US-Großbank US-Finanzbehörde fordert Rekordsumme von JP Morgan

Die Großbank JP Morgan machte auch in der Finanzkrise satte Gewinne. Vor allem weil sie dubiose Hypothekenbriefe an andere Institute verkaufte, die dadurch in große Schwierigkeiten gerieten. Jetzt soll JP Morgan sechs Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen - und weigert sich. Obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn einfuhr.

Die US-Großbank JP Morgan kommt nicht aus den Schlagzeilen: Nach dem milliardenschweren Handelsskandal um den sogenannten "Wal von London" und dem Vorwurf der Vetternwirtschaft in China, geht es nun um faule Hypothekengeschäfte - und um Schadenersatz in Rekordhöhe.

Sechs Milliarden Dollar (etwa 4,5 Milliarden Euro) soll JP Morgan der für den US-Wohnungsmarkt zuständigen Behörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) zur Beilegung eines Rechtsstreits zahlen. Das berichtet die Financial Times und beruft sich auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Eigentlich hatte die FHFA von JP Morgan Schadensersatz in Höhe von 33 Milliarden Dollar (24,6 Milliarden Euro) verlangt.

Die FHFA wirft JP Morgan vor, den staatsnahen Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac in den Jahren 2005 bis 2007 faule Hypotheken-Schuldverschreibungen verkauft und dabei bewusst falsche Angaben über deren Qualität gemacht zu haben. Fannie Mae und Freddie Mac vertrauten den Bankern von JP Morgan. Die Bank wurde die Papiere los und kam nahezu unbeschadet durch die Finanzkrise, deren Höhepunkt der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 war.

Hintergrund ist, dass JP Morgan, wie viele andere Großbanken auch, zu den Boomzeiten auf dem Häusermarkt ordentlich abkassierten: Sie gaben Kredite an einkommensschwache Familien aus. und reduzierten anschließend das Risiko auf der eigenen Bilanz, indem sie die Hypotheken in Wertpapiere bündelten und weltweit abverkauften. Das heißt: Die Bank vergab riskante Kredite, trug das Risiko aber nicht selbst, sondern verkaufte es auf dem Wertpapiermarkt unter falschen Behauptungen. Als viele Kreditnehmer ihren Zahlungen nicht mehr nachkommen konnten und der Markt kollabierte, wurden auch die Verbriefungen wertlos - und brockten den Käufern der Papiere, darunter etliche deutsche Geldhäuser, große Verluste ein.

Über Fannie Mae und Freddie Mac wird ein Großteil der US-Immobiliengeschäfte abgewickelt. Beide wurden 2008 mit Steuergeldern vor dem Bankrott gerettet und kurz darauf unter Verwaltung der FHFA gestellt. Seitdem haben sie zusammen etwa 187,5 Milliarden Dollar (140 Milliarden Euro) an Staatshilfen bekommen.

Jetzt will die FHFA wenigstens einen Teil des Geldes zurück - und verklagte darum, neben JP Morgan, noch 16 weitere Banken wegen des Verkaufs fauler Hypothekenbriefe. Dazu gehören große amerikanische Geldinstitute wie Goldman Sachs, die Citigroup und die Bank of America. Die Schweizer Bank UBS hat sich bereits mit der amerikanischen Finanzbehörde geeinigt und ihr 885 Millionen Dollar gezahlt.

Laut dem Financial Times-Bericht weigert sich JP Morgan bisher noch, die sechs Milliarden Dolllar zu zahlen und fordert eine deutliche Reduzierung des Betrags. Dieser Fall ist nur einer von vielen juristischen Baustellen bei der Großbank. Nachdem JP Morgan früher als mustergültiger Spieler an der Wall Street galt, ist der Ruf der Bank, die 2012 einen Rekordgewinn von netto mehr als 21 Milliarden Dollar machte, mittlerweile angekratzt.