VDA-Präsident Wissmann fordert mehr Unabhängigkeit von russischem Gas

"Wenn der Neuwagenabsatz in Russland deutlich zurückgeht, spüren wir das natürlich": VDA-Präsident Wissmann.

(Foto: dpa)

"Das wären sehr viel stärkere Signale als die bisherigen Sanktionen": Der Chef des Verbandes der Automobilindustrie, Matthias Wissmann, schlägt im SZ-Interview vor, den Import russischer Rohstoffe zurückzufahren.

VDA-Präsident Matthias Wissmann fordert eine größere Unabhängigkeit der europäischen Industrie von russischen Rohstoffen. "Wenn sich Europa dazu durchringen könnte, mittel- und langfristig unabhängiger von russischen Gaslieferungen zu werden, würde die Regierung Putin das spüren", sagte der Chef des Verbandes der Automobilindustrie der Süddeutschen Zeitung.

Sollte "Russland den Konflikt mit der Ukraine weiter vorantreiben", hätten "Maßnahmen auf der Rohstoffseite - Gas und Öl - sicher die größte Hebelwirkung". Dazu müsse man überlegen, verstärkt in Hafenanlagen zu investieren, "um verflüssigtes Gas aus anderen Regionen der Erde zu beziehen", so Deutschlands oberster Autolobbyist. "Das wären sehr viel stärkere Signale als die bisherigen Sanktionen der EU, die uns ja auch selbst schaden."

Skeptisch gegenüber den Maut-Plänen der Bundesregierung

Zurzeit sei die deutsche Autoindustrie nur bedingt von dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine betroffen; lediglich drei Prozent der deutschen Pkw-Exporte gingen nach Russland. "Andererseits haben wir dort einen Marktanteil von einem Fünftel. Wenn der Neuwagenabsatz in Russland deutlich zurückgeht - allein im August gab es ein Minus von 26 Prozent - spüren wir das natürlich."

Wissmann zufolge könnte der Konflikt aber auch Auswirkungen auf die weltweite Autoindustrie haben. "So viele Krisenherde zur gleichen Zeit können sich natürlich psychologisch auf den Weltmarkt auswirken", warnt der Verbandschef.

Skeptisch steht der frühere Bundesverkehrsminister und CDU-Politiker den Maut-Plänen der Bundesregierung gegenüber. Der Plan, die Lkw-Maut auf weitere Bundesstraßen auszuweiten, führe zu Belastungen der regionalen Wirtschaft. "Schon auf den 1000 km Bundesstraßen, die heute bereits mautpflichtig sind, fahren zu 85 Prozent deutsche, mittelständische Unternehmen und Handwerker.

Sie wären es, die durch eine generelle Bundesstraßenmaut stärker belastet würden. Da darf man die Schraube nicht überdrehen, zumal strukturschwache Regionen weitere Standortnachteile bekämen." Auch die geplante Pkw-Maut sieht Wissmann kritisch: "Es sollen spürbare Einnahmen erzielt werden, ohne den deutschen Autofahrer zusätzlich zu belasten. Gleichzeitig soll das Europarecht eingehalten werden und der bürokratische Aufwand gering sein - keine einfache Sache!"

Das komplette Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.