Verkauf von RWE-Tochter an Oligarchen Russische Hand am Hahn

RWE Dea produziert als einer von zwei deutschen Konzernen Öl und Gas, hier auf der Bohrinsel Mttelplate.

(Foto: dpa)

Mitten in der Ukraine-Krise wächst der Einfluss Russlands auf die deutsche Energieversorgung: RWE will seine Öl- und Gastochter Dea an einen russischen Investor verkaufen. Die Bundesregierung hat die Übernahme nun abgesegnet.

Von Markus Balser, Berlin

Eine der brisantesten Übernahmen seit Jahren geht derzeit über die Bühne: Die Bundesregierung erlaubt einer Investorengruppe um den russischen Oligarchen Michail Fridman die umstrittene Übernahme der RWE-Tochter Dea für mehr als fünf Milliarden Euro. "Das Bundeswirtschaftsministerium hat den Erwerb der RWE Dea durch das Unternehmen Letter One intensiv geprüft und keine Einwände erhoben", sagte Staatssekretär Stefan Kapferer am Freitag. Die Freigabe liege dem Unternehmen vor, teilte auch ein Sprecher der Investmentfirma mit.

Mit dem Kauf wächst inmitten der Ukraine-Krise und eines eskalierenden Streits um Wirtschaftssanktionen der Einfluss Russlands auf die deutsche Öl- und Gasversorgung. RWE Dea ist neben der BASF-Tochter Wintershall der einzige deutsche Öl- und Gasproduzent. Das Unternehmen erkundet und beutet weltweit Vorkommen aus und hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Weitere wichtige Vorkommen liegen in Großbritannien, Norwegen, Dänemark und Ägypten. Der Anteil von RWE Dea an der deutschen Öl- und Gasversorgung ist zwar klein - das Unternehmen könnte jedoch in Zukunft bei dem Versuch eine größere Rolle spielen, unabhängiger von russischen Rohstofflieferungen zu werden.

RWE ist hochverschuldet

Die Bundesregierung hatte den Deal über Monate geprüft. Die Untersuchung galt als größte politische Hürde für den Verkauf der Tochter durch den klammen Energieriesen RWE. Die Regierung kann nach dem Außenwirtschaftsgesetz bei ausländischen Übernahmen deutscher Firmen unter bestimmten Voraussetzungen ihr Veto einlegen, etwa wenn ein Investor mehr als 25 Prozent der Anteile erwirbt. Dies gilt, wenn die strategische Infrastruktur oder die öffentliche Sicherheit gefährdet sind.

Die Zustimmung Berlins gilt auch als Signal der Entspannung an Russland. Ein Verbot hätte Gegenmaßnahmen aus Russland und eine neue Runde in der Sanktionsspirale auslösen können, sagt ein Insider. Die EU-Kommission hatte den Verkauf von Dea im Juli aus wettbewerbsrechtlicher Sicht genehmigt.

Auch für den hoch verschuldeten Versorger ist der Verkauf von großer Bedeutung. RWE verfolge den Verkaufsprozess jetzt wie geplant weiter, nachdem mit dieser Entscheidung eine Hürde genommen sei, heißt es vom Konzern. RWE kämpft wegen der Energiewende mit Gewinneinbrüchen. Mit dem Verkauf der Tochter will der Versorger nicht nur die klamme Kasse füllen, sondern auch weitere Investitionen in das kapitalintensive Geschäft der Öl- und Gasförderung vermeiden.

Auch der russische Ölkonzern Rosneft - größter Produzent des Landes - baut seinen Einfluss in Westeuropa aus. Der Konzern übernimmt den Ölförderer North Atlantic Drilling (NADL) aus Norwegen zu einem Drittel. Zur Übernahme gehören auch 150 Bohranlagen. Damit bekommt Moskau auch auf Teile der norwegischen Gasinfrastruktur Zugriff. Norwegen ist eines der wichtigsten Förderländer Europas.