Vergiftete Ureinwohner in Ecuador Chevron muss Milliarden für Ölpest im Regenwald zahlen

Der Giftskandal im Amazonas-Gebiet kommt dem Ölmulti Chevron teuer: Ein Gericht in Ecuador verurteilt den Ölkonzern wegen Umweltverschmutzung zu Schadenersatz - und verdoppelt die Summe auf 18 Milliarden Dollar, weil der Ölkonzern zu stur war, sich zu entschuldigen. Es ist nicht das einzige Desaster für das Unternehmen auf dem Kontinent.

Giftwasser und Schweröl haben die Indianer krank gemacht und die Umwelt im Amazonas-Gebiet zerstört. Jetzt muss einer der weltgrößten Ölkonzerne 18 Milliarden Dollar Schadenersatz für diese Umweltverschmutzung zahlen. Zu dieser Summe hat ein Gericht in Ecuador das US-Unternehmen Chevron verurteilt. Damit bestätigte es das Urteil einer ersten Instanz vom Februar vergangenen Jahres.

Damals wurde der Ölmulti zunächst zu einer Zahlung von 8,6 Milliarden Dollar verdonnert. Die Summe wurde aber später mehr als verdoppelt, weil Chevron sich nicht öffentlich entschuldigte, wie es das Gericht gefordert hatte.

Das Urteil werde in allen Teilen bestätigt, auch in der Frage der moralischen Wiedergutmachung, erklärte nun das Gericht in der Stadt Lago Agrio. Chevron sprach von einer unrechtmäßigen Entscheidung und Betrug. Der Konzern kündigte an, vor einem Gericht in den USA gegen dagegen vorgehen zu wollen. Das Unternehmen hat auch noch die Möglichkeit, vor Ecuadors oberstes Gericht zu ziehen.

Wie in vielen südamerikanischen Staaten ist die linke Regierung auf Konfrontationskurs mit den US-Energiekonzernen. Präsident Rafael Correa begrüßte das Urteil. "Der Gerechtigkeit wurde genüge getan", sagte er und sprach von einem Kampf zwischen David gegen Goliath. Niemand könne den Schaden leugnen, den Chevron dem Amazonas-Gebiet zugefügt habe.

Der Beginn des Rechtsstreits liegt 18 Jahre zurück. Einwohner der Region haben geklagt, weil das US-Ölunternehmen Texaco Rückstände von Ölbohrungen falsch entsorgt und so weite Flächen des Regenwaldes verschmutz haben soll. Dies hat laut Urteil zu Krankheiten und Todesfällen unter den Ureinwohnern geführt. Texaco wurde 2001 von Chevron übernommen. Seit 1993 bohrt die staatliche Ölfirma Petroecuador auf dem Feld von Lago Agrio.

Chevron hatte gegen die erste Entscheidung Berufung eingelegt und unter anderem argumentiert, dass Texaco alle Ölrückstände beseitigt habe, für die das Unternehmen verantwortlich gewesen sei. Auch die Kläger hatten das Urteil angefochten und eine höhere Entschädigung gefordert.

Der Fall hat international Aufsehen erregt. Denn Öl-Unternehmen befürchten, dass er zu einem Präzedenzfall werden könnte. Chevron selbst hat auch auf der anderen Seite des Kontinents Ärger: Erst kürzlich wurde der Konzern in Brasilien auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagt, weil bei Bohrungen vor der Küste bei Rio de Janeiro Öl ins Meer geflossen war.

Linktipp: Im Archiv steht die SZ-Reportage aus dem Regenwald in Ecuador, die Menschen vorstellt, die den Rechtsstreit vorangetrieben haben. Die NGO Rainforest Action Network hat ein Dossier über "Chevrons giftiges Erbe" zusammengestellt.