Das deutsche Gesundheitswesen hat ein Luxusproblem: zu viel Geld. Krankenversicherungen und Gesundheitsfonds verzeichnen Überschüsse von 16 Milliarden Euro. Aber wohin damit? Die Summe könnte dazu dienen, die Sparauflagen für Kassen und Ärzte zu lockern, Mitgliedsbeiträge zu senken oder für eine weniger rosige Zukunft zu sparen. Doch jedes Szenario hat Haken.
Die Lage war dramatisch, die Aufregung groß. Neun Milliarden Euro Miese drohten den Krankenkassen - und daher Pleiten, Zusatzbeiträge. Um das Defizit einigermaßen zu stopfen, verabschiedete der Bundestag vor nicht einmal einem Jahr zwei heftig umstrittene Gesundheitsreformen und Spargesetze.
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Sparzwänge aufheben? Für die Zukunft vorsorgen? Beiträge senken? Keiner weiß genau, wohin mit dem überschüssigen Geld im Gesundheitswesen. (© ddp)
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Einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung später kann man sagen, das Vorhaben ist gelungen. Und wie! Das gesetzlich organisierte Gesundheitswesen schwimmt in Geld. Nicht nur die Kassen, sondern auch die zentrale Geldsammelstelle im Gesundheitssystem, der Gesundheitsfonds, bilanzieren nach Berechnungen des Schätzerkreises dicke Überschüsse. Das Verrückte ist: Keiner weiß so recht, was man damit machen soll.
Und die ohnehin guten Zahlen der Schätzer sind in Wirklichkeit noch besser. Denn die Experten verschweigen die bereits vorhandenen Reserven. Eine genauere Prüfung zeigt, dass aus dem befürchteten Defizit von neun Milliarden Euro inzwischen eine Finanzreserve von fast 16 Milliarden Euro geworden ist.
Nach Berechnungen des Schätzerkreises wird der Gesundheitsfonds das Jahr mit einem Plus von 4,4 Milliarden Euro abschließen. Doch dort lagert bereits eine Reserve - und zwar in Höhe von 4,2 Milliarden Euro. Der Fonds wird also zum Ende des Jahres einen Überschuss von 8,6 Milliarden Euro aufweisen.
Ähnlich sieht es bei den Kassen aus. Hier berichten die Schätzer von etwa 1,4 Milliarden Euro Überschuss für 2011. Das ist aber nicht einmal die halbe Wahrheit. Denn die etwa 150 Versicherer saßen Ende 2010 bereits auf Finanzreserven in Höhe von 5,9 Milliarden Euro. Ende 2011 verfügen sie also über 7,3 Milliarden Euro. Mit dem Geld im Gesundheitsfonds ergibt das ein wahrhaft gigantisches Plus von 15,9 Milliarden Euro.
Wohin also mit dem Geld? Grundsätzlich gibt es drei Szenarien, und alle drei sind problematisch. Vom "Konsum-Szenario" würden Ärzte, Krankenhäuser, Apotheker und andere Akteure des Gesundheitswesens profitieren. Sie plädieren nämlich dafür, die Sparauflagen des vergangenen Jahres wieder zurückzunehmen. Dafür gibt es in der Politik kaum Fürsprecher, weil die Finanzlage sich angesichts der Konjunktur bald wieder verschlechtern könnte.
Sinnvoll, aber leider verboten
Mit Blick auf die Konjunktur dürfte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sich auch weiterhin dagegen aussprechen, die Beiträge von derzeit 15,5 Prozent des Bruttolohns zu senken, also gegen die "Mehr-Netto-Variante". Dafür hatten sich schon mal die SPD sowie Politiker aus der Koalition ausgesprochen. Bahr besorgt offenbar, dass bei der zu erwartenden Wirtschaftsflaute die Kassen im Bundestagswahljahr 2013 dazu gezwungen würden, reihenweise Zusatzbeiträge einzuführen. Unterstützt wird der Minister vom CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn: "Die Zahlen zeigen, unsere Maßnahmen wirken. Allerdings warne ich vor Begehrlichkeiten. Wir haben einen kleinen Puffer, über den wir uns freuen, aber mehr auch nicht." Auch 2012 werde gespart.
Das führt gleich zum dritten Szenario, dem "Sparstrumpf-Szenario". Dafür sprechen sich die meisten Koalitionäre aus. Sie wollen die Überschüsse zurücklegen, um in der Zeit der wirtschaftlichen Flaute nicht wieder in Defizite zu fahren. Das Problem daran ist: Der Gesundheitsfonds sieht diese Möglichkeit nicht vor.
Besonders pikant ist, dass es gerade die Union war, die bei seiner Einführung verhindert hatte, eine Reserve für den Ausgleich wirtschaftlicher Schwankungen anzulegen.Um das "Sparstrumpf-Szenario" umzusetzen, müsste also das Gesetz zum Gesundheitsfonds geändert werden. Der stellvertretende Unions-Fraktionschef Johannes Singhammer (CSU) zeigte sich offen dafür. Bevor die Kassen finanziell austrockneten, müsse man die finanzielle Reserven des Fonds nutzen.
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(SZ vom 14.10.2011/infu)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
.... gebt uns Versicherte endlich niedrigere Beiträge, so hat jeder was davon. Aber sicher findet ihr wieder in der Pharmabranche jede Menge Interessenten am Geld der Beitragszahler...
...übrigens, wussten Sie dass Angestellte der Barmer Ersatzkasse bis zu 38 Tage Urlaub haben und noch bis vor kurzem mit 14 Monatsgehältern nach Hause gingen...?
Überschuß?
Wo kommt der jetzt plötzlich her?
Ähnlich war es doch als die Praxisgebühr eingeführt wurde. Es gab einen Überschuß, der sogleich in die Vorstände "investiert" wurde, um im Anschluß Zusatzbeiträge fordern zu können...
Gegen den Bail-Out wird doch direkt von der Regierung verstoßen. Also was solls? Und ich bin mir sicher TINA Merkels guter Freund Herr Ackermann hat schon eine Idee wie man diesen Überschuss bestmöglichst zu den oberen 1% umschichten kann. Wie wäre es mit einer super AAA Kapitalanlage in Immobilien neben Tchernobyl?
280 Mrd. € kostet unser Gesundheitswesen in etwa pro Jahr. Da sind 16 Mrd. nun auch wieder nicht so pralle.
Lieber an sparen und dafür das Beitragsniveau langfristig halten.
Ganz einfach. Ausschütten an die armen Vorstandsvorsitzenden, Vorstände, Aufsichtsräte etc. Denen ist es doch langweilig. Den ganzen Tag im Büro oder Sitzungen, wenn das Geld von allein fließt. Den Rest dann in Werbung oder in Wahlkampagnen stecken. Demnächst werden sicher wieder schlechte Zahlen veröffentlicht, dann muss eben die Praxisgebühr erhöht werden. Auf die Idee nur einer Krankenkasse in Verantwortung des zuständigen Ministeriums kommt ja niemand in dieser Spaßgesellschaft.
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