Der Gesetzentwurf sieht einen einprozentigen Steuervorteil für Unternehmen vor, die mehrere Regeln einhalten: Erstens dürften sie das Verhältnis von Angestellten im Ausland zu Angestellten in den USA nicht erhöhen. Firmen, die im Ausland Jobs schaffen, müssten das also auch zu Hause tun. Zweitens müssten sie statt des landesweiten Mindestlohns von 5,85 Dollar mindestens 7,80 Dollar pro Stunde bezahlen, um den Steuervorteil zu erhalten.
Anzeige
Der Wirtschaftsprofessor Willem Buiter von der London School of Economics kritisiert diese Pläne als fremdenfeindlich und populistisch: Es sei buchhalterisch unmöglich, heimische und ausländische Jobs aufzurechnen, und verleite Firmen zu unproduktiver Bilanztrickserei. Die Lohnerhöhung würde Geringqualifizierte aus dem Arbeitsmarkt treiben und die Arbeitslosigkeit erhöhen, sagt er.
Aufsichtsbehörden stärken
Die vielleicht weitreichendste Reform planen beide Präsidentschaftsanwärter in der Gesundheitsversorgung. John McCain will eine Art Privatisierung der Krankenversicherung. Dafür will er Familien einen 5000-Dollar-Bonus für ihre Versicherungskosten zahlen. Dafür soll die steuerliche Förderung für Krankenversicherungen durch den Arbeitgeber abschafft werden. "Das Geld, das Firmen heute steuerfrei in die Versicherung ihrer Angestellten investieren, würden sie in Zukunft eher als versteuertes Gehalt auszahlen", sagt der Gesundheitsökonom der University of Rochester, Charles Phelps.
Der Staat erhielte so mehr Steuern, und Unternehmen müssten sich weniger um Krankenversicherung kümmern. McCain hofft, so von den derzeit 47 Millionen Amerikanern ohne Krankenversicherung bis zu 44 Millionen zu einer Versicherung zu verhelfen.
Im Gegensatz dazu möchte Obama Unternehmen stärker in die Pflicht nehmen: Neben dem Zwang für Eltern, eine Versicherung für ihre Kinder abzuschließen, schlägt Obama ein sogenanntes "pay-or-play"-System für Arbeitgeber vor: Demnach müssten sie entweder in eine Art nationalen Fonds einzahlen oder eine Krankenversicherung für ihre Angestellten abschließen. Viele Firmen, die bereits Versicherungen für ihre Angestellten anbieten, begrüßen den Vorschlag, doch die meisten anderen kritisieren ihn.
Attraktiver Investitionsstandort
Zusätzlich zu diesen Vorhaben will Obama die nationalen Regulierungsbehörden stärken, die unter Bushs Ägide extrem zurückhaltend agierten. Umwelt- und Arbeitsrechtler erwarten vor allem ein stärkeres Durchgreifen der Environmental Protection Agency, der einst einflussreichen Umweltaufsicht, und der Arbeiterschutzbehörde.
Inwieweit diese Reformen ausländische Unternehmen von Investitionen in den USA abschrecken könnten, ist unsicher. Die meisten Experten erwarten jedoch keinen Investitionsrückgang. "Man kann Kapital nirgends so gewinnbringend und zugleich mit so niedrigem Risiko einsetzen wie in den USA", sagt Aaron Brickman, Chef von Invest in America, der neu geschaffenen Abteilung im US-Handelsministerium (siehe Ende des Artikels).
Die USA lägen auf der UN-Rangliste der attraktivsten Investitionsländer auf Platz eins, laut Weltbankbericht "Doing Business 2008" haben nur Singapur und Neuseeland wirtschaftsfreundlichere Gesetze. Die Kombination aus gut ausgebildeten Arbeitnehmern, hoher Innovationsfähigkeit und Rechtsschutz für Investoren zeichneten die USA weiterhin aus, sagt Brickman. "Zumindest daran werden auch die Wahlen nichts ändern."
Invest in America Bis vor kurzem waren die USA eine der letzten Industrienationen, deren nationale Regierung kein spezielles Büro zum Anwerben von Direktinvestitionen hatte. Nachdem aber der Anteil der weltweiten Direktinvestitionen, die in die USA fließen, von mehr als 40 Prozent in den 1980er Jahren zuletzt unter 15 Prozent sanken, gründete die Regierung von Präsident Bush 2007 im US-Handelsministerium die neue Abteilung Invest in America. Ausländische Firmen, die bei ihrer Investitionsplanung Ansprechpartner in bestimmten Rechtsfragen, Handelsbranchen oder für bestimmte Bundesstaaten suchen, werden fündig auf www.trade.gov/investamerica
Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2
- Thema
- Wirtschaftspolitik RSS
- US-Wahlkampf Obama: Sondersteuer für Ölkonzerne 23.06.2008
- US-Wahlkampf Wechselstimmung an der Wall Street 12.06.2008
- Gastronomie und Rauchverbot Das Märchen von der Pleitewelle 28.04.2010
- Griechenland "Das kann ein Fass ohne Boden werden" 21.04.2010
- Griechenland: Rettungsfonds Finanzfeuerwehr für Europa 16.04.2010
- Europa unterstützt Griechenland Viel Furor, viel Unwissen 15.04.2010
- Irland: Sparmaßnahmen Raus aus dem Schweinestall 13.04.2010
(SZ vom 24.06.2008/jpm/mel)
Bilder des Tages