Was unterscheidet die deutsche von der amerikanischen Politik? Amerikas Politik kommt ohne Ideologien aus - und ist damit erfolgreich.
Es gibt ein paar deutsche Wörter, die sich nicht ins Amerikanische übertragen lassen. Eines davon heißt "Ordnungspolitik". Wenn ein deutscher Politiker Eingriffe in die Wirtschaft nicht mag, sagt er: "Ich lehne dies aus ordnungspolitischen Gründen ab." Sein amerikanischer Kollege würde sagen: "Der Staat hat hier nichts verloren, der Markt kann das besser." Hinter den Unterschieden im Sprachgebrauch verbergen sich solche der Kultur und der Geschichte. Deutsche (und Europäer) haben gelernt, in Ordnungen zu denken, selbst, wenn sie nichts von den Wurzeln des Begriffs "Ordnungspolitik" in der Freiburger Schule der Nationalökonomie wissen. Amerikaner hat die Geschichte vor allem eines gelehrt: Pragmatismus.
US-Präsident George W. Bush will mit einem milliardenschweren Konjunkturprogramm die Binnennachfrage wieder in Schwung bringen. (© Foto: AFP)
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Die Unterschiede in den Wirtschaftskulturen Amerikas und Kontinentaleuropas sind so fundamental, dass sie leicht übersehen werden. Zum Beispiel die Geldpolitik: Die Europäische Zentralbank (EZB) steht wie kaum eine andere Institution für den Gedanken ordnungspolitischer Korrektheit. Sie ist auf das Ziel der Geldwertstabilität verpflichtet, auf sonst nichts; gegen politische Einflussnahme ist die EZB noch besser abgeschirmt als die Deutsche Bundesbank.
Bei der amerikanischen Notenbank dagegen, dem Federal Reserve Board, macht man sich um so etwas wie ordnungspolitische Grundsätze wenig Gedanken. Es kommt auf die Ergebnisse an. Fed-Chef Ben Bernanke brach im Laufe der Kreditkrise sogar eines der großen Tabus der amerikanischen Politik und half der Investmentbank Bear Stearns aus der Krise, nur um eine Kernschmelze auf den Finanzmärkten zu verhindern. Kaum vorstellbar, dass die EZB jemals so schnell und so radikal die Zinsen senken würden, wie dies die Fed seit dem vergangenen August getan hat.
Schweigen über Keynes
Ähnlich pragmatisch ist auch die übrige Krisenpolitik. Das jüngste Konjunkturpaket, von Präsident George W. Bush auf den Weg gebracht und vom Kongress beschlossen, ist pure Nachfragepolitik, so wie man sie in Deutschland allenfalls von Oskar Lafontaine erwarten würde: Der Staat verteilt Dollars, auf dass die Bürger möglichst viel konsumieren mögen. Die Vokabel "Nachfragesteuerung" fällt gar nicht, geschweige denn der Name des unter Konservativen verachteten Ökonomen John Maynard Keynes.
Das Fehlen ordnungspolitischer Konstanz bedeutet nicht, dass in den Vereinigten Staaten nicht reguliert würde. Aber die Regulierung selbst ist eine äußerst pragmatische Angelegenheit, entstanden häufig als Reaktion auf Krisen. Das Sarbanes-Oxley-Gesetz zum Beispiel, das amerikanische und ausländische Firmen mit einem Wust von Bürokratie belastet, war die Antwort auf Bilanzskandale zu Beginn dieses Jahrzehnts. Der Hypothekenmarkt der Vereinigten Staaten ist bis heute durch Notfall-Entscheidungen aus der Weltwirtschaftskrise geprägt. Wellen von De- und Reregulierungen haben die Marktaufsicht über das Geschäft mit Immobilienkrediten seither jeder Systematik beraubt, was wesentlich zum Entstehen der Hypothekenkrise beigetragen hat. Jetzt wird die Regulierung komplett überholt. Wie radikal das Ergebnis letztlich ausfällt, dürfte vom Ausgang der Präsidentschaftswahl im November abhängen.
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Machtkampf in der Linken
Eine solche Aussage ist bei dem herrschenden dogmatisch praktizierten Neoliberalismus in den USA ein Hohn des Kommentators über die zerstörerischen Wirtschaftspraktiken der Regierenden dort, bei uns und in der Welt. Die USA Regierung bestreitet den Weg, Freiheit für alle Gummibärli, die mir gehören.
Zur Ergaenzung des sehr erleuchtenden Artikels soll nicht unerwaeht bleiben,dass die amerikanische Volkswirtschaft was Anpassungsfaehigkeit betrifft laut Erhebungen weltweit auf Platz Eins rangiert (Deutschland irgendwo auf Platz "unter ferner liefen").
In einer sich immer schneller veraendernden Welt wird sich letztlich immer der Anpassungsfaehigste (Innovationsfaehigkeit, Management,Arbeits- und Finanzmarkt ) am Besten behaupten.
Diejenigen - besonders diesseits des Atlantik - die vielfach auch mit Haeme den Abgesang auf die amerikanische Volkswirtschaft und deren Waehrung anstimmen,sollten sich nicht von einer volkswirtschaftlichen Momentaufnahme der US-Wirtschaft blenden lassen. Vielmehr sollten sie sich um die eigene Zukuft sorgen in Anbetracht der Schwerfaelligkeit und Starrheit der eigenen Systeme.
Hr. Piper irrt: ist gibt in den USA natürlich eine ordnungspolitische Konstanz: sobald US-amerikanische Interessen berührt werden ("National Security" (großzügig ausgelegt), US-Firmeninteressen, US-Anleger-Interessen) greift die Politik in USA sofort regulierend und aggressiv auf dem Klageweg ein. Beispiele: Preisabsprachen bei nicht-US-Firmen, Sarbanes-Oxley, Korruptionsskandale bei nicht US-Firmen, Patentwesen.
Daran könnte sich Deutschland ein Beispiel nehmen.