US-Saatgut-Konzern Monsanto strebt Genmais-Zulassung in Europa an

Der US-Agrarkonzern Monsanto gibt sein Geschäft mit gentechnisch verändertem Saatgut in Europa auf. So lauteten Meldungen vergangene Woche. Doch inzwischen scheint klar: Von einem Rückzug kann de facto keine Rede sein. Schon kommende Woche wollen die EU-Staaten über die Erstzulassung der genmanipulierten Maissorte SmartStax abstimmen.

Von Silvia Liebrich

Da haben sich Gentechnik-Gegner wohl zu früh gefreut. Monsanto wolle den Markt für genmanipulierte Pflanzen in Europa aufgeben, weil der Widerstand gegen die umstrittene Technologie zu groß sei. Das hatten Medien in der vergangenen Woche berichtet. Sie hatten sich dabei auf Aussagen von Nordeuropa-Chefin Ursula Lüttmer-Ouazane berufen, die unter anderem erklärt hatte: "Es ist richtig, dass Monsanto in Europa keine neuen Anbau-Systeme beantragt".

Von einem Rückzug aus Europa kann de facto aber keine Rede sein. Nach Angaben des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (Bund) hat der Agrarkonzern bisher keinen einzigen seiner laufenden Zulassungsanträge für Gentech-Pflanzen zurückgezogen. "Elf Pflanzen warten auf eine Anbauzulassung für die Äcker der EU, darunter der Mais MON810, der zur Wiederzulassung ansteht", sagt Bund-Expertin Heike Moldenhauer. Für insgesamt 46 Pflanzen liege ein Antrag auf Import in die Europäische Union und zur Verwendung als Lebens- und Futtermittel vor.

Besonders umstritten ist derzeit die geplante Erstzulassung der genmanipulierten Maissorte SmartStax. Darüber will die EU-Kommission mit Vertretern der Mitgliedsländern am 10. Juni beraten und möglicherweise gleich abstimmen. Die Pflanze wurde von Monsanto und der Firma Dow AgroSciences entwickelt. Sie produziert sechs verschiedene Insektengifte und ist gegen zwei Unkrautvernichtungsmittel resistent.

Monsanto will sich in Europa auf konventionelles Saatgut konzentrieren

"SmartStax wurde 2010 von der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA positiv bewertet, obwohl die Dossiers der Industrie erhebliche Mängel aufweisen", kritisiert Christoph Then von Testbiotech. Die gentechnikkritische Organisation habe bereits im Dezember 2012 darauf aufmerksam gemacht, dass der Mais vermutlich illegal auf den EU-Markt gelangt. "Doch anstatt die illegalen Importe zu stoppen, will die Kommission jetzt offensichtlich die Flucht nach vorn antreten und den Mais legalisieren", so Then. Er sieht darin einen gravierenden Verstoß gegen die Interessen der Verbraucher.

Monsanto hat inzwischen eine Stellungnahme herausgegeben, in der es heißt, dass Berichte über einen Vermarktungsstopp von Gentech-Pflanzen in Deutschland und Europa so nicht stimmten. Monsanto habe aber verstanden und akzeptiere, "dass Saatgut mit gentechnisch verbesserten Merkmalen derzeit keine breite Akzeptanz in Landwirtschaft und Öffentlichkeit in Deutschland und Europa finde". Deshalb werde sich das Unternehmen in Europa auf Züchtung und Verkauf von konventionellem Saatgut konzentrieren.

Die meisten Verbraucher in der EU lehnen Gentechnik im Essen ab. Im Gegensatz zu den USA sind in Europa bislang nur wenige genmanipulierte Pflanzen zum Anbau zugelassen. In Deutschland gibt es derzeit keine einzige Genehmigung. In den USA verklagte ein Farmer Monsanto diese Woche auf Schadenersatz, weil auf einem Acker in Oregon verbotener Gentech-Weizen entdeckt worden war. Japan und Südkorea hatten daraufhin ihre Weizenbestellungen in den USA teilweise storniert.