Verkauf deutsch-irischer Bank geplatzt Staat wickelt Krisenbank Depfa ab

Die Angebote waren einfach zu schlecht: Nach fünf Jahren erfolgloser Suche nach einem Käufer wickelt sie die Depfa, die in der Finanzkrise ihr Mutter-Institut Hypo Real Estate zur "Zombie-Bank" machte, selbst ab. Damit bleiben die Risiken eines Instituts - mal wieder - beim Staat hängen.

Eigentlich wollte der Staat die Bank loswerden, jetzt wird er sie selbst ihrem Ende zuführen: Der Verkauf der deutsch-irischen Bank Depfa ist geplatzt. Der Lenkungsausschuss des staatlichen Rettungsfonds Soffin entschied sich nach mehrstündigen Beratungen dafür, die Bank und deren Wertpapierbestände über die Zeit lieber in Eigenregie abzuwickeln, als sie an einen Investor zu verkaufen. Das teilte das Finanzministerium am Dienstagabend mit. Der Kampf mit den Altlasten der Finanzkrise verläuft nicht wie geplant.

Die Abwicklung der Depfa, einer Tochter des in der Finanzkrise kollabierten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE), über die Bad Bank der HRE komme den Steuerzahler billiger als ein Verkauf, hieß es zur Begründung.

Etwa 200 Menschen arbeiten für die Depfa. Die Bank sitzt im irischen Dublin und ist auf Staatsfinanzierung spezialisiert. 2007 war sie von der HRE übernommen worden, die sich große Chancen von der Depfa versprach und mehr als fünf Milliarden Euro für die Bank zahlte. Als Spezialist für die Staatsfinanzierung sollte die Depfa ein Gegengewicht bilden zum volatilen Immobiliengeschäft, auf das sich die HRE konzentriert hatte.

Die Depfa war dann maßgeblich für die Krise der HRE verantwortlich, weil sie Geld langfristig verlieh und sich extrem kurzfristig refinanzierte. Nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 funktionierte dieses Modell nicht mehr, weil die Banken sich gegenseitig nicht mehr vertrauten. Damit stand die HRE als Mutter fast vor der Pleite und musste vom Bund gerettet und später verstaatlicht werden, weshalb sie als "Zombie-Bank" berüchtigt wurde. Etliche Aktionäre verloren ein Vermögen mit ihren HRE-Aktien und fordern in Prozessen mehr als eine Milliarde Euro Schadenersatz.

"Wertschonende" Abwicklung der Depfa

Die Abwicklung der Depfa ist auch eine schlechte Nachricht für das gesunde HRE-Überbleibsel, die Pfandbriefbank pbb. Sie muss nach dem Willen der EU bis Ende 2015 privatisiert werden. Investoren könnten durch die Abwicklung der Depfa aber abgeschreckt werden. Dennoch hält der Bund daran fest, die pbb zu verkaufen.

Einige Ausschussmitglieder sperrten sich offenbar gegen ein Angebot des Finanzinvestors Leucadia und des Versicherers MassMutual in Höhe von 320 Millionen Euro.

Mit der Bad Bank der HRE, der FMS Wertmanagement, habe der Bund aber eine erfahrene Einrichtung, um die Depfa abzuwickeln und ihre Werte dabei zu schonen, hieß es. "Es ist die Aufgabe der FMS Wertmanagement, im Interesse des deutschen Steuerzahlers ein bestmögliches Abwicklungsergebnis zu erwirtschaften", sagte auch Soffin-Chef Christopher Pleister.

Die FMS wickelt bereits milliardenschwere Giftpapiere der HRE aus der Finanzkrise ab. Das sind verbriefte und gebündelte Hypotheken, die an Wert verloren, als der amerikanische Immobilienmarkt zusammenbrach und die Finanzkrise auslösten. Nun kommt die Depfa mit einer Bilanzsumme von 49 Milliarden Euro hinzu. Die Wertpapierbestände laufen über die nächsten Jahrzehnte aus, vereinzelt werden sie auch verkauft. Das ist inzwischen wieder besser möglich, weil sich der Markt für die zeitweise fast wertlosen Papiere deutlich erholt hat. Dadurch könnte es durchaus attraktiv werden, die Bestände zu verkaufen.

Die HRE, die sich nachdrücklich für einen Verkauf der Depfa ausgesprochen hatte, warnte in vertraulichen Dokumenten allerdings wiederholt, der Bund würde in diesem Fall auch auf den Risiken sitzen bleiben.