US-Präsident Trump will den Armen Erdnussbutter verordnen

Cornflakes, H-Milch, Erdussbutter: Präsident Trump will bedürftige Amerikaner mit Care-Paketen versorgen, statt sie selber wählen zu lassen, was auf den Tisch kommt.

(Foto: AP)
  • Bislang erhalten bedürftige US-Amerikaner eine Art Kreditkarte, mit deren Guthaben sie Lebensmittel kaufen können.
  • Präsident Trump will das ändern. Ein Haushaltsentwurf sieht vor, dass Bedürftige zukünftig Care-Pakete mit Nudeln, Erdnussbutter und anderen Dingen bekommen.
  • Bevor die Idee Realität wird, muss der US-Kongress noch zustimmen.
Von Kathrin Werner, New York

Donald Trump will entscheiden, was arme Amerikaner essen. Bislang bekommen die Ärmsten der Armen in den USA eine Art Kreditkarte von der US-Regierung, mit der sie Lebensmittel kaufen können. Es ist eines der wichtigsten Programme des in den USA bekanntermaßen locker geknüpften Auffangnetzes des Staats. Es trägt den Namen Supplemental Nutrition Assistance Program, SNAP, und ist der Nachfolger der alten Lebensmittelmarken.

Mit der SNAP-Karte können die Menschen kaufen, was sie wollen und wo sie wollen. Man kann mit ihr auf dem Wochenmarkt in Brooklyn Gemüse direkt vom Bauern kaufen oder bergeweise Kartoffelchips bei Walmart erstehen - sehr marktwirtschaftlich also. Trump will das nun ändern. Laut seinem zum Wochenanfang vorgelegten Haushaltsentwurf sollen Arme Care-Pakete vom Landwirtschaftsministerium erhalten. Darin enthalten: Cornflakes, H-Milch, Erdnussbutter, Nudeln, Fleisch, Bohnen und Dosengemüse. Nicht darin befinden sich frisches Obst und Gemüse.

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Trotz des fragwürdigen Nährwerts dieser Auswahl beteuert die Regierung, dass das Programm eine gesündere Ernährung ermögliche. Es gab seit Jahren immer wieder Diskussionen, ob die Regierung die Art der Lebensmittel einschränken sollte, die Menschen mit ihren Lebensmittelmarken oder den SNAP-Karten kaufen dürfen, ob man einerseits Ungesundes wie Energy-Drinks, Kekse oder Eiscreme und andererseits Luxusprodukte wie frische Meeresfrüchte und Steaks ausschließen sollte. Alkohol, Zigaretten, Haushaltsprodukte und vorgekochtes Essen darf man schon jetzt nicht erwerben. Doch die Befürworter strengerer Richtlinien konnten sich nicht durchsetzen, weil die Gegner mit der uramerikanischen Entscheidungsfreiheit und der Würde jedes Bürgers argumentierten und sich behaupteten.

Neben den erhofften Ernährungsverbesserungen sollen die geplanten Care-Pakete Betrugsfälle mit den SNAP-Karten verhindern und kräftig Geld sparen - und das, obwohl eine gigantische Einkaufs- und Lieferinfrastruktur aufgebaut werden müsste. Die Trump-Regierung glaubt, dass das Landwirtschaftsministerium die Lebensmittel deutlich günstiger erwerben könnte als die Menschen, die staatliche Verteilung lohne sich darum.

Wie genau die Pakete an die Millionen Bedürftigen zwischen der Bronx und dem hintersten Winkel Kentuckys kommen sollen, beschreibt der Haushaltsentwurf nicht. Er erwähnt allerdings "enorme Flexibilität für die Bundesstaaten in der Gestaltung des Liefersystems mit existierender Infrastruktur, Partnerschaften oder kommerziellen Lieferdiensten". In zehn Jahren sollen die staatlichen Care-Pakete und einige weitere Sparvorhaben dem SNAP-Programm Einsparungen von 213 Milliarden Dollar bringen, das Budget soll so um 30 Prozent sinken.

Bei Hilfsgruppen kommt die Idee nicht gut an

Menschen, die heute 90 Dollar pro Monat oder mehr mit ihrer SNAP-Karte ausgeben dürfen, sollen künftig die Pakete bekommen und zusätzlich eine deutlich geringere Summe Geld zur freien Verwendung. Das wären mehr als 80 Prozent der derzeitigen Hilfsempfänger. Die mehr als 42 Millionen Empfänger bekommen im Durchschnitt 126 Dollar pro Monat. Insgesamt kostete das die Steuerzahler im Jahr 2017 68 Milliarden Dollar.

Ob die Pläne Realität werden, ist unklar, der US-Kongress muss ihnen zustimmen. Bei Hilfsgruppen kommt die Idee nicht gut an. "Mehr Bürokratie, weniger Auswahl", sagte Joel Berg, Chef von Hunger Free America, dem Radio-Nachrichtensender NPR. Die Pläne forcierten das Vorurteil, Arme ernährten sich durchweg schlecht. Außerdem möchten in den kulturell vielfältigen USA nicht alle das Gleiche essen, sagte er. "Glauben sie wirklich, dass ein Bürokrat in Washington besser entscheiden kann als du selbst, was deine Familie braucht?"