Aber offenbar erwartet der Bereich Wirtschaftsmedien für 2008 einen erheblichen Verlust, von bis zu zehn Millionen Euro insgesamt ist die Rede. Der überwiegende Teil davon soll die FTD erwirtschaften, im Minus seien aber auch Capital und Börse Online, während Impulse sich nahe der Null-Linie bewege. Derzeit leiden alle Medienunternehmen aufgrund der aufziehenden schweren Wirtschaftskrise und der abbrechenden Werbekonjunktur. Reine Wirtschaftstitel sind besonders stark betroffen. Hier inserieren unter anderem die Finanz- und die Autoindustrie, die tief in Schwierigkeiten stecken und deshalb Anzeigen als erstes stornieren. "Das ist momentan anzeigenmäßig ein Debakel", verlautete bei Gruner + Jahr über die Lage bei der FTD. In den vergangenen Monaten sei das Anzeigenvolumen der meisten Wirtschaftstitel deutlich nach unten gegangen.

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Trotzdem wird die neue Großredaktion künftig stark von der FTD geprägt sein. So soll die Redaktion von einem Chefredakteurskollegium geführt werde, das vom derzeitigen FTD-Chefredakteur Steffen Klusmann geführt wird. Dem Kollegium werden zudem Ursula Weidenfeld (Impulse) und Stefanie Burgmaier (Börse Online) angehören. Klaus Schweinsberg, Chefredakteur von Capital, hat gerade seine Abschied bekannt gegeben, er wollte angeblich die Kürzungen nicht mittragen. Für ihn werde aber ein Nachfolger bestimmt.

Problemfall FTD

Die Redaktion hat künftig mehrere Ressorts. CvD- und Layout-Aufgaben sollen aus einem Team heraus erbracht werden. Die Internetredaktionen der vier Titel werden zusammmengelegt, teilte G+J mit. Die FTD kommt derzeit auf eine Auflage von gut 101.000 Stück. Börse Online ist bei 100.000 Exemplaren, Impulse bei 121.000. Capital - das Wirtschaftsmagazin ist bereits seit 1962 am Markt - verkauft 210.000 Stück und musste zuletzt bereits das Erscheinen von zweiwöchentlich auf monatlich umstellen.

Wirtschaftlich war in den vergangenen Jahren vor allem die FTD ein Problemfall. Ursprünglich war der Pearson-Verlag (Financial Times) mit 50 Prozent beteiligt, doch ihre Anteile haben die Briten Anfang diesen Jahres an G + J verkauft. Vorangegangen waren quälend lange Verkaufsverhandlungen. Unter anderem der Spiegel-Verlag war interessiert, doch das Geschäft scheiterte am Widerstand der mächtigen Mitarbeiter-KG. Seit der Gründung im Jahr 2000 hat die FTD nur Verluste eingefahren. Immer wieder wurde in fast schon regelmäßigen Abständen über eine mögliche Einstellung der rosafarbene Zeitung spekuliert.

Auch seit dem Brandbrief von Kundrun stand dies offenbar im Raum. Dabei war der G+J-Chef Bernd Kundrun im Frühjahr noch fest überzeugt, dass bereits 2009 bei der FTD die ersehnten schwarzen Zahlen erreicht werden. "Bald tauchen wir auf", versprach er im April. Daraus wurde nichts - die G+J Wirtschaftsmedien tauchten sogar weiter ab. "Einer der größten Knaller" der deutschen Zeitungslandschaft hatten die Macher der FTD übrigens zum Start im Februar 2000 versprochen. Nun, fast neun Jahre später, musste das G+J-Management einen Knaller in eigener Sache verkünden - es sind keine gute Nachrichten.

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(SZ vom 20.11.2008/tob)