Von Thomas Öchsner

Wenn es ums Geld geht, überlassen viele Sparer am liebsten alles ihrer Bank. Kreditinstitute bieten deshalb auch weniger vermögenden Privatanlegern an, ihr Erspartes zu verwalten - mit einem standardisierten Mix von Fonds und Zertifikaten. Die Erträge fallen, verglichen mit dem Auf und Ab an den Finanzmärkten, aber häufig bescheiden aus.

Vermögensverwaltung gibt es nicht nur für Millionäre. Auch Anleger, die lediglich ein paar zehntausend Euro auf die Seite legen können, haben die Möglichkeit, die Anlage des Geldes von ihrer Bank managen zu lassen. Der Service ist dabei aber eingeschränkt: Da es für die Finanzinstitute zu aufwendig wäre, für Kleinanleger individuell Wertpapiere herauszusuchen, locken sie mit einer Mischung aus Fonds und Zertifikaten, die für alle Kunden gleichermaßen gilt. "Solche Produkte sind vor allem für Anleger geeignet, die keine Zeit dafür haben und sich nicht kompetent genug fühlen, selbst Anlage-Entscheidungen zu treffen, Fonds auszuwählen und die Kapitalmärkte zu beobachten", sagt Rüdiger Sälzle, Geschäftsführer des Münchner Fondsanalysehauses Fondsconsult.

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Die Fonds unterscheiden sich nach Anlagestrategien (© Foto: SZ)

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Diese Offerte der Banken kommt offenbar gut an: Das zeigt eine neue Studie von Fondsconsult, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Danach waren allein bei den vier Großbanken, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, Dresdner Bank und Commerzbank, sowie bei den Sparkassen und den Genossenschaftsbanken bis Ende März 2006 rund 30,8 Milliarden Euro in der fondsgebundenen Vermögensverwaltung angelegt. Das entspricht einem Plus von 50 Prozent verglichen mit der letzten Erhebung von Fondsconsult aus dem September 2004. Gefragt ist das Angebot vor allem bei den Sparkassen. Deren Fondstochter Deka ist mit einem Anteil von gut 60 Prozent einsamer Marktführer. Wichtigste Erkenntnis der Studie: Obwohl sich die erzielten Ergebnisse in den vergangenen eineinhalb Jahren deutlich verbessert haben, können die Anleger langfristig nicht mit überdurchschnittlichen Renditen rechnen - auch wegen der Zusatzkosten.

Die Mindestanlage: Die meisten Anbieter verlangen 15.000 Euro. Der Deka reichen auch 5000 Euro, wenn zusätzlich ein Ansparvertrag über mindestens 250 Euro im Monat abgeschlossen wird. Die Deutsche Bank offeriert ihre Dienste erst ab 25.000 Euro.

Die Depot-Varianten Die angebotenen Varianten unterscheiden sich durch die Höhe der Aktienquote. Auf Sicherheit bedachte Anleger erhalten überwiegend Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere investieren (Rentenfonds). Nicht mehr als 30 Prozent des Kapitals fließt dagegen in Aktienfonds. Für risikofreudige Anleger kommen Varianten in Frage mit einem Aktienfonds-Anteil von bis zu 100 Prozent. Die meisten Anleger entscheiden sich aber für einen Mittelweg und bevorzugen eine ausgewogene Anlagestrategie. Dabei bewegt sich die Aktienquote um die 50 Prozent.

Die Fondsauswahl Die Banken favorisieren Fonds von Investmentgesellschaften, die zum Gesamtkonzern gehören - nicht nur, weil sie genau wissen, was dahinter steckt. Diese Auswahl bringt auch Geld in die Kasse. Denn sämtliche Gebühren und Provisionen bleiben dann im Konzernverbund. Fonds von Gesellschaften, die nicht zum Konzernverbund gehören, tauchen inzwischen zwar häufiger auf. "Die meisten Anbieter scheinen Fremdprodukte allerdings beizumischen, um in der Öffentlichkeit einen besseren Eindruck zu machen", sagt Sälzle. Neu ist: Zertifikate, die die Wertentwicklung bestimmter Marktindizes widerspiegeln, werden verstärkt eingesetzt.

Die Kosten Ausgabeaufschläge fallen für den Kauf der Fonds nicht an. Dafür müssen die Anleger jährlich eine Verwaltungsgebühr bezahlen. Diese liegt im Durchschnitt bei 1,75 Prozent. Teilweise sind die Unterschiede aber groß: Die Gebührenspanne bewegt sich zwischen 0,95 Prozent für das in der Schweiz verwaltete Privat Ertrags-Portfolio der Deka und 2,32 Prozent für das Privat Mandat Dynamik der Deutschen Bank.

Die Wertentwicklung Sälzle verteilt hier Lob und Tadel. Zuletzt hätten die Anbieter mit der Entwicklung der einschlägigen Vergleichsindizes wie dem Euro Stoxx 50, dem MSCI World oder dem Rentenindex Citi EMU Government Bond Index durchaus mithalten können - auch deshalb, weil das meiste Geld in Euro-Anlagen floss und dort keine Währungsverluste entstanden. "Auf lange Sicht und unter Einbeziehung der Zusatzkosten wurden die Renditen vergleichbarer Marktindizes bis jetzt aber nur in Ausnahmefällen übertroffen. Hier müssen die Anbieter noch besser werden", sagt Sälzle. Grundsätzlich kommt die fondsgebundene Vermögensverwaltung seiner Ansicht nach nur für langfristig denkende Anleger in Frage: "Bei den aktienlastigen Varianten sollte man mindestens fünf Jahre Zeit mitbringen, um mögliche Kursschwankungen aussitzen zu können."

Die Gewinner und Verlierer Über alle Risikoklassen hinweg erzielte die HypoVereinsbank das beste Ergebnis. Die Note "gut" erhielten Commerzbank, Deka und Dresdner Bank. Ein "befriedigend" gab es in der Studie von Fondsconsult für die Deutsche Bank und die Union Investment, die Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken.

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(SZ vom 22.6.2006)