USA Trumps Wirtschaftsteam ist weiß, alt, männlich und extrem reich

  • Trump setzt auf Wirtschaftsberater, die größtenteils sind wie er: weiß, alt und sehr reich. Frauen fehlen komplett auf der Liste.
  • Auch verzichtet Trump größtenteils auf Ökonomen und setzt stattdessen lieber auf Machertypen, die wissen, wie man reich wird.
Von Kathrin Werner, New York

Donald Trumps Wirtschaftsberater sind so wie er selbst. Natürlich ist ihre Haut nicht so orangefarben, und ihre Haare sind nicht so geföhnt wie bei dem Mann, der im November für die Republikanische Partei Präsident der Vereinigten Staaten werden will. Doch auf der Liste der Berater, die Trump jetzt veröffentlicht hat und die mit ihm ein Programm für die Zukunft der USA entwickeln sollen, stehen fast nur: weiße, alte Männer. Und fast alle sind schwerreich - so wie auch der Immobilienunternehmer selbst, der ständig den Eindruck erweckt, er mache Politik für die kleinen Leute in den USA, für Gering- und Durchschnittsverdiener.

Kurioserweise heißen auch noch fünf von 14 Beratern Steve. Frauen fehlen dagegen komplett auf der Liste. Dafür ist einer von Trumps besten Freunden dabei: Howard Lorber, Multimillionär, einer von Trumps besten Freunden und Chef des Hot-Dog-Verkäufers Nathan's Famous. "Ich bin sehr zufrieden, dass wir so eine formidable Gruppe an erfahrenen und talentierten Menschen haben, die mit mir an echten Lösungen für die wirtschaftlichen Probleme arbeiten werden, vor denen unser Land steht", sagte Trump. Fast alle Berater zählen zu den Spendern, die Trumps Kandidatur mit Millionen unterstützen.

Die Krawatten leuchten in der gleichen Farbe: Donald Trump und sein Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten, Mike Pence, landen für einen Wahlkampfauftritt in Green Bay, Wisconsin.

(Foto: Eric Thayer/Reuters)

Die Banken der Wall Street blieben außen vor - oder haben sich verweigert

Fast interessanter als die Namen, die auf Trumps Liste stehen, sind die Namen, die fehlen: die üblichen Wirtschaftstheoretiker und Starökonomen, die sonst immer zur republikanischen Berater-Elite zählen, zum Beispiel Glenn Hubbard von der Columbia Business School oder Gregory Mankiw von der Universität Harvard. Nur einer der Männer, auf die Trump hören will, ist Professor für Volkswirtschaft: der Freihandelskritiker und China-Feind Peter Navarro von der University of California. Trump glaubt nicht an die traditionellen Wirtschaftstheoretiker und großen Denker, er setzt auf Machertypen, die wissen, wie man reich wird, auf Unternehmer. Viele sind Kritiker der US-Notenbank Federal Reserve, einer starken staatlichen Aufsicht der Wirtschaft und von Freihandelsabkommen. Das Silicon Valley mit seinen erfolgreichen Tech-Unternehmen ist nicht vertreten. Eine Liste von gestern also, nicht von morgen.

Am Montag wollte Trump die konkreten Pläne für die von ihm propagierte wirtschaftliche Rettung der Vereinigten Staaten vorstellen, dazu zählen vor allem Steuersenkungen - ein Lieblingsthema der vor allem weißen und männlichen Wählerschaft, die Trump bislang gewinnen konnte, und der Männer, die nun offiziell zu seinen Wirtschaftsweisen gehören. "Trumps glaubwürdigste 'Strategie' war sein Versprechen, mit den besten Leuten zu arbeiten", schrieb Justin Wolfers, liberaler Wirtschaftsprofessor an der Universität von Michigan, im Kurznachrichtendienst Twitter. "Er hat nach allen Maßstäben versagt." Es sei erschreckend, wie viele "echte Ökonomen" Trump zurückgewiesen haben müssten, dass nur diese "Gang der Steves" übrig blieb.

Der Immobilienmogul ließ auch die großen Banken von der Wall Street außen vor - oder sie haben sich geweigert, ihm öffentlich zur Seite zu stehen. Steven Mnuchin, der zum Team zählt, ist zwar in seiner Zeit bei Goldman Sachs reich geworden, arbeitet aber schon seit 2002 nicht mehr für die Investmentbank. Trump wird von niemandem beraten, der eine Rolle spielt bei Goldman Sachs, JP Morgan Chase oder einer der anderen Großbanken. Seine Geldexperten im Beraterteam sind fast ausschließlich Finanzinvestoren, sie verdienen ihr Geld mit Immobiliengeschäften oder mit Hedgefonds. Mit vielen macht er schon seit Jahren Geschäfte, er ist bekannt dafür, dass er sich nur von Leuten beraten lässt, die er seit Langem kennt oder besser noch: mit denen er verwandt ist. Die Hedgefonds-Manager auf der Liste passen allerdings nicht zu der Tatsache, dass Trump vor einigen Monaten heftig gegen jene Berufsgruppe gewettert hat, die keine Jobs schaffe und nicht durch eigene Leistung reich werde: "Die Hedgefonds-Typen haben dieses Land nicht aufgebaut. Diese Typen schieben Papier hin und her, und dann haben sie Glück."

Auch ein Name, den viele auf der Liste erwartet hatten, fehlt: Carl Icahn. Der New Yorker Finanzinvestor und Multimilliardär ist ein Freund Trumps, hat die Einladung aber abgelehnt, Mitglied in dessen Wirtschaftskomitee zu werden. Das liegt aber nicht an Zwist zwischen den Freunden. Icahn ließ mitteilen, dass er im Moment noch darüber nachdenke, eine weitere Großspendergruppe zu gründen, eine sogenannte Super PAC, die Trumps Wirtschaftspolitik finanziell unterstützen soll. Das wäre nach dem Wahlrecht verboten, wenn der 80-Jährige in Trumps Beraterstab arbeitet. Icahn hat Trump aber schon vor fast einem Jahr als Präsident empfohlen. Und Trump hat schon mehrfach angedeutet, dass er sich vorstellen könnte, Icahn zum Finanzminister zu machen, wenn er die Wahl im November gewinnt.

Nach und nach will Trump seinen Wirtschaftsberaterstab erweitern, haben seine Wahlkampfleiter nach einiger Kritik an der mangelnden Vielfalt der bisherigen Auswahl in Aussicht gestellt. Dann sollen auch Frauen mitmachen dürfen.

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