Wie ein stimmiges Konzept für den Verkaufsraum den Umsatz ankurbelt und warum es dabei vor allem um Authentizität geht, erklärt der Architekt Jons Messedat.
Jons Messedat ist Architekt und Industriedesigner. Er betreibt in Stuttgart das Institut für Corporate Architecture und lehrt das Fach Innenraumgestaltung an der Fachhochschule Köln. (www.messedat.de)
Jons Messedat. (© Foto: oH)
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sueddeutsche.de: Herr Messedat, das inszenierte Verkaufsumfeld ist ein wichtiger Faktor für den Verkauf. Was machen die meisten Läden falsch?
Jons Messedat: Viele haben begriffen, dass ein stimmig inszeniertes Verkaufsumfeld ein wichtiger Wettbewerbsvorteil ist. Bei der Umsetzung sehe ich aber noch viele Chancen zur Verbesserung. Beispielsweise sollten Filialisten meiner Meinung nach unbedingt mehr Abwechslung in ihre Läden bringen. Einkaufsmeilen und Shopping Center werden durch weltweit einheitliche Filialen immer austauschbarer. Ob in München, Moskau oder Montreal, die sogenannten Ankermieter aus dem Mode-, Medien-, oder Konsumgüterbereich sehen überall gleich aus. Hier liegt eine große Chance für kleinere Anbieter, sich durch ein individuelles Erscheinungsbild abzuheben.
sueddeutsche.de: Wie wird der Kunde perfekt zum Kauf animiert?
Messedat: Erstes Ziel eines guten Stimmungsmanagements ist es, im Kunden ein Gefühl von Zugehörigkeit und Identität zu erzeugen, um so seine Aufmerksamkeit zu wecken, was im Idealfall auch zu guten Umsätzen führt. Und es geht um Authentizität - die räumliche Umsetzung muss zur Marke passen. Das Corporate Design spiegelt sich in Faktoren wie der Auswahl von passenden Materialien, der Möblierung, der Lichtführung und der Integration medialer Elemente wider. Zusätzlich sinnvoll sind räumliche Angebote wie originelle Lounges. Hier fühlt sich der Kunden wohl, und er kann entspannen.
sueddeutsche.de: Wie beurteilen Sie die dramaturgische Qualität der Läden in Deutschland im Allgemeinen?
Messedat: Das Interesse für gut gestaltete Verkaufsräume ist generell gestiegen, somit wird auch mehr in Design und Architektur investiert. Aber das gilt nicht für alle Bereiche. Gerade Lebensmittel und Güter für den täglichen Bedarf werden möglichst preiswert auf der grünen Wiese eingekauft. Hier ist noch viel Entwicklungspotential vorhanden, damit das Einkaufen wieder Spaß macht.
sueddeutsche.de: Wie wichtig sind Flagship Stores für Unternehmen?
Messedat: In einem Flagship Store präsentiert ein einziger Hersteller seine Produktpalette - und ist somit von allen Zwischenschritten im Vertrieb unabhängig. Gleichzeitig ist es nach meiner Erfahrung die Herausforderung, nicht das Produkt in den Vordergrund der Präsentation zu stellen, sondern die Idee, den Lebensstil und die Haltung, die es verkörpert. Die internationalen Premium-Marken leisten sich spektakuläre Flagship Stores, die ganze Straßenzüge und Stadtviertel prägen. So hat sich der berühmte Omotesando in Tokio zu einem Prestigeboulevard mit spektakulären Bauten der internationalen Architektur-Avantgarde gewandelt. Neben den bekannten Modelabels setzen inzwischen aber auch andere Branchen, wie Baustoffhändler und Anbieter aus der Kommunikationstechnologie, mit eigenen Flagship Stores Zeichen.
sueddeutsche.de: Was können Billig-Discounter wie Aldi und Lidl machen?
Messedat: Man dachte bisher, Discounter können ihre Waren so billig anbieten, weil sie weniger auf ihre räumliche Qualität achten. In jüngster Zeit beweisen einzelne Handelsketten jedoch das Gegenteil. Die Tiroler Supermarktkette M-Preis arbeitet zum Beispiel mit ortsansässigen Architekten. Es wird immer ein kleines Café integriert, das manchmal sogar die Funktion der Dorfkneipe übernimmt. Auch in Deutschland akzeptiert der Kunde die banalen Standardhallen nicht mehr. Eine gute Raumqualität kann schon mit einfachen Mitteln, wie die Nutzung von Tageslicht und natürliche Belüftung, erzielt werden. Discounter müssen mehr Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Kunden und der Umwelt zeigen. Wir sind hier noch ganz am Anfang einer Entwicklung.
(sueddeutsche.de/jja/mel)
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