US-Notenbank Fed Schluss mit den Konjunkturspritzen, vorerst

  • Die US-Notenbank Federal Reserve wird zum Ende dieses Monats ihr Milliardenprogramm für Anleihekäufe einstellen.
  • Das Programm der Fed zum Wertpapierkauf lief unter dem Namen "Quantitative Easing" und ist seit seinem Bestehen heftig umstritten.
  • Mit der Entscheidung vom Mittwoch ist die globale Geldpolitik einen wichtigen Schritt in Richtung Normalisierung gegangen.
Von Nikolaus Piper, New York

Es war ein historisches Experiment - jetzt ist es erst einmal zu Ende. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve wird zum Ende dieses Monats ihr Milliardenprogramm für Anleihekäufe einstellen. Dass beschloss der Offenmarktausschuss der Fed am Mittwoch mit großer Mehrheit.

Außerdem zeigte sich die Notenbank optimistisch über Fortschritte beim Abbau der Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten. "Die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt besserten sich weiter", heißt es in der Erklärung der Fed. "Eine Reihe von Indikatoren legt den Schluss nahe, dass die Unterauslastung der Arbeitsmarkt-Ressourcen langsam zurückgeht." In der Sprache der Geldpolitik heißt das: Dem Arbeitsmarkt geht es besser und er braucht weniger Stütze vonseiten der Notenbank. Nach der Entscheidung der Fed sprang der Kurs der amerikanischen Währung in die Höhe. Der Kurs des Euro ging von 1,278 Dollar auf 1,264 Dollar zurück.

Das Programm der Fed zum Wertpapierkauf, das unter dem Namen "Quantitative Easing" lief, begann vor zwei Jahren. Es sah vor, dass die Fed jeden Monat große Mengen an Staats- und Hypothekenanleihen auf dem Markt kaufte. Die Bilanz der Fed blähte sich im Zuge des Programms um 1,6 Billionen Dollar auf. Dadurch gelang es ihr, die langfristigen Zinsen, etwa für Hauskredite, zu drücken, was bei herkömmlicher Geldpolitik nicht möglich ist. Jeder Kauf von Wertpapieren durch die Notenbank kommt der Schaffung neuen Geldes gleich. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ist inzwischen dazu übergegangen, die Wirtschaft durch Wertpapierkäufe zu entlasten.

Kritiker fürchten, dass die Fed Spekulationsblasen schafft

"Quantitative Easing" ist seit Bestehen des Programms heftig umstritten. Dessen Initiatoren, vor allem der frühere Notenbank-Chef Ben Bernanke und die jetzige Amtsinhaberin Janet Yellen, glauben, dass es wesentlich zur guten Konjunktur in den USA beigetragen hat. Als das Programm begann, lag die Arbeitslosigkeit in den USA bei 8,1 Prozent, jetzt ist sie auf 5,9 Prozent gesunken. Kritiker fürchten dagegen, dass die Fed Spekulationsblasen schafft und indirekt Staatsfinanzierung betreibt. Besonders in Deutschland wurde Fed und EZB außerdem vorgeworfen, die Sparer durch Niedrigstzinsen zu enteignen.

Die Fed legte sich erneut darauf fest, den kurzfristigen Leitzins der Notenbank, die Federal Funds Rate "für eine beträchtliche Zeit" noch bei nahe null zu lassen. Die meisten Experten rechnen damit, dass die Zinsen Mitte kommenden Jahres erstmals seit 2006 wieder steigen werden.

Mit der Entscheidung vom Mittwoch ist die globale Geldpolitik einen wichtigen Schritt in Richtung Normalisierung gegangen. Der Weg ist aber noch weit: Die Fed wird die Erträge aus den Wertpapieren, die sie besitzt, weiter reinvestieren. Und klar ist auch: Mit "Quantitative Easing" hat die Fed ein Instrument erfunden, dass sie in Zukunft bei Krisen immer wieder einsetzen wird. Bemerkenswert ist schließlich, dass die amerikanische Notenbank nicht auf die schwierige Konjunktur in Europa, das nachlassende Wachstum und die sinkenden Öl- und Getreidepreise reagiert hat.