US-Waffenindustrie Trump-Effekt treibt Waffenhersteller Remington in die Insolvenz

Remington-Gewehr auf einer Waffenmesse im US-Bundesstaat Georgia.

(Foto: AFP)
  • Der mehr als zweihundert Jahre alte US-Gewehrhersteller Remington muss Insolvenz anmelden. Auch andere Waffenfabriken kämpften mit Absatzproblemen.
  • Unter Präsident Obama kauften die Amerikaner noch besonders viele Waffen, weil sie für die Zukunft strengere Gesetzen fürchteten. Unter Trump ist damit nicht mehr zu rechnen.
Von Kathrin Werner, New York

Donald Trump, nach eigenen Angaben "treuer Freund und Vorkämpfer" der amerikanischen Waffenlobby-Gruppe NRA, hat auf die Waffenindustrie einen paradoxen Einfluss. Seit seinem Wahlsieg machen sich die Waffennarren der USA keine Sorgen mehr, dass die Waffengesetze verschärft werden - und stocken deshalb ihr Arsenal nicht weiter auf. Der Absatz ist so sehr eingebrochen, dass Remington, der Traditionshersteller von Gewehren, nun Insolvenz anmelden muss.

Remington, gegründet 1816, ist der größte und älteste Gewehr-Hersteller der USA. Die Fabrik im Bundesstaat New York zählt zu den wenigen des Landes, die seit 200 Jahren dasselbe produzieren. Die Waffen des Unternehmens halfen einst, den Wilden Westen zu erschließen, dem Norden halfen sie beim Sieg im US-Bürgerkrieg. Seit 2007 gehört die Firma zum Finanzinvestor Cerberus. Remington hat über die Jahre einen enormen Schuldenberg angehäuft, den das Unternehmen nun mit einem Verfahren nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts, eine Art Gläubigerschutzverfahren, loswerden will. Der Betrieb soll weiter gehen, der Name erhalten bleiben, Rechnungen und Löhne der rund 3500 Mitarbeiter sollen weiter bezahlt werden, versprach der Konzern mit Sitz in North Carolina.

Während der Amtszeit von Barack Obama, der die Kontrollen von Waffeneignern verschärfen wollte, und insbesondere während Hillary Clintons Kandidatur für das Präsidentenamt hatten sich viele Amerikaner mit so vielen Waffen eingedeckt wie sie nur konnten. Seit Jahren sinkt die Zahl der Amerikaner, die Waffen besitzen. Die Waffenproduktion ist dagegen rasant gestiegen, auf elf Millionen Stück im Jahr 2016. Waffen sind mehr und mehr in den Händen sogenannter "Super Owner", die sensibel auf politische Signale reagieren. Laut einer Studie der Universitäten Harvard und Northeastern gehören drei Prozent der erwachsenen Amerikaner die Hälfte aller Waffen in den USA.

Der Investor wollte Remington loswerden, fand aber keinen Käufer

Remington war zuletzt vor allem in den Schlagzeilen, weil die Gewehre häufig von Amokläufern genutzt werden. Der bekannteste Fall war die Schießerei in der Grundschule Sandy Hook in Newtown/Connecticut im Jahr 2012, bei der 20 Erstklässler und sechs Lehrer starben. Der Schütze benutzte das halbautomatische Gewehr Bushmaster AR-15, die zivile Variante des M16-Maschinengewehrs des US-Militärs. Seither gab es mehrere Rechtsstreits gegen Remington, unter anderem gegen die martialische Werbestrategie. "Die Kräfte des Widerstands beugen sich nieder", heißt einer der Werbesprüche für die Bushmaster AR-15.

Keine der Klagen war bislang erfolgreich. Dennoch wollten die Cerberus-Investoren seither nichts mehr mit Remington zu tun haben. Schon vier Tage nach dem Amoklauf in Connecticut hatte der Finanzinvestor versprochen, Remington zu verkaufen. Es wollte sich allerdings kein Käufer finden, weshalb Remington Teil der Private-Equity-Firma blieb, zu der unter anderem der Makeup-Hersteller Avon und der Schweizer Pharmakonzern Covis gehören.

Unter dem schrumpfenden Absatz seit Trumps Amtsantritt leiden auch andere große Waffenhersteller wie Smith & Wesson oder Sturm, Ruger und Co. Die Aktie von Sturm brach nach Remingtons Pleite-Nachricht um drei Prozent ein. Die Pistolenfirma Colt hatte sich schon 2015 mit einem Insolvenzverfahren saniert.

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