Von Karl-Heinz Büschemann

Der Deutsche-Bank-Chef Ackermann zeigt sich entgegenkommend - doch sein Verzicht ist nicht so großzügig, wie er auf den ersten Blick wirkt.

Er wolle "ein persönliches Zeichen der Solidarität" geben, sagt der Chef der Deutschen Bank. Deswegen will Josef Ackermann "in diesem schwierigen Jahr" auf seinen Gehaltsbonus verzichten, "zugunsten verdienter Mitarbeiter, die das Geld nötiger haben als ich".

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Deutsche-Bank-Chef Ackermann verzichtet freiwillig auf seinen Bonus - doch der wäre in diesem Jahr ohnehin nicht mehr so groß. (© Foto: Reuters)

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Damit hatte der Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank für Aufmerksamkeit gesorgt. Ackermann hat 2007 mehr als 14 Millionen Euro verdient. Mehr als 85 Prozent davon waren erfolgsabhängige Boni.

Mit dem freiwilligen Verzicht auf den größten Teil seines Einkommens kommt Ackermann, der als der mächtigste deutsche Manager gilt, dem bei der Regierung genannten politischen Idealgehalt für Banker von 500.000 Euro wenigstens schon nahe. Nach den Vorstellungen der Bundesregierung sollte kein Bankchef, der staatliche Hilfe sucht, mehr als diesen Betrag verdienen.

Ackermann will aber keine Hilfe vom Staat. Aber klar ist auch, dass sein Bonus in diesem Jahr wesentlich geringer ausfallen würde als im vergangenen Jahr, weil der Gewinn der Deutschen Bank schrumpft. Er ist auch nicht der erste deutsche Manager, der freiwillig auf Einkommen verzichtet.

Im Jahr 2006 hatte der umstrittene damalige Chef der Deutschen Telekom, Kai-Uwe Ricke, seine Bereitschaft zum Verzicht auf einen Teil seines Gehalts verkündet. Claus-Peter Müller bestand im Mai 2008 beim Wechsel vom Chefstuhl der Commerzbank auf den Sessel des schlechter bezahlten Aufsichtratsvorsitzenden nicht auf der Erfüllung seines Vertrags. Das kostete ihn 6,5 Millionen Euro.

Prügelknabe Ackermann

Auch im Ausland gab es gelegentlichen Gehaltsverzicht. Wegen der Hypothekenkrise nimmt Marcel Ospel, der Verwaltungsratschef der Schweizer Bank UBS, in diesem Frühjahr seine Boni nicht wahr. In den USA hatte 2006 der Chef des Autoherstellers Ford angesichts einer Entlassungswelle auf sein Gehalt verzichtet.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatten schon die Chefs der drei großen US-Fluggesellschaften American Airlines, United Airlines und Delta Air Lines ohne Bezahlung gearbeitet.

Diese Genügsamkeit sorgte aber nicht dafür, die Debatte über die hohen Managergehälter zu zähmen. In Deutschland ging sie mit diesem Jahrzehnt erst richtig los. Dabei stand einer wie Josef Ackermann als Prügelknabe immer im Vordergrund.

Auch die 100 Millionen Euro, die der Porsche-Chef Wendelin Wiedeking wahrscheinlich in diesem Jahr verdient, sind Stoff für Debatten am Stammtisch. Aber während Wiedeking in der Welt der Wirtschaft als einer gilt, der seine Aktionäre reich machte und selbst am Erfolg beteiligt wurde, wird Ackermann anders gesehen.

Vor allem in der Industrie sind viele sauer auf den Mann, der wie kein anderer für die Finanzbranche steht, die jetzt die Realwirtschaft mit nach unten reißt. "Dass Ackermann auf Gehalt verzichtet, ist in Ordnung", sagt ein Industriemanager. "Aber noch besser wäre es gewesen, wenn ihm der Aufsichtsrat die Bezüge gekürzt hätte."

"Gehälter werden sinken"

Dass die Gehälter der deutschen Konzernchefs in den zurückliegenden Jahren so drastisch stiegen, hat mit dem Erfolg der Unternehmen zu tun, die sie führen. Die Manager profitieren davon, dass die Aufsichtsräte dazu übergegangen sind, ihr Führungspersonal am Erfolg des Unternehmens zu beteiligen.

"Damit sollte den Managern die Beamtenmentalität früherer Jahre genommen werden", sagt Michael Adams. Der Professor von der Universität Hamburg, der ein heftiger Kritiker hoher Gehälter und Abfindungen ist, findet allerdings die meisten deutschen Chef-Gehälter in Ordnung. "Deutschland ist bei den Gehältern verglichen mit anderen Ländern noch maßvoll."

Adams ist auch sicher, dass die Managergehälter bald wieder sinken werden. Wenn die Wirtschaftsflaute einsetzt und die Geschäfte härter werden, fallen auch die erfolgsabhängigen Anteile der Chef-Gehälter. Adams schätzt, dass die deutschen Spitzenmanager im kommenden Jahr nur noch die Hälfte ihrer Bezüge von 2007 haben werden.

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(SZ vom 18.10.2008/gal)