Von Kristina Läsker

Die US-Regierung zahlt viel für einen neuen Impfstoff - aus Sorge vor Anschlägen. Nun will sie einen Grundstock an Medikamenten und Schutzstoffen gegen biologische, chemische und radiologische Waffen einkaufen und damit ein sogenanntes Bioshield anlegen.

Es klingt ein wenig nach James Bond. Im russischen Nowosibirsk und im amerikanischen Atlanta existieren bis heute zwei Laboratorien, in denen Pockenviren aufbewahrt werden. Eigentlich gilt die Krankheit seit drei Jahrzehnten als weltweit ausgerottet, nur die dort gehorteten Variala-Viren sollen überlebt haben.

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Doch statt der Forschung zu dienen, schüren die restlichen Pockenviren seit dem 11. September vor allem die Angst, dass Terroristen sie stehlen und als Biowaffe einsetzen könnten. Denn die per Tröpfchen übertragene Krankheit mit den typischen Pusteln ist hochansteckend, schätzungsweise jeder dritte Infizierte stirbt daran.

Vor allem die USA scheinen ihren Geheimdiensten im Kampf gegen Viren-Diebe nicht zu vertrauen. Sie suchen fieberhaft nach Wegen, um sich gegen Biowaffen zu schützen. Bioshield nennt die US-Regierung ihr Vorhaben, einen Grundstock an Medikamenten und Schutzstoffen gegen biologische, chemische und radiologische Waffen einzukaufen.

Knapp sechs Milliarden Dollar stellte sie 2004 für die kommenden zehn Jahre bereit, entsprechend groß ist der Andrang der Firmen, die an den Geschäften mit der Angst teilhaben wollen.

Pocken als Biowaffe

Fündig geworden ist die Regierung unter Präsident George W. Bush zuletzt in Martinsried bei München. In einem unscheinbaren Hochhaus firmiert hier die deutsch-dänische Bavarian Nordic. Gegründet 1994, entwickelt der Biotechnologie-Betrieb Impfstoffe, darunter ein Vakzin gegen Pocken. An 1500 Menschen hat die Firma das Mittel bereits ausprobiert. "Wir streben die Zulassung für 2011 an", sagt Deutschlandchef Paul Chaplin.

Und obwohl der Pockenschutz frühestens in vier Jahren auf den Markt kommen könnte, ist die US-Regierung schon heute so begeistert, dass sie im Juni 20 Millionen Dosen des Impfstoffes aus München geordert hat. Eine Option auf weitere 60 Millionen Dosen wurde unterzeichnet.

Den Amerikanern ist der Deal viel Geld wert: Die hochverschuldete Bavarian Nordic könnte bis zu 1,6 Milliarden Dollar einnehmen. Zum Vergleich: Der Umsatz betrug im letzten Jahr gerade mal 23,5 Millionen Euro. Chaplin und seine Kollegen haben glänzend verhandelt: Zehn Prozent der Summe, 150 Millionen Dollar, bekommt das Unternehmen jetzt schon für die Forschung - egal, ob der Impfstoff einmal zugelassen wird. "Wir sind die erste Biotechnologie-Firma, die eine solche Vorabzahlung bekommt", erzählt Chaplin stolz.

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