US-Kontrolleure über Boeings Dreamliner "Das ist ein nie dagewesener Vorfall"

Die US-Behörde ist "sehr besorgt" wegen der Pannen von Boeings Dreamliner. Die Untersuchungen könnten noch Wochen dauern. So lange müssen die Flugzeuge am Boden bleiben - für Boeing könnte das richtig teuer werden.

Die Dreamliner bleiben erst mal am Boden. Die US-Behörden machten klar, dass ihre Untersuchung der jüngsten Pannenserie bei Boeings Langstreckenflugzeugen noch längst nicht abgeschlossen sei. Bei der Prüfung der in Brand geratenen Batterie seien eine Reihe von Symptomen entdeckt worden, aber noch nicht die Ursache des Problems, sagte die Vorsitzende der Unfalluntersuchungsbehörde NTSB, Deborah Hersman. "Wir sind noch im frühen Stadium unserer Untersuchung", sagte sie.

Allerdings deuteten die Kontrolleure bereits an, dass es sich um ein ernsteres Problem handeln könnte. "Das ist ein bislang nie dagewesener Vorfall", sagte Hersman. "Wir sind sehr besorgt."

Fragen dazu, wie lange die Untersuchung noch dauern wird und wann die Dreamliner wieder fliegen werden, ließ sie unbeantwortet. Luftfahrt-Experten werteten ihre Äußerungen aber als Anzeichen dafür, dass dies noch Wochen dauern könnte. Die Entscheidung liegt bei der US-Luftverkehrsbehörde FAA. Sie hatte in der vergangenen Woche angeordnet, alle Dreamliner in den USA am Boden zu lassen, bis die Ursachen für die Batterieprobleme geklärt sind.

Anfang Januar war bei einem Dreamliner der Fluggesellschaft Japan Airlines nach der Landung in Boston im US-Bundesstaat Massachusetts ein Feuer ausgebrochen. Eine Woche später musste eine Boeing 787 der Gesellschaft All Nippon Airways (Ana) wegen eines Brandes auf einem japanischen Inlandsflug notlanden. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängte wegen der Zwischenfälle ein weltweites Flugverbot für alle 50 Dreamliner, die im Einsatz sind. Boeing stoppte die Auslieferung seines Prestigeflugzeugs, bis das Problem geklärt ist.

Boeing drohen hohe Kosten

"Wir werden das Problem so schnell wie möglich lösen und die Flugunterbrechung so kurz wie möglich halten", sagte Boeing-Chefingenieur Mike Sinnett. Sein Unternehmen sei trotz der Vorfälle nach wie vor von der Sicherheit der Maschine überzeugt. Je nach Ausgang der Untersuchungen könnten auf den Airbus-Konkurrenten hohe Kosten zukommen: Denkbar sind Experten zufolge Entschädigungen wegen der Flugausfälle, größere Umbauten oder eine erneute Genehmigung des Batterie- und Elektrosystems.

Um den Treibstoffverbrauch niedrig zu halten, setzte Beoing im Dreamliner auf mehr Stromversorgung. Die sollen besonders leichte Lithium-Ionen-Batterien garantieren - doch sie gelten als leicht entzündbar.

Die betroffenen Fluggesellschaften suchen unterdessen selbst nach einer Lösung für das Problem mit den Batterien. Die Zeit zitiert einen Sprecher der japanischen Fluglinie All Nippon Airways: "Wir testen derzeit alle Batterien durch. Es gibt jedoch zu wenig Testgeräte, um alle 17 Flugzeuge gleichzeitig zu überprüfen." Experten sehen beim Bau der neuen Flugzeuge ein generelles Problem: Zu viel Komfort für die Passagiere kostet zu viel Energie. Ein Flugzeugentwickler sagte dem Blatt: "Natürlich ist es nicht hilfreich, wenn schon der Sitz 25 Motoren hat für alle erdenklichen Positionen."