Von Caspar Dohmen und Claus Hulverscheidt

Die Eigentümer der WestLB haben in einer eilig einberufenen Sitzung über eine Milliardenhilfe für das krisengeschüttelte Institut beraten. Dabei ging es auch um den Abbau von bis zu 2000 Stellen. Damit wären bis zu einem Drittel der 5900 Mitarbeiter vom Jobverlust bedroht.

Die US-Immobilienkrise hat bei deutschen Banken zu neuen Verlusten geführt. Die Eigentümer der WestLB berieten am Sonntagabend über eine Milliardenhilfe für das krisengeschüttelte Institut. Dabei ging es auch um den Abbau von bis zu 2000 Stellen. Zuvor war bekannt geworden, dass die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) einen massiven Gewinnrückgang verkraften muss. In der Branche wird fest damit gerechnet, dass viele Banken weitere Abschreibungen vornehmen müssen.

Am Markt für US-Hypothekendarlehen verspekuliert: die WestLB. (© Foto: ddp)

Anzeige

Die WestLB und die LBBW hatten sich wie viele Institute in anderen Ländern auch am Markt für US-Hypothekendarlehen verspekuliert. Weil viele Amerikaner ihre Kredite wegen steigender Zinsen nicht mehr zurückzahlen können, haben die Banken weltweit mittlerweile einen dreistelligen Milliardenbetrag verloren. Die Verluste werden erst mit Verzögerung bekannt, weil die Institute die Geschäfte oft außerhalb ihrer Bilanz geführt haben und der Überblick fehlt. Diese Praxis ist derzeit noch möglich.

Nach Angaben aus Eigentümerkreisen muss die WestLB ihre Kreditwerte um 1,2 Milliarden Euro berichtigen. Insgesamt benötige die drittgrößte Landesbank in Deutschland bis zu zwei Milliarden Euro neues Kapital, hieß es. Eigentümer der WestLB sind das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Sparkassen und Kommunen in NRW. Ihre Vertreter trafen sich am Sonntagabend in der Zentrale der Kölner Kreissparkasse, um über Kapitalhilfen zu beraten. Ursprünglich war nur eine Kapitalerhöhung von 700 Millionen Euro geplant gewesen.

Eine Sprecherin des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums sagte, alle Eigentümer würden ihren Teil zur Sanierung der WestLB beitragen. Damit könnte rein rechnerisch eine Belastung von mehr als 700 Millionen Euro auf das Land zukommen. Bisher ist im Landeshaushalt mit seinem Volumen von 50,8 Milliarden Euro kein Geld für eine Kapitalerhöhung vorgesehen. Deshalb ist ein Nachtragshaushalt wahrscheinlich.

Deutliche Spuren hinterlässt die Finanzmarktkrise auch in der Bilanz der LBBW. Deren Reingewinn brach aufgrund von Wertberichtigungen für 2007 auf 300 Millionen Euro ein. Um ihr Versprechen zu halten, trotz Krise nicht in die roten Zahlen zu rutschen, musste die größte deutsche Landesbank kräftig in ihre Rücklagen greifen. Bereits im November hatte die LBBW Abschreibungen von gut 800 Millionen Euro angekündigt. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel sollen sich die Berichtigungen mittlerweile auf 1,7 Milliarden Euro belaufen. Dies wollte ein Unternehmenssprecher am Sonntag allerdings nicht bestätigen.

Erst vor wenigen Tagen hatte die Münchner Hypo Real Estate, die zuvor jede nennenswerte Verwicklung in die Krise abgestritten hatte, Abschreibungen auf ein US-Wertpapier-Portfolio in Höhe von 390 Millionen Euro bekannt gegeben. Seitdem wird in der deutschen Bankenszene darüber gegrübelt, was in den nächsten Wochen bei anderen Kreditinstituten noch ans Licht kommen wird. Gerüchte gab es bereits über eine Sonderabschreibung der Commerzbank oder der Aareal Bank. Nach Angaben der Ratingagentur Moody's ist der Wert vieler Wertpapiere, die an die Entwicklung des US-Hypothekenmarkts geknüpft sind, mittlerweile auf die Hälfte ihres ursprünglichen Werts geschrumpft.

Die Immobilienkrise in den USA hat auch das Bundesfinanzministerium auf den Plan gerufen, das die Situation nach Angaben eines Sprechers genau beobachtet. "Noch lässt sich nicht seriös sagen, welche Spuren die Krise noch hinterlassen wird", sagte er. "Das Thema wird uns aber in jedem Fall noch eine ganze Weile beschäftigen."

Leser empfehlen 

(SZ vom 21.01.2008/Reuters/jkr)