Verstorbener Firmengründer Eiji Toyoda Erfinder des "Toyota-Way"

Ohne ihn wäre Toyota heute nicht der größte Autohersteller der Welt: Eiji Toyoda hat aus der kleinen Fabrik seines Vetters einen Weltkonzern geformt. Nun ist er im Alter von 100 Jahren gestorben. Der eigenwillige Industrie-Patriarch hat es geschafft, die Kultur seines Unternehmens auch außerhalb Japans zu etablieren. Dabei hatte er ziemlich Glück.

Von Christoph Neidhart, Tokio

Fünf Tage nach seinem hundertsten Geburtstag ist am Dienstag Eiji Toyoda gestorben, der Ingenieur, der aus der kleinen Autofabrik seines Vetters Kiichiro den Weltkonzern Toyota geformt hat. Toyoda war von 1967 bis 1982 Konzernchef und bis 1994 Präsident des Unternehmens. Er erlag im Toyoda-Memorial-Krankenhaus in Toyota City einem Herzversagen. Als Ehrenpräsident stand er der Toyota-Führung bis vor kurzem mit Rat und als "moralische Stütze" zur Seite, schreibt der Konzern in einer Pressemitteilung.

Der 43 Jahre alte Kiichiro hatte sich 1937 entschieden, in der Webstuhlfabrik seines Vaters auch Autos zu bauen. Dazu spannte er den 24-jährigen Eiji ein, der kurz zuvor sein Studium als Maschinenbauingenieur beendet hatte. Die beiden bauten ein Chevrolet-Modell aus importierten Teilen zusammen, Eiji zunächst als Arbeiter. Eine geplante Kooperation mit Ford wurde wegen des Kriegs gestoppt.

Danach hatten die beiden Cousins, die privat eine enge Freundschaft verband, ziemlich Glück: Ihre Firma war gerade klein genug, um von den US-Besatzern nicht zerschlagen zu werden. Schon 1950 schickte Kiichiro seinen Vetter mit Unterstützung der Amerikaner in die USA zu Ford. Dort sollte er die Massenproduktion studieren, um zum Wiederaufbau der japanischen Industrie beizutragen.

Eiji kehrte tief beeindruckt nach Japan zurück - mit eigenen Ideen, wie er Fords Fließband-Produktin verbessern könnte. Dazu erfand er das Kaizen-System, wonach die Herstellungsprozesse auf Anregung der Arbeiter ständig verbessert werden sollen. Auch Kanban, das Etiketten-System, das es Toyota erlaubt, keine Lagerbestände zu führen, sondern just-in-time zu produzieren, wurde unter seiner Führung erarbeitet. Heute gilt es als Vorläufer des Barcodes.

Zur Qualitätssicherung führte er ein Alarmsystem ein, das es jedem Arbeiter erlaubte, das Fließband zu stoppen. Und um sich die Loyalität seiner Belegschaft zu sichern, führte er die lebenslange Anstellung ein. Kaizen und Kanban, inzwischen auch "Toyota-Way" genannt, prägen heute in der ganzen Auto-Industrie die Abläufe.

Eiji Toyoda war einer jener eigenwilligen Industrie-Patriarchen, die aus dem vom Krieg zerstörten Japan eine führende Technologie-Exportnation gemacht haben. Und die man heute so sehr vermisst. Unter seiner Führung eroberte Toyota den US-Markt - im ersten Anlauf ohne, im zweiten dafür mit durchschlagendem Erfolg. Doch dem ehrgeizigen Ingenieur genügte es nicht, gute Autos massenhaft zu verkaufen. Er baute das erste Toyota-Werk in den USA. Und bewies damit, dass der "Toyota-Way" auch in andern Kulturen funktioniert.

Eiji Toyoda wollte der beste sein, er setzte die Luxus-Marke Lexus im Konzern durch, um Mercedes und BMW Konkurrenz machen. Er drängte seine Leute dazu, auf lange Sicht zu planen. Noch zu Beginn der 1990er-Jahre drückte er, obwohl das Benzin billiger war als Mineralwasser, die Entscheidung durch, einen Hybrid-Antrieb zu entwickeln und damit einen ersten Schritt in eine Zukunft ohne Verbrennungsmotor zu machen. Inzwischen sind die Prius-Modelle von Toyota nicht nur in Japan Bestseller.