John McCain würde als Präsident den internationalen Handel und den Kampf gegen den Klimawandel stärken.
Der Aufstieg von Senator John McCain zum - fast sicheren - Kandidaten der Republikanischen Partei für die Präsidentschaft gehört zu den großen Überraschungen dieses Vorwahlkampfs in den USA. Noch vor wenigen Monaten schien McCains Sache fast aussichtslos, am Donnerstag ist sein vorletzter Konkurrent Mitt Romney aus dem Rennen ausgestiegen. Überraschend ist dabei aber noch etwas anderes. Von seiner Karriere her wäre Romney eigentlich der Kandidat der Wirtschaft gewesen: Der frühere Gouverneur von Massachusetts war viele Jahre Vizepräsident der Unternehmensberatung Bain & Co und gründete den Finanzinvestor Bain Capital. Tatsächlich jedoch profilierte sich Romney im Wahlkampf vor allem als Sozial- und Kulturkonservativer, der in Fragen der Ökonomie auch vor populistischen Querschlägen nicht zurückschreckte. Der Vietnam-Veteran McCain dagegen fiel immer wieder durch mutige Äußerungen zu Wirtschaftsthemen auf.
Bild vergrößern
John McCain, US-Präsidentschaftsbewerber, wird für seine Fähigkeit gerühmt, Kompromisse mit politisch Andersdenkenden auszuhandeln. (© Foto: dpa)
Anzeige
Das zeigte sich zum Beispiel beim Wahlkampf im krisengeschüttelten Bundesstaat Michigan. Mitt Romney suggerierte seinen Anhängern, wenn die Politiker es nur richtig anstellten, könne jeder Arbeitsplatz in der amerikanischen Industrie erhalten bleiben. McCain sagte den Bürgern dagegen schonungslos, dass es zur Globalisierung keine Alternative gebe und sie notfalls umlernen müssten. Im Agrar-Bundesstaat Iowa wandte er sich gegen die dort sehr populären Subventionen für Bio-Treibstoff; besser wäre es, so sagte er, wenn die Regierung in ein Umschulungsprogramm für Arbeiter investierte, die ihren Job verloren haben.
Positionen der Mitte
John McCain fiel in ökonomischen Fragen häufig durch Positionen der Mitte auf. In seinem Wahlprogramm fordert er, wie die anderen Republikaner auch, Steuersenkungen, um die amerikanische Wirtschaft zu beleben. Gleichzeitig stellt er aber die Sanierung des Staatshaushalts in den Vordergrund. Die Steuersenkungen von George Bush im Jahr 2001 lehnte er ab; das trug ihm, neben seinen liberalen Ansichten in gesellschaftspolitischen Fragen, die Abneigung und den Hass vieler Konservativer in der Republikanischen Partei ein.
Aus Sicht Europas wäre ein Präsident McCain beim Thema Irak vermutlich ein schwieriger, in wirtschaftlichen Dingen jedoch ein idealer Partner. Er hat internationale Erfahrung und trat gelegentlich als Gast beim Weltwirtschaftsforum in Davos auf. Beraten wird McCain von zwei international orientierten Ökonomen: Neben Anne Krueger, Professorin an der Johns Hopkins Universität und frühere Vizechefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), ist das Kenneth Rogoff von der Universität Harvard, der früher einmal Chefökonom der Weltbank war.
Besonders bei zwei Themen könnten Amerikaner und Europäer unter einer Präsidentschaft McCains gut zusammenarbeiten: Freihandel und Klimawandel.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Gysi gegen Lafontaine