In den USA geht den Fonds, die Jobsuchende unterstützen, das Geld aus. Einige Staaten müssen nun die Steuern erhöhen - mitten im Abschwung.
Erst vor knapp drei Wochen machte das Nationale Büro für Wirtschaftsforschung den Befund offiziell: Amerika steckt in einer tiefen Rezession, und die meisten Fachleute sind sich einig, dass Besserung noch lange nicht in Sicht ist. Schon jetzt aber gehen in vielen Bundesstaaten die Reserven für die Arbeitslosenhilfe zur Neige. Es drohen Steuererhöhungen, die die Wirtschaft weiter schwächen würden.
Arbeitslose in San Francisco: Seit Dezember 2007 sind in den USA zwei Millionen Jobs verloren gegangen. (© Foto: AFP)
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In 30 der 50 Bundesstaaten steuern die Fonds, die Arbeitslosenhilfen auszahlen, auf die Insolvenz zu. "Das Problem war noch nie so verbreitet, nie waren so viele Staaten gleichzeitig in Geldnot", sagt Heidi Shierholz vom gewerkschaftsnahen Economic Policy Institute. Die Gouverneure haben es versäumt, in den Jahren des Aufschwungs ein Polster aufzubauen, das jetzt den konjunkturellen Sturzflug abfedern könnte. Michigan und Indiana, wo sich die amerikanische Schwerindustrie schon seit Jahren in der Krise befindet, sind bereits pleite. Sie mussten sich Geld in Washington pumpen. Auch South Carolina hat kürzlich einen Kredit beantragt, und in Kalifornien, New York, Ohio und Rhode Island sind die Ersparnisse spätestens Anfang des Jahres aufgebraucht.
Seit Dezember vergangenen Jahres sind in den USA zwei Millionen Jobs verloren gegangen, und Schätzungen zufolge werden im kommenden Jahr weitere vier Millionen verschwinden. Allein im November beantragten 573 000 Amerikaner Arbeitslosenhilfe. So viele waren es seit 1982 nicht mehr. In vielen Bundesstaaten beträgt die Arbeitslosenquote mehr als neun Prozent. Damit hat das Problem eine kritische Masse erreicht, unter der die staatliche Versicherung zusammenbrechen könnte. Im Abschwung steigt nicht nur die Zahl der Empfänger, es schrumpft auch die Ertragsbasis, weil mehr Firmen pleitegehen und nicht mehr in die Fonds einzahlen.
Unterschied zu Deutschland
Das US-System der Arbeitslosenversicherung hat mit dem deutschen nicht viel gemein. Nicht die Bundesregierung, sondern die Bundesstaaten müssen die Fonds füllen. Dafür treiben sie bei den Arbeitgebern Steuern ein. Geht den Staaten das Geld aus, können sie in Washington einen Kredit aufnehmen. Wird er nicht innerhalb eines Jahres zurückgezahlt, werden Zinsen fällig und belasten den Haushalt. Über Höhe und Dauer der Sozialleistungen entscheiden die Staaten selbst, was zu erheblichen regionalen Unterschieden geführt hat.
In den meisten Südstaaten etwa ist die Unterstützung für Arbeitslose weit geringer als im Norden. Grundsätzlich decken die Ansprüche nur einen Bruchteil des Arbeitseinkommens ab. Gerade Besserverdienende müssen herbe Einschnitte hinnehmen, wenn sie ihren Job verlieren. In den meisten Bundesstaaten laufen die Zahlungen nach sechs Monaten ganz aus. Doch nicht einmal für diese Minimalfürsorge reichen die Reserven.
Grobmaschiges Netz
Vielen Staatsregierungen fehlt der finanzielle Spielraum, um Mittel aus anderen Töpfen umzuleiten. Alles, was den Gouverneuren noch bleibt, ist die Wahl zwischen zwei Übeln: Mitten im Abschwung müssen sie entweder die Steuern erhöhen oder Leistungen für Arbeitslose zusammenstreichen - beides ist Gift für die Konjunktur. "Unsere Politiker sind dem wirtschaftsliberalen Dogma gefolgt", sagt Maurice Emsellem vom National Employment Law Project, einer Nichtregierungsorganisation, die sich der Reform des Arbeitsrechts verschrieben hat. "Sie haben sich einen Wettbewerb bei der Senkung der Unternehmenssteuern geleistet." Das insolvente Indiana gibt ein besonders unglückliches Beispiel dafür ab: Noch 2001 hat es eine Steuererleichterung von 25 Prozent beschlossen.
Emsellem fordert eine grundlegende Reform der Arbeitslosenversicherung und findet inzwischen auch in Washington Gehör. Zumal das soziale Netz generell grobmaschig ist. Nur 37 Prozent aller Arbeitslosen sind leistungsberechtigt. Niedriglöhner, Teilzeitarbeiter, Migranten und oft auch Frauen, die ihre Jobs verlieren, haben keine Ansprüche. Selbst wer Geld bekommt, findet oft keine neue Stelle, bevor die Zahlungen wieder eingestellt werden. Denn auf jeden freien Job kommen drei Arbeitslose.
Eine Reform würde viel Geld kosten. Emsellem wirbt dafür, dass der Ausbau der Arbeitslosenversicherung Teil des Konjunkturpakets wird, mit dem der künftige Präsident Barack Obama die Wirtschaft ankurbeln will. Die Chancen stehen gut: Die Demokraten, die den Kongress beherrschen, halten zusätzliche Sozialleistungen für ein gutes Instrument, um den Konsum zu stärken.
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(SZ vom 23.12.2008/tob)
Für die USA birngt diese Krise, die alle gesellschaftlichen Gruppen nun erreicht hat und erreicht, die Chance auf oder für einen Neustart im Sozialstaat USA. Sowohl das Gesundheitssytem, wie die Arbeitslosenversicherung als auch das private Rentensystem ( Die Autoindustrie war da in den USA der Modelgeber, nur zur Erinnerung). Obama hat mit bei der Auswahl der Minister dazu seine Wahl klug getroffen und sein Ausbildungsweg zeigt, nicht Musklen verändern die Welt (Schwarzenegger hat Kalifornien in die Pleite geführt) sondern Köpfchen zählt, auch wenn das Köpfchen nicht blauäugig, blond und blö... ist. Jetzt wäre es mal gut, den neuen Antiamerikanismus made by Merkel und Koch in in die Mülltonne zuwerfen und gemeinsam ein globales Sozialsystem zu entwickeln, das auch für die anderen Statten, so etwa 120 ein Modell sein könnte.
Den Versuch sollte man wagen, den bisher hat man mit Bush die Sicherheit gewählt und weltweit das Chaos und Katatstrophen geerntet. Und Geroge war ja nun so mit Angie eng befreundet, das scheint es einem, Frau Merkel sollte von sich aus den Weg freimachen und Bush nach Texas auf seine Ranch folgen und zu hören, wernn der wieder mit Gott redet.
Doch das Wunder erleben wir leider nicht. Seltsam, egal ob CDU oder SPD den Kanzler stellten, alle hatten mit Demokraten Probleme und mit so konservativen Tieffliegern wie Reagean, Nixen und Bush kamen alle glänzend aus. Hier gilt dann wohl der Grundsatz: Sage mir mit wem du gehst und ich sage Dir wer du bist.
Merry Chrismas
9-10% Arbeitslosenquote - da sind die schon und es geht noch weiter.
Die Armee hat in den USA schön öfter Aufstände und Demonstrationen niedergeschlagen, ich kann mir gut vorstellen, dass es wieder so weit kommen wird.
Ich hoffe die Soldaten schießen nicht auf ihre eigenen Brüder - und das nur für die Kapitalrendtiteempfänger, damit die mit der Ausbeutung, Entrechtung und Verelendung der breiten Bevölkerung weitermachen können.
Aber ich glaube unabhängige Medien, die aufklären könnten gibts in den USA nicht.
monatlich 1 Million Zwangsversteigerungen, Millionen neue Arbeitslose, das können sich die USA nicht leisten. Deshalb der dort für uns zum Teil unverständliche Aktionismus. Denn kein Präsident will ernsthaft die Armee gegen die eigenen Bürger einsetzen.
jetzt zahlen sich auch die großen amerikanischen Pkw aus. Hier lässt sich im Notfall einige Monate wohnen, versuch das mal in einem Smart.
Bei den derzeitigen Rahmenbedingungen in den USA möchte ich alles sein, nur kein amerikanischer Präsident.
Thatcher oder auch Schröder sind der Wirtschaft auf den Leim gegangen. Die Gewinne von heute sollten die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen sein. Pustekuchen. Die Gewinne wurden zum größten Teil im Weltspielcasino gesetzt und hier zum größten Teil verloren - bzw. in die Taschen der Ratingagenturbosse und Finanzhaie gepült. Das Ergebnis : Ein paar tausend Menschen verfügen über 99 Prozent der Vermögen und die übrigen verarmen mehr oder weniger.
Statt aber nun die Dagobert Ducks heranzuziehen verschulden sich die Staaten über alle Ohren und tragen zur weiteren Verarmung der übrigen Bevölkerung bei.
Laut Kenneth Rogoff, einem der führendem Ökonomen, wird sich die Arbeitslosigkeit in den USA 2009 auf ca. 9-10% erhöhen. Das ist für die USA enorm!
Die Folgen sind, wie in dem Artikel beschrieben, noch weniger Steuereinnahmen und ein gewaltiger Konsumrückgang.
Die Wirtschaft in den USA hängt aber zu ca. 70% vom Kosum ab. Ziel ist es den Konsum also wieder anzukurbeln, das geht aber nur, wenn sich das Finanzsystem erholt hat. Das Finanzsystem kann sich aber nur erholen, wenn sich die Häuserpreise endlich stabiliesieren. Hinzu kommt, dass das Finanzsystem einer radikalen Änderung bedarf. Keine leichte Aufgabe also für Mr. Obama.
Wir wollen an dieser Stelle aber nicht vergessen, dass auf die EU ebenfalls enorme Probleme zukommen werden. Momentan hängen Island, Lettland und die Ukraine am Abgrund. Die Ungarn standen ebenfalls kurz davor. Hinzu kommen noch die Häusermarktkrisen in Spanien und England.
Sollte es nochmal zu einer Verschärfung der Finanzkrise kommen kann es hier mal ganz schnell zum Kollaps kommen.
Das heisst also, dass wir die Situation aufmerksam verfolgen und nicht nur mit dem finger auf die amis zeigen sollten!
Begonnen hat das ganze aus meiner Sicht bereits 1980. Unter Reagen bzw. Thatcher in Europa wurde eine angebotsorientierte Politik verfolgt. Hauptziel war die Unternehmen zu entlasten und dem Markt die Regulierung zu überlassen. Dies geschah auf vielfältige Weise u.a. auch einen Ausbau des Niedriglohnsektors und einem permanenten Wettbewerb nicht nur zwischen Unternehmen sondern auch Nationen bzw. Bundesstaaten. Diese unterboten sich dann mit Steuersenkungen für Unternehmen und Sozialabbau.
Das ganze schlug auch auf Deutschland durch. Die Regierungen Kohl, Schröder Merkel folgten bzw. folgen dieser Politik. Ich wette wir werden im kommenden Wahlkampf das alte neoliberale Gerede wieder hören. Übrigens mit Unterstützung der einschlägigen Medien, FAZ , SZ, Fokus oder Spiegel spielen da keine Rolle. Also mehr Wettbewerb unter den Bundesländern in Deutschland. z.B. Erschaftssteuer solle von den Bundesländern festgelegt werden. JMeine Wette auch wenn jetzt von Seiten der Union keine Koalitionsaussage gemacht wird, läuft es auf Union und FDP hinaus. Mit mehr Markt mehr Wettbewerb und mehr Sozialausbau. Wer glaubt in Deutschland würden die Parteien oder die Medien lehren aus den USA ziehen, den muss ich beinahe schon auslachen.
Schönes Weihnachtsfest an die Runde.
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