Utz Claassen und Carsten Maschmeyer Kleinkrieg der Groß-Egos

Einst waren sie Freunde, dann stritten sie wegen eines gemeinsamen Investments: Utz Claassen und Carsten Maschmeyer.

(Foto: dpa)
  • Zwischen den einst befreundeten Managern Utz Claassen und Carsten Maschmeyer herrscht immer noch keine Ruhe.
  • Der Streit um das gemeinsame Investment bei der Medizinfirma Syntellix tobt inzwischen auf Stellvertreter-Ebene.
Von Uwe Ritzer

Freunde werden sie wohl nicht mehr, Utz Claassen, 54, und Carsten Maschmeyer, 58. Dabei schienen die beiden Groß-Egos aus Hannover zumindest ihren Kleinkrieg um die Medizintechnikfirma Syntellix beendet zu haben, die Claassen gegründet hat und bei der Maschmeyer als Co-Investor mitmischte. Über das gemeinsame Investment waren die zwei derart in Streit geraten, dass sich daraus ein Beschäftigungsprogramm für Rechtsanwälte, Staatsanwälte und Richter entwickelte. Kurz vor Weihnachten schien endlich Ruhe eingekehrt, als Maschmeyer sich bei der Syntellix AG zurückzog und alle seine Aktien an Claassen verkaufte. Wobei selbstverständlich jede Seite für sich reklamiert, dabei den besseren Deal gemacht zu haben als der Rivale.

Die Hoffnung vom Frieden erweist sich im Nachhinein jedoch als verfrüht. Wobei sich Claassen und Maschmeyer nicht mehr unmittelbar bekriegen, sondern Stellvertreterkriege toben. So attackiert die Firma Syntellix, die Knochenimplantate herstellt, die sich im menschlichen Körper mit der Zeit von selbst auflösen, Klaus Schieble, einen engen Mitarbeiter Maschmeyers und ehemaligen Aufsichtsrat des Unternehmens. Zwei Strafanzeigen von Syntellix gegen Schieble liegen bei der Staatsanwaltschaft Hannover. Deren Sprecherin sagt, man prüfe noch, ob überhaupt ein Anfangsverdacht auf eine Straftat bestünde. Daneben laufen allerhand zivilrechtliche Auseinandersetzungen, sogar Schadenersatz soll eingeklagt werden.

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Schieble, ein promovierter Jurist, ist so etwas wie der letzte Maschmeyer-Mohikaner in Claassens Syntellix-Reich, wo der frühere EnBW-Chef als Aufsichtsratschef fungiert. Schieble hält noch eine (!) Syntellix-Aktie und weigert sich standhaft, diese herzugeben. Das Unternehmen feuert derweil mit schweren Geschützen auf ihn. Schieble habe als Aufsichtsrat Firmengeheimnisse an die Konkurrenz verraten, lautet der Hauptvorwurf.

Als Beweis wird eine E-Mail angeführt, die Schieble am 27. August 2016 um ein Uhr früh an Reinhold Schmieding schrieb, den Mehrheitseigentümer des größten Syntellix-Konkurrenten Arthrex. Ausgerechnet Schmieding hatte tags zuvor eine Maschmeyer-Villa am Starnberger See gekauft, was Claassen nicht für einen merkwürdigen Zufall hält, sondern als Indiz für dunkle Machenschaften im Hintergrund ansieht. In besagter Mail teilte Maschmeyer-Mann Schieble Schmieding mit, welche Produktreihen demnächst bei Syntellix anliefen und wie die internationalen Expansionspläne aussähen. Er habe, sagt Schieble, Syntellix nur positiv darstellen wollen und dabei ausschließlich Informationen in seiner Mail verwendet, die bereits öffentlich gewesen seien.

Vor Gericht gab es eine Schlappe für das Maschmeyer-Lager

Doch das Landgericht Hamburg stellte sich auf Claassens Seite und bereitete dem Maschmeyer-Lager eine Schlappe. Nichts anderes ist die seit wenigen Tagen erst vorliegende schriftliche Begründung eines Urteils der 24. Zivilkammer von Ende Januar. Ihr eindeutiger Tenor: Ja, Schieble habe "geheimhaltungsbedürftige Informationen" an die Konkurrenz weitergegeben.

Was er Schmieding geschrieben habe, sei zu diesem Zeitpunkt nicht öffentlich bekannt gewesen. Das Gericht kassierte damit eine einstweilige Verfügung, in der Claassen der Vorwurf des Geheimnisverrates gegen Schieble noch verboten worden war. Letzterer will sich damit nicht abfinden. Er werde Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen, so Schieble auf Anfrage. Utz Claassen hingegen sieht sich nun bestätigt. Wobei sein Sprecher sagt, Schieble habe in der Causa Syntellix nicht allein, sondern immer nur als Bevollmächtigter Maschmeyers gehandelt.

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