Ein Kommentar von Alexander Hagelüken

Aus der Nokia-Standortverlagerung von Bochum nach Rumänien kann eine Lehre gezogen werden: Konsumenten und Aktionäre sollten ihre Macht nutzen.

Noch vor wenigen Wochen war Nokia ein angesehenes Unternehmen. Im Imageranking eines Marktforschungsinstituts lag der finnische Handyhersteller auf dem ersten Platz - nun ist er auf den letzten abgestürzt. In einer Umfrage erklärte jeder zweite Bundesbürger, er wolle keine Handys des Unternehmens mehr kaufen. Die SPD hat eine Anti-Nokia-Kampagne gestartet. Und ein Internet-Unternehmer kündigte an, er wolle 50000 Handys von Nokia sammeln und sie vor dem Werk in Bochum verschrotten.

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Kein Zweifel: Die Verlagerung des Bochumer Nokia-Werks mit mehr als 2000 Arbeitsplätzen nach Rumänien erregt die Deutschen. Und sie wirft mal wieder die Frage auf: Können die Bürger beeinflussen, was Manager kühl betriebswirtschaftlich entscheiden? Und sollen sie es überhaupt?

Die Hybris der Investoren

Es ist in einer Marktwirtschaft zunächst einmal Sache der Unternehmen, wo sie was herstellen. Die staatliche Lenkung der Produktion führt sowohl in der harten Variante à la DDR als auch in der sanften à la Frankreich zu niedrigerem Wohlstand, weil der Staat nach aller Erfahrung ein schlechter Manager ist. Außerdem bringt die Globalisierung, zu der auch die weltweite Arbeitsteilung gehört, für die Deutschen viele Vorteile. Wenn in Rumänien Tausende gut bezahlte Stellen entstehen, verdienen diese Rumänen mehr als bisher und können mehr Hochwertiges Made in Germany kaufen.

Doch auch wer als Marktwirtschaftler solche Grundsätze akzeptiert, muss nicht alles billigen, was internationale Konzerne treiben. Beispiel Nokia: Die Finnen verlagern das profitable Bochumer Werk unter anderem, weil sie ihre Gewinnmarge auf 16 Prozent steigern möchten. Diese Rendite erwarteten die Aktionäre, lautet eine der Begründungen. Warum aber sollen nur internationale Investoren über die angepeilte Rendite einer Firma entscheiden? Darf man hinnehmen, dass die Investoren die Fertigung in Hochlohnländern wie der Bundesrepublik damit teilweise unmöglich machen? Warum sind die 13 Prozent zu wenig, die Nokia bisher verdient hat?

Natürlich gibt es andere Gründe für die Verlagerung, etwa den Trend zu Billighandys, die dann auch günstig produziert werden müssen. Doch es geht um etwas Grundsätzliches. Tatsache ist, dass in den vergangenen Jahren die Finanzmärkte die Deutungshoheit darüber gewonnen haben, wie Firmen wirtschaften und wie viele Menschen sie beschäftigen sollen. Viele Investoren fordern die Maximierung der Rendite zu Lasten der Beschäftigung - und deshalb das Abstoßen auch profitabler Geschäfte. Es ist in einer demokratischen Gesellschaft das gute Recht jedes Bürgers, diesen absoluten Machtanspruch der Investoren anzuzweifeln. Die Deutschen eröffnen im richtigen Moment die Debatte darüber, wie sich Gewinn und Beschäftigung besser vereinbaren lassen als bei Nokia.

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