Von Nikolaus Piper

Die ehemalige Star-Managerin Carly Fiorina kämft für das Wirtschaftsprogramm der Republikaner. Kein Sturm zwingt sie nieder.

Carly Fiorina weiß, was Karrierebrüche sind. Die heute 53 Jahre alte Star-Managerin führte von 1999 bis 2005 den Computerkonzern Hewlett-Packard (HP)und galt damals als mächtigste Frau der Vereinigten Staaten. Sie erzwang die Fusion von HP mit dem Konkurrenten Compaq, musste dann aber erleben, wie der Aktienkurs einbrach und der Verwaltungsrat sie schließlich vor die Tür setzte. Möglicherweise fühlt sie sich gerade deshalb John McCain nahe.

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Die ehemalige HP-Chefin Carly Fiorina heute: Buchautorin, Wirtschaftsberaterin und Kommentatorin von Nachrichten. (© Foto: AP)

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Auch der republikanische Senator von Arizona kennt derartige Brüche. 2000 bewarb er sich zum ersten Mal um das Amt des Präsidenten, unterlag aber George W. Bush. Auch sein zweiter Anlauf scheiterte fast. Im vergangenen Sommer schien sein Team am Ende, ohne Geld und mit miserablen Umfragewerten. Aber McCain schaffte die Wende und ist jetzt der designierte Kandidat der Republikaner.

Spenden sammeln für neue Wahlkampfideen

"Ich weiß, was Höhen und Tiefen sind", sagte Carly Fiorina jetzt in einem Interview und fügte hinzu: McCains Karriere sei "etwas ganz Besonderes". Der Kandidat falle auch im Sturm nie um. Zuvor hatte der Senator Fiorina offiziell zur Vorsitzenden des "Siegfonds" der Republikanischen Partei ernannt, zur wichtigsten Spendensammlerin McCains im Wahlkampf. Der Posten ist von strategischer Bedeutung. Bis jetzt liegen die Republikaner hinter den Demokraten deutlich zurück, was Umfragewerte und Geld betrifft. Während Hillary Clinton und Barack Obama aber noch bis zum Sommer brauchen dürften, um herauszufinden, wer von beiden die Mehrheit der Partei hinter sich hat, hat McCain jetzt eine Atempause und kann diese ganz für die Geldbeschaffung nutzen.

Eine glamouröse Managerin vom Range Fiorinas ist dabei ideal. Bis heute plagt den Vietnam-Veteranen McCain das Image, er sei zwar ein guter Sicherheitspolitiker, habe aber keine Ahnung von Wirtschaft. Dabei enthält seine Wahlkampf-Plattform ein durchaus konsistentes Wirtschaftsprogramm; als einziger der namhaften Kandidaten beider Parteien erlag er bisher nicht der Versuchung, in der Wirtschaftskrise mit protektionistischen Parolen zu punkten. In der Öffentlichkeit ist das aber bisher nicht angekommen. Fiorina soll für ihn daher Wirtschaftskompetenz demonstrieren.

Eine ungewöhnliche Frau

Die Managerin ist eingetragene Republikanerin. Nach ihrem Rauswurf bei HP übernahm sie mehrere Aufgaben im Grenzbereich zwischen Gesellschaft und Politik. Sie gründete eine philanthropische Stiftung und schrieb ihre Autobiographie ("Mit harten Bandagen"), die in Amerika zum Bestseller wurde. Sie beriet den Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. Rupert Murdochs Wirtschaftssender Fox Business News engagierte Fiorina als Kommentatorin. Außerdem leitet sie den externen Beirat des US-Geheimdienstes CIA. John McCain traf sie zum ersten Mal 2000, als sie im Kongress über die Besteuerung von Internet-Geschäften aussagen sollte. Sie erzählte dem Senator, warum sie eine derartige Besteuerung für fatal hält. "Er begriff es sofort", sagt sie heute. Womit ein gemeinsames Thema von John McCain und Carly Fiorina klar sein dürfte: niedrigere Steuern.

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(SZ vom 14.03.2008/sme)