Der Versicherungskonzern Allianz legt Zahlen vor und kündigt schon jetzt an, dass er wegen der Finanzkrise sein Gewinnziel für 2008 nicht einhalten wird.

Europas größter Versicherer Allianz rechnet nach seinem Milliarden-Verlust mit weiteren Belastungen durch die Krise an den Finanzmärkten.

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Obwohl die Gewinnprognose nicht gehalten werden kann, plant die Allianz eine vergleichsweise üppige Dividende. (© Foto: ddp)

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Der Vorstand erwarte "zusätzliche Wertminderungen auf Kapitalanlagen, die insbesondere das operative Ergebnis in der Lebens- und Krankenversicherung belasten werden", heißt es im Geschäftsbericht, den der Dax-Konzern am Montag in München vorlegte.

Wenn sich die Aktienkurse bis Jahresende nicht erholen, werde das Ergebnis des vierten Quartals mit einer zusätzlichen Wertberichtigung von rund einer Milliarde Euro belastet, sagte Finanzvorstand Helmut Perlet zudem. Aber die Dresdner Bank habe keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis der Allianz-Gruppe, betonte Perlet.

Für den Verkauf der Tochter an die Commerzbank gebe es einen unterschriebenen Vertrag, die Transaktion laufe nach Plan, und er sehe keinen Grund, warum die Übergabe noch scheitern sollte. Trotz des Einbruchs der Commerzbank-Aktie "finden keine Nachverhandlungen statt", sagte Perlet.

Commerzbank-Aktienkurs wirkt sich nicht auf Jahresergebnis aus

Die Allianz werde "am Ende aller Tage 28,6 Prozent" an der Commerzbank halten. Der Aktienkurs der Commerzbank wirke sich nicht auf das Jahresergebnis der Allianz aus, weil die Beteiligung nicht zum Aktienkurs, sondern mit dem anteiligen Eigenkapital in den Büchern stehen werde.

Nach Abschluss der Transaktion werde die Allianz 28,6 Prozent der Commerzbank-Gewinne oder -Verluste in ihre eigene Gewinn- und Verlustrechnung übernehmen.

Die Krise und der Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank brockten der Allianz im dritten Quartal unter dem Strich einen Verlust von zwei Milliarden Euro ein.

Aktie mit Kursverlusten

Die Dresdner Bank musste alleine den Wert ihrer forderungsbesicherten Wertpapiere (ABS) um 650 Millionen Euro nach unten korrigieren. In der Lebens- und Krankenversicherung belasteten Abschreibungen das operative Ergebnis aus Kapitalanlagen gar mit 1,6 Milliarden Euro.

Dagegen nahmen sich die Abschreibungen in Höhe von 189 Millionen Euro auf die Engagements bei der insolventen Investmentbank Lehman Brothers vergleichsweise bescheiden aus.

An der Börse verbuchte die Allianz-Aktie gegen den sehr festen Markt Kursverluste. Gegen 11.15 Uhr fielen die Papiere von Europas größtem Versicherer um 1,4 Prozent auf 64,61 Euro. Der Dax hingegen kletterte um 3,4 Prozent auf 5108 Zähler.

"Bereits am Freitagabend hatte die Allianz von ihrem Quartalsverlust berichtet. Mit zwei Milliarden Euro fiel er allerdings nur halb so hoch aus wie von Experten befürchtet.

Zugleich rückte der Konzern von seinen Gewinnzielen ab. "Ohne eine umfassende Erholung der Aktienmärkte werden wir unser Ziel eines operativen Ergebnisses ohne das Bankgeschäft von neun Milliarden Euro in diesem Jahr und auch 2009 nicht erreichen können", sagte Vorstandsmitglied Helmut Perlet.

Trotzdem bereitet sich der Konzern auf die Zahlung einer Dividende vor und grenzte dazu für die ersten neun Monate 1,6 Milliarden Euro ab. Dies entspricht einer Ausschüttungsquote von 40 Prozent - der Höchstwert dessen, was Vorstandschef Michael Diekmann im August angekündigt hatte.

Operativer Gewinn überrascht positiv

Mit Zukunftsprognosen hielt sich der Vorstand zurück. "Unsere Aussagen zum Vorbehalt in Bezug auf die Finanzmärkte hatten nie eine größere Bedeutung als in diesem Quartal", sagte Perlet.

"Zuverlässige Aussagen über künftige Erträge sind in diesem Umfeld kaum möglich." Im fortgeführten Geschäft - also ohne die Dresdner Bank - kam der Konzern im dritten Quartal auf einen Quartalsüberschuss von 545 Millionen Euro.

Das Nettoergebnis der Dresdner Bank und Abschreibungen im Zusammenhang mit dem Verkauf führten bei der Allianz jedoch zu Belastungen von 2,6 Milliarden Euro. Beim operativen Gewinn kam die Allianz auf 1,6 Milliarden Euro und übertraf damit die Expertenprognose von 1,5 Milliarden Euro.

Das Eigenkapital des Konzerns schrumpfte von Jahresmitte bis Ende September von 40,5 auf 37,5 Milliarden Euro. Die vielbeachtete Solvabilitätsquote - also das Verhältnis von Verpflichtungen zu Eigenkapital und eigenkapitalähnlichen Mitteln - lag bei 157 Prozent. Demzufolge ist die Allianz im Branchenvergleich noch immer gut mit Kapital ausgestattet.

Die bisherige Allianz-Tochter Dresdner Bank, die von der Finanzkrise stark getroffen und Ende August an die Commerzbank verkauft worden war, schrieb im dritten Quartal erneut rote Zahlen.

Das operative Ergebnis sank auf minus 835 Millionen Euro nach einen Gewinn von 87 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Unter dem Strich stand ein Verlust von 1,2 Milliarden Euro.

Lebens- und Krankenversicherungen laufen schleppender

Auch die neue Sparte Allianz Banking, zu dem in Deutschland die Oldenburgische Landesbank (OLB), die von Allianz-Agenturen geworbenen Kunden und das Allianz-Bankgeschäft in Teilen des europäischen Auslands gehören, verzeichnete einen operativen Verlust von 17 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte hier ein Minus von 14 Millionen Euro gestanden.

Die Kapitalmarktkrise drückte auch auf Umsatz und operativen Gewinn des Lebensversicherungs- und Asset-Management-Geschäfts. In der Lebens- und Krankenversicherung hätten sich fondsgebundene Produkte deutlich schwächer verkauft, hieß es. Der operative Gewinn sank von 873 auf 218 Millionen Euro.

Im Asset Management ging er infolge von Wechselkurs- und Kapitalmarkteffekten um 44 Prozent auf 186 Millionen Euro zurück. In der größten Sparte - dem Geschäft mit Schaden- und Unfallversicherungen - verlief das Geschäft relativ stabil. Der operative Gewinn gab um 16 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro nach.

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(sueddeutsche.de/dpa-AFX/pak/hgn)