Volkswagen Aktive VW-Manager offenbar in den Abgas-Skandal verwickelt

Aufsichtsratschef Pötsch (links) und VW-Chef Matthias Müller: Wussten auch sie schon früh über die Betrugssoftware Bescheid?

(Foto: dpa)
  • Der frühere VW-Chef Martin Winterkorn hat am 8. September 2015 offenbar den gesamten Vorstand über die verwendete Betrugssoftware informiert.
  • Damit wären auch zwei aktive Manager des Konzerns, VW-Chef Müller und Aufsichtsratschef Pötsch, in den Abgas-Skandal verwickelt.

Nicht nur der frühere Volkswagen-Chef Martin Winterkorn, sondern auch sein Nachfolger Matthias Müller und der heutige Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch haben offenbar bereits deutlich früher als bislang angenommen von dem Einbau einer Betrugssoftware in VW-Fahrzeuge gewusst. Bei einer Vorstandssitzung am 8. September 2015 soll Winterkorn seine damaligen Kollegen darüber informiert haben, wie die Bild am Sonntag berichtet.

Demnach hat Winterkorn die Information über den eingebauten "Defeat Device", die fragliche Software in den Dieselmotoren, schnellstmöglich an den Vorstand weitergegeben. Er selbst wurde vier Tage vorher, am 4. September, in einem Brief darüber informiert. Bislang hatte der Volkswagen-Konzern offen gelassen, ob Winterkorn die Notiz überhaupt gelesen hatte und so zum damaligen Zeitpunkt vollständig über das Ausmaß des Abgasbetrugs informiert war.

Für VW-Anleger ist die Einweihungs des Vorstandes ein wichtiges Detail

Die Einweihung des Vorstandes brächte sowohl den heutigen VW-Chef Müller als auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Pötsch in Bedrängnis. Müller war zum Winterkorn-Nachfolger berufen worden, gerade weil er nicht an den Vorgängen zu Zeiten des Abgas-Skandals beteiligt war.

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Hans Dieter Pötsch, der langjährige Vertraute der VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piëch, war zum damaligen Zeitpunkt der Finanzchef des Konzers. Er wäre dafür verantwortlich gewesen, die Aktionäre frühzeitig über die Risiken der Betrugssoftware zu informieren. Laut Wertpapierhandelsgesetz müssen Informationen, die große Relevanz für den Aktienkurs eines Unternehmens haben, sofort weitergegeben werden.

Die Börsenaufsicht Bafin prüft gerade, ob Volkswagen seine Anleger richtig über die finanziellen Risiken der Dieselaffäre informiert hat. Im Konzern will man sich zum aktuellen Stand der Untersuchungen derzeit nicht äußern; man verweist auf den April, wenn VW seine Ermittlungsergebnisse aus den vergangenen Monaten vorlegen will.

Volkswagen schützt seine aktiven Manager

Dass Winterkorn bereits im Mai 2014 - also fast eineinhalb Jahre vor Bekanntwerden - über Diesel-Probleme bei VW-Fahrzeugen in den Vereinigten Staaten informiert worden ist, hat der Konzern mittlerweile zugegeben. Seine aktiven Manager schützt der Konzern zur Zeit noch. Man äußere sich grundsätzlich nicht zu Inhalten von Vorstandssitzungen, so ein Sprecher des Konzerns - also auch nicht zu dem, was möglicherweise am 8. September gesagt wurde.

Nach wie vor beteuert VW, keine Pflichten verletzt zu haben, da man schließlich erst am 18. September 2015 die relevanten Informationen gehabt habe. Am Anfang war da von einer knappen halben Million Autos in den USA die Rede. Zwei Tage später, am 22. September, nachdem man erste belastbare Zahlen und Untersuchungsergebnisse gehabt habe, gestand VW die Manipulationen ein - allerdings an elf Millionen Fahrzeugen.

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