Von H. Schwarz

Plötzlich hat Opel Muße: Die Treuhandgesellschaft geht davon aus, dass der Autohersteller genug Geld hat, um lange Verkaufsverhandlungen durchzustehen.

Die Opel-Treuhandgesellschaft sieht keinen Zeitdruck, um für den angeschlagenen Autohersteller einen neuen Hauptgesellschafter neben dem bisherigen Mutterkonzern General Motors (GM) zu finden. Das Unternehmen stecke momentan "nicht in einer Notsituation". Alle Lieferanten würden bezahlt, sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin, am Montag.

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Opel-Händler im ostwestfälischen Verl. Der Autohersteller hat noch größere Problemfelder in den Gesprächen mit den möglichen Investoren. (© Foto: ddp)

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Der 67-Jährige ist auch Präsident der amerikanischen Handelskammer in Deutschland. Bei der Treuhand sind 65 Prozent der Opel-Anteile geparkt, die an einen Investor und an Mitarbeiter abgegeben werden sollen. Die übrigen Anteile hält der unter US-Gläubigerschutz stehende GM-Konzern.

Irwin erwartet eine Lösung für Opel in den kommenden sechs Monaten. Er fände es zwar "schön", wenn der Autohersteller "so schnell wie möglich" einen neuen Haupteigentümer bekäme. Doch gebe es keinen Grund für einen "Feuer-Verkauf", wie er es nannte.

"Über dem Budget für 2009"

Es wird zwar gemutmaßt, GM strebe einen rechtlichen Vorvertrag für eine Opel-Abgabe bis zum 15. Juli an. Irwin sagte, er wisse nicht, ob dem so sei. Brauche man aber mehr Zeit für eine Entscheidung, dann nehme man sich diese. Er fügte hinzu: "Legen Sie nicht so viel Wert auf ein Datum." Er erhalte regelmäßig einen Liquiditätsbericht von Opel und den anderen 59 von dem Verkaufsprozess betroffenen europäischen Gesellschaften mit insgesamt 50.000 Arbeitsplätzen.

Durch den Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro habe Opel derzeit "einen positiven Cash-flow". Die Firma liege von den Geschäftszahlen her nach fünf Monaten dieses Jahres "über dem Budget für 2009".

Die Gewinn- und Verlustrechnung interessiere ihn weniger, betonte Irwin. "Bei Opel ist ein eher niedrigerer neunstelliger Cash-Betrag in Euro vorhanden. Das ist etwas, das für mich zählt", sagte der Beiratsvorsitzende.

Neunstellig bedeutet im Bereich ab 100 Millionen Euro. Er ließ durchblicken, dass es noch größere Problemfelder in den Gesprächen mit den möglichen Investoren gibt.

"Sehr kompliziertes Verfahren"

Das sind neben dem Autozulieferer Magna noch der Finanzinvestor Ripplewood, der chinesische Autobauer BAIC und der Fiat-Konzern. So sagte er, es werde an einer "Lösung" für die Opel-Pensionsverpflichtungen gearbeitet. Diese belaufen sich auf 3,9 Milliarden Euro. Irwin berichtete, dem Fall Opel liege ein "sehr, sehr kompliziertes Verfahren" zugrunde. Der Verkaufsprozess sei "kein alltäglicher Vorgang".

Die Treuhandgesellschaft habe bereits zwei wichtige Entscheidungen einstimmig getroffen. Erstens sei GM ermutigt worden, sich alle ernsthaften Investoren anzuschauen. Zweitens würden alle Informationen, die zur Treuhand flössen, sofort an die Bundesregierung und die Regierungen der Länder mit Opel-Standorten (Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Thüringen) weitergeleitet.

"Gleichberechtigte Investoren"

Irwin sprach mit Blick auf Magna ausdrücklich nicht von einem favorisierten Interessenten für Opel. Eine solche Formulierung enthält der Treuhandvertrag ihm zufolge nicht. Irwin nannte Magna nur den "Hauptverhandlungspartner". Sein Gefühl sei, dass General Motors alle Bieter ernst nehme. Deshalb spreche die Treuhand von "gleichberechtigten Investoren".

Irwin betonte, letztlich müsse GM eine Entscheidung fällen. Diese werde mit dem Bund und den Ländern abgestimmt. Es gehe um eine "wirtschaftlich sinnvolle Lösung". Das Ziel der Treuhand: "Wir möchten, dass Opel und die anderen 59 Gesellschaften eine Zukunft haben."

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(SZ vom 30.06.2009/pak)