ganz Großen dieser Republik - er galt auch außerhalb von VW als der mächtigste Betriebsratschef des Landes.

1990 hatte er bei VW den Betriebsratsvorsitz übernommen und fortan konnte keiner mehr Bereichsleiter bei VW mehr werden, wenn Volkert nicht einverstanden war. Seine Festnahme am Dienstag ist der vorläufige Endpunkt einer vor Jahren noch unvorstellbaren Demontage eines Arbeiterführers.

Sein Fall ist nur noch vergleichbar mit dem Ende der Zement-Cäsaren der Neuen Heimat in den achtziger Jahren. Was die meisten der Zuhörer der Betriebsversammlung im Juni 2005 nicht ahnten: Der Mann, der angeblich so selbstlos zurücktrat, war damals schon ein Gejagter.

Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft und die betriebseigene Revision hatten die Spur im VW-Skandal aufgenommen und heute steht fest, dass Volkert die Spinne im Netz war. Das wird dokumentiert in der 63 Seiten starken ersten Anklage gegen den früheren Duzfreund, den ehemaligen VW-Personalvorstand Peter Hartz. Dem 65-Jährigen soll wegen schwerer Untreue in Tateinheit mit einem Verstoß gegen Paragraf 119 des Betriebsratsverfassungsgesetzes der Prozess gemacht werden. Hartz wird vorgeworfen, zum Schaden von VW Volkert üppigst ausgestattet zu haben.

Als Volkert 1990 oberster VW-Betriebsrat bei VW wurde, erhielt er 57300 Euro, das ist nicht zuviel. Ab 1994 bekam er dann, wie ein Markenbereichsvorstand, neben den Boni auch Sonderboni. In seinem besten Jahr brachte er es auf knapp 700000 Euro. Außerdem zahlte VW 399000 Euro an eine brasilianische Geliebte von Volkert.

Darüber hinaus erhielt er Vertrauensspesen in sechsstelliger Höhe, die er nicht abrechnen musste. Seit das System VW öffentlich ist, staunen selbst die Kollegen: ,,VW hat Herrn Volkert in die Kategorie der Manager einsortiert. Das war uns nicht bekannt'' hat der IG-Metall-Chef X Peters neulich in einem Spiegel-Interview erklärt. Eigentlich hätte das der IG-Metall doch auffallen müssen, meinte der Interviewer, denn Gewerkschafter zahlen ein Prozent des Bruttolohns an die Gewerkschaft, in Volkerts Fall also knapp 7000 Euro. ,,Glauben Sie ernsthaft, dass sich das in seinen Mitgliedsbeiträgen wiederfand?'' hat Peters nur zurückgefragt.

Der Arbeiterführer, der sich wie ein Spitzenmanager gab und in Augenhöhe mit dem Vorstand agierte hatte das Selbstverständnis eines Spitzenmanagers. Selbst der Firmen-Jet stand für ihn bereit. Aber auch ein Dutzend weiterer Gewerkschafter erhielt bei VW Boni in jährlich sechsstelliger Höhe, nur Volkerts Sonderboni bekamen sie nicht: ,,Brüder, zur Sonne, zur Kasse.''

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Ein Arbeiterführer demontiert sich
  2. Ein Arbeiterführer demontiert sich
Leser empfehlen