Gerade erst beschlossen - und schon gespickt mit Protektionismus. US-Präsident Obama bewegt sich mit dem Konjukturpaket auf dünnem Eis.
Der Abgeordnete Larry Kissell ist ein Held. Erst Anfang Januar 2009 ist er ins Amt gekommen und schon hat der Vertreter aus North Carolina eine patriotische Meisterleistung vollbracht. Seiner Initiative ist zu verdanken, dass das riesige Konjunkturpaket der USA, in dem 819 Milliarden Dollar an bedürftige Unternehmen verteilt werden, eine neue Regel enthält.
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Patriotisches Geschenk: US-Präsident Obama nimmt einen Brückenbolzen der US-Firma Cardinal Fastener & Speciality als Souvenir entgegen. (© Foto: AFP)
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Demnach darf die Transportation Security Administration ihre Uniformen künftig nur noch bei amerikanischen Textilfabrikanten kaufen. Rund 100.000 Uniformen staatlicher Sicherheitsleute an Flughäfen, Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen sind damit per Gesetz "made in the USA". Kissell, der selbst 27 Jahre lang als Textilarbeiter sein Geld verdient hat, setzte laut Charlotte Observer sein Ansinnen mit der einfachen Logik durch: "Dies ist eine Gelegenheit, Amerikanern Arbeit zu geben und ihre Arbeitsplätze zu erhalten."
Der Demokrat aus North Carolina ist mit seinem Begehren nicht allein. So setzten mehrere Abgeordnete durch, dass auch für einen anderen Bereich eine sogenannte Buy-American-Klausel in die Regeln des Konjunkturpakets aufgenommen wird. "Keine staatlichen Gelder dürfen für Infrastrukturprojekte genutzt werden, wenn das benötigte Eisen und Stahl nicht vollständig in den USA produziert wurde." Eine Ausnahmegenehmigung wird nur dann erteilt, wenn die Projektkosten deshalb um mehr als 25 Prozent steigen.
Schon stehen andere Politiker in den Startlöchern. Senator Byron Dorgan, ein Demokrat aus North Dakota, will nach Angaben der Washington Post die Importe der meisten ausländischen Industrieprodukte beschränken. Auch seine Logik ist bestechend einfach: Weil die Importe der USA weitaus größer seien als die Exporte, sei es nur fair, die Importe gesetzlich zu drosseln.
"Wirtschaftlicher, emotionaler und nationaler Sieg"
Auf den Buy-American-Zug springen derzeit viele Lobbyisten und Kolumnisten auf. Leo Gerard, Chef der Stahlgewerkschaft United Steelworkers, bezeichnet alle Politiker, die für solche Klauseln streiten, als "economic patriots" (Wirtschaftspatrioten). Bob Confer, Chef einer Plastikfirma in Tonawanda im Bundesstaat New York, drechselt in seiner Kolumne für die örtlichen Tonawanda News den schönen Satz: "Der Lohn, patriotisch einzukaufen, ist ein wirtschaftlicher, emotionaler und nationaler Sieg."
So wohlfeil solche Sätze in der derzeitigen Krisensituation sein mögen, sie entbehren jeder ökonomischen Grundlage - und sie sind brandgefährlich. Die Chefs großer Unternehmen wie Caterpillar, General Electric oder Boeing gehören deshalb zu den schärfsten Kritikern der Buy-American-Klauseln.
Interessant ist hier die Haltung des Baumaschinenherstellers Caterpillar. Das Unternehmen würde bei Infrastruktuprojekten in den USA ja selbst von der Klausel profitieren. Doch Caterpillar macht mehr als die Hälfte seines Umsatzes außerhalb der USA. Deshalb geht Bill Lane, Cheflobbyist des Unternehmens, rhetorisch in die Vollen: "Jeder Geschichtsstudent weiß, dass einer der größten Fehler der USA in den dreißiger Jahren die Rückkehr zum Protektionsmus war", sagt er. Seiner Ansicht nach habe genau dies die Welt von der Rezession in eine Depression getrieben.
Auch eine andere einfache Logik macht deutlich, wie gefährlich Handelsschranken für die US-Wirtschaft selbst sind. Rund 100.000 Arbeiter sind in amerikanischen Stahlunternehmen beschäftigt, mehr als zehn Millionen Amerikaner arbeiten allerdings in Unternehmen, die Stahl verarbeiten. Werden diese Unternehmen dazu gezwungen, den teureren heimischen Stahl zu verwenden, sind ihre Produkte weniger wettbewerbsfähig. Zusätzlich setzt der internationale Handel und Transport von Stahl eine weitaus größere Zahl von Arbeitern an US-Häfen und bei Speditionen in Lohn und Brot als die heimische Stahlproduktion.
Weitaus problematischer als die direkten ökonomischen Effekte wäre ein protektionistischer Flächenbrand. Nach dem Prinzip "wie du mir, so ich dir" könnten europäische und asiatische Regierungen dem Beispiel der USA folgen und in ihren Konjukturpaketen ausländische Wettbewerber von vorneherein ausschließen. Vor diesem Szenario haben die Manager internationaler Unternehmen eine Höllenangst.
Mit gutem Grund: US-Unternehmen wie General Electric sind in großem Stil davon abhängig, staatliche Aufträge im Ausland zu ergattern. Nach Berechnungen der US-Außenhandelskammer steht dabei ein Jahresumsatz von 300 Milliaden Dollar auf dem Spiel. Vielleicht ist Larry Kissell doch kein Held.
(sueddeutsche.de/jja)
Gysi gegen Lafontaine
Jetzt beginnt es sich zu rächen, daß der deutsche Binnenmarkt zehn Jahre lang sträflich vernachlässigt worden ist. Da außer den USA auch viele andere darauf bedacht sein werden, daß die gepumpten Steuermilliarden möchlichst im eigenen Land bleiben (wird bei uns allerdings auch nicht anders gehandhabt), ist die Exportweltmeisterschaft bald Geschichte.
Armes Deutschland!
Dafür bräuchte man ein bisschen mehr als nur ein Havard-Diplom mit Idealogic. Und um dieses Thema auszudiskutieren wäre ein Blick hinter den Kulissen sehr nützlich. Wer soll denn das Qualitätsmerkmal überwachen? Es gibt viele Dinge, wo die Industrie kein Know-how mehr hat, weil andere Nationen sich auf bestimmte Artikel und Endprodukte spezialisiert und Exportweltmeister sind. Es ist nur möglich, dem Käufer zu bitten, die einheimische Ware vorzuziehen, erzwingen läßt es sich nicht. Dafür müßten die Waren auch transparenter dargestellt werden unter der Angabe, wieviel nationale Produkte in einem Artikel eingebracht worden sind. Und wenn dem Anbieter eine bronzene Verdienstnase genügen würde, müßten eventuell die Arbeitskräfte beim Lohn mit Abstrichen einverstanden sein.........und, und, und das Wasser läuft den Bach hinunter.
der noch mit einer amerikanischen CPU und einem asiatischen Mainboard surft, möge bitte offline gehen und dort solange bleiben, bis er sich eine korrekte deutsche Ausstattung zugelegt hat.
Keynes war mal weltweit sehr beliebt. Vor dieser Zeit hatten die großen Nationalstaaten keine relevanten Schulden.
Auch jetzt machen wir alle wieder mit bei Konjunkturpakete a la Keynes. Mal sehen, ob wir diesmal in besseren Zeiten etwas zurückzahlen, was Keynes auch forderte.
Jetzt sollen wir alle also wieder nationale Produkte kaufen, wie Keynes das vorschlägt. Bleiben wir wieder mal bei Autos. Wieso sollten die Hersteller eigentlich ihre Kisten spritsparender und umweltfreundlicher machen, wenn wir sie doch sowieso kaufen müssen? Ohne Protektionismus kann ich mir ja einen Prius kaufen. Gut, wird man sagen, dann muss der Staat halt ein Gesetz machen, dass die deutschen Hersteller auch ein Hybridauto bauen müssen. Das ist natürlich teuer. Aber kein Problem, da verlangt der Hersteller halt 20 Prozent mehr. Ausländische Konkurrenz ist weg.
Und irgendwann haben wir dann ein Gesetz, dass die deutschen Bauern auch Äpfel züchten müssen, die wie Bananen schmecken.
Und zu Telefunken: Wenn die gescheite Fernseher gebaut hätten, würde es die auch noch geben. So wie Loewe. Und die hätten es auch fast nicht geschafft, weil sie zu spät auf Flachbildschirme gesetzt haben.
Mit unserem Protektionismus hätten sie das auch nie gemusst. Dann würden alle anderen vor Flachbildschirmen sitzen, und nur in Deutschland guckt jeder noch in die Röhre. Ach ja, auch Loewe hätte dann gar nicht umsteigen dürfen, denn es gibt keinen deutschen Hersteller für die Panels.
Warum sollte man Steuergelder, die die heimische Wirtschaft ankurbeln sollen, an Unternehmen aus dem Ausland verteilen? Wenn ich in die nationale Infrastruktur auch deshalb investiere, damit die Baufirmen was verdienen können, warum sollte dieses zu verdienende Geld ins Ausland gehen? Wenn man international besteuern würde, würde das ja Sinn machen, aber so? Da machen uns die Amis mal wieder was vor.
Die ganzen Bedenken von wegen Arbeitsplätze im Transportgewerbe usw. sind doch Unsinn. Der weltweite Warentransport ist entscheidend für den Klimawandel, die unkontrollierte Verbreitung von Arten auf anderen Kontinenten usw. verantwortlich. Wenn der Welthandel zurückgeht ist das vielleicht für ein paar Händler schlecht, global kann aber eigentlich nichts besseres passieren, meine ich. Das ganze Geschwätz von wegen Segnungen der Globalisierung ist doch nur Propaganda, den meisten, auch den Arbeitern in den Sweatshops in Asien, geht es eher schlechter.
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