US-Spitzenmanager verdienen wegen der Wirtschaftskrise bis zu 30 Prozent weniger.
(SZ vom 21.5. 2003) - Die Wirtschaftskrise in Amerika ist auch an den Firmenchefs nicht spurlos vorübergegangen. Während ihre Gehälter in den neunziger Jahren immer neue Rekordhöhen erreichten, mussten sie in den letzten beiden Jahren merkliche Verluste hinnehmen.
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Die Aktienmärkte, die für das überdurchschnittliche Wachstum der Managergehälter gesorgt hatten, erleiden seit dem Crash 2000 an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq einen Rückschlag nach dem anderen und zogen auch die Vergütungen nach unten.
"Das goldene Zeitalter der Managergehälter ist vorüber", sagt der New Yorker Berater Pearl Meyer.
Die durchschnittlichen Verluste sind beachtlich, vor allem im vergangenen Jahr. Nach den Berechnungen des Wirtschaftsmagazins Businessweek verloren die Manager 2002 etwa 33 Prozent ihrer Gehälter, das Unternehmermagazin Fortune hat einen Rückgang um 23Prozent ermittelt.
Gekürzte Zulagen
Vor allem bei den Boni und Zulagen wurde streng gekürzt, denn viele Firmen vereinbarten Obergrenzen für erfolgsabhängige Vergütungen.
Bisher waren Zulagen von 600 bis 700 Prozent des Basisgehalts nicht ungewöhnlich, inzwischen wird eine Obergrenzen von 200 Prozent als adäquat angesehen. Gehaltsrekorde wie von Lawrence Ellison, dem Chef der Software-Firma Oracle, der im Jahr 2000 ein Gehalt von 706,1 Millionen Dollar einsteckte, sind in weite Ferne gerückt.
Trotzdem sind die Managergehälter in den USA nach wie vor deutlich höher als etwa in Europa. Zwar wurden Spitzenverdiener wie Ellison deutlich gestutzt, Manager jedoch, die bisher moderater verdienten, konnten sich im vergangenen Jahr sogar über Gehaltssteigerungen freuen.
Das Magazin Fortune geht davon aus, dass Durchschnittsverdiener unter den Firmenchefs im vergangenen Jahr 14 Prozent mehr Gehalt bekommen haben, und das, obwohl etwa der S&P-500-Aktienindex gleichzeitig um 22,1 Prozent fiel.
40 Prozent der von Businessweek befragten Manager steckten im vergangenen Jahr mehr Geld ein als 2001. Auch im Vergleich zu ihren Arbeitnehmern haben die Manager gut abgeschnitten. Sie verdienen heute noch immer durchschnittlich 7,4 Millionen Dollar, das ist 200 Mal so viel wie ein mittlerer Angestellter.
194,1 Millionen Dolar Jahresverdienst
Die Liste der bestverdienenden US-Manager führte vergangenes Jahr Alfred Lerner an, der Chef des Geldhauses MBNA Corp., der im Oktober gestorben ist. Er verdiente 194,1 Millionen Dollar. Es folgt Jeffrey Barbakow, vom Gesundheitsanbieter Tenet Healthcare, eine Firma, die derzeit unter einem Abrechnungsskandal leidet.
Er ließ sich 111,1 Millionen Dollar überweisen. Selbst der Skandalmanager Dennis Kozlowski von Tyco International verdiente vergangenes Jahr noch die stolze Summe von 71 Millionen Dollar. Kozlowski soll Umsatzsteuer hinterzogen haben, um sich persönlich zu bereichern.
Trotz erheblicher Verluste der Aktienkurse verdienen viele Firmenchefs noch immer hohe zweistellige Millionensummen. Apple-Chef Steve Jobs etwa strich im vergangenen Jahr 27,5 Millionen Dollar ein, obwohl der Firmenwert um 34,6Prozent schrumpfte.
Ähnliche Gehälter bekamen auch andere Firmenchefs, zum Beispiel Pat Russo vom Technologiekonzern Lucent Technologies, obwohl der Aktienkurs im vergangenen Jahr 75,4 Prozent einbüßte.
Der Druck auf die Firmenchefs steigt, auf Gehalt zu verzichten, je länger die Krise andauert. Die von der Pleite bedrohte Fluggesellschaft American Airlines musste jüngst heimlich gewährte Boni für sechs Spitzenmanager streichen. Auf den Hauptversammlungen der Aktiengesellschaften verlangen Investoren inzwischen mehr Mitspracherechte bei der Managerbezahlung.
Im vergangenen Jahr gab es einen Rekord von 275Anträgen auf Anpassung der Gehälter an die wirtschaftliche Lage; zweimal, bei Tyco und beim Computerhersteller HP, fanden sie eine Mehrheit der Aktionäre.
Noch sind die Manager frei, dies zu ignorieren. Aber wenn die Krise anhält, wohl nicht mehr lange.
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak