Ford hat früher den Ernst der Lage erkannt schlägt sich in Krisenzeiten besser als GM und Chrysler - doch deren Pleite könnte verheerende Folgen haben.
Es war wohl ein Segen, dass die Krise etwas früher anfing als bei der Konkurrenz. Schon 2006 häufte Ford einen gewaltigen Verlust von 12,6 Milliarden Dollar an. Dennoch - oder besser: gerade deshalb - ist Ford heute der amerikanische Autohersteller, der die tiefe Rezession in den USA aus eigener Kraft überstehen könnte. Das Ford-Management erkannte den Ernst der Lage bereits, als man in den Konzernzentralen von General Motors und Chrysler noch dem Glauben anhing, man könne weiter machen wie bisher. Inzwischen hängen GM und Chrysler längst am Tropf des Staates, ohne Milliardenkredite aus Washington wären sie pleite. Ford hingegen hat nicht einen Cent von der Regierung angenommen - bisher zumindest.
Falls GM und Chrysler pleitegehen, dann mit ihnen auch viele Zulieferer. Dadurch würden bei Ford Engpässe entstehen. (© Foto: dpa)
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Bereits 2006 vorgesorgt
Als Reaktion auf den Einbruch 2006 legte der Konzern nicht nur ein Sparprogramm auf, er verpfändete auch fast alle seine Vermögenswerte, inklusive des Firmenlogos, und sicherte sich so bei Banken eine Kreditlinie von 23 Milliarden Dollar. Mit derart gut gefüllten Kassen konnte Ford selbst das Katastrophenjahr 2008 abfedern, das die Verluste von 2006 noch einmal übertraf. Fast 15 Milliarden Dollar verlor Ford im vergangenen Jahr, so viel wie nie zuvor in der Konzerngeschichte.
Die Reserven schwinden auch bei Ford, aber Ende Dezember hatte der Konzern noch ein Polster von 14 Milliarden Dollar. Auch wenn die Kreditlinien inzwischen ausgeschöpft sind, die Verkaufszahlen im Januar um 40 Prozent abgestürzt sind und der Konzern allein im vierten Quartal 2008 5,5 Milliarden Dollar verbrannt hat, bleibt die Unternehmensspitze um Konzernchef Alan Mulally dabei: "Wir brauchen kein Geld vom Staat, jedenfalls solange nicht, wie GM und Chrysler überleben."
Das freilich ist inzwischen fraglicher denn je. Im Regierungskomitee für die Autoindustrie wird offen darüber diskutiert, ob eine Insolvenz der beiden maroden Konzerne nicht doch der beste Weg zur Sanierung sei. Nach Informationen des Wall Street Journal haben externe Berater des Finanzministeriums schon damit begonnen, bei Banken und anderen Investoren Mittel für den größten Konkurskredit der amerikanischen Geschichte anzufragen. Insgesamt geht es um 40 Milliarden Dollar, mit denen GM und Chrysler ihren Umbau unter Gläubigerschutz bezahlen könnten. Noch hat sich die Regierung allerdings nicht festgelegt.
Zulieferer mit großen Problemen
Das Problem für Ford: Die Detroiter Autokonzerne sind eng miteinander verwoben. Sollten GM und Chrysler pleite gehen, könnte das mehrere Zulieferer mit in den Abgrund reißen, die auch Ford für die Herstellung seiner Autos benötigt. Schon jetzt befinden sich etwa die Hälfte der 2500 Zulieferer in den USA in Finanznöten. Ihr Branchenverband hat bereits Hilfen in Washington erbeten.
Andererseits profitiert Ford von der Krise der Konkurrenz. In jedem der vergangenen vier Monate habe der Marktanteil über dem Vorjahreswert gelegen. Offenbar tritt jetzt schon ein, was die Konzernchefs von GM und Chrysler stets befürchtet hatten: Kunden meiden die Autos von konkursgefährdeten Konzernen und schauen sich bei den Wettbewerbern um. Auch die gesunkenen Benzinpreise spielen Ford in die Karten.
Mit dem Kleinlaster F-150 hat der Hersteller das derzeit meistverkaufte Auto in den USA im Angebot. Zusätzlich profitiert Ford von den Konzessionen, die GM und Chrysler in den vergangenen Wochen der Autogewerkschaft UAW abgerungen haben. Sie gelten auch für den Ford-Konzern, der sich zudem am Montag mit der Gewerkschaft über die Finanzierung der Krankenversicherung von Ruheständlern geeinigt hat.
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(SZ vom 24.02.2009/iko/mel)
Gysi gegen Lafontaine
zeigt sich in diesem Beitrag wie auch in der Opeldiskussion. Die Konzerne haben sich durch Outsourcing selbst die Basis zerstört. Die Läger auf die Strasse und die unwichtigen Kleinteile in auswechselbare Vorlieferanten auslagern. Lieder hat keiner dieser Holzköpfe jemals darüber nachgedacht was passiert wenn der worstcase tatsächlich eintritt. Die auswechselbaren Kleinen sind heute in der Hand von wenigen weltweit agierenden Finanzhaien denen der eigene Beutel einfach näher sitzt als Menschen und Produkte. Für diese Kaste sind die vorgenannten nur Humancapital. Sie lassen jetzt dieses Humankapital alleine und suchen sich neues. Es wird schon genügend Interessenten geben, die ihnen neu zuhören.
Die Automobilindustrie aber steigt für ihre Fehler unter die Schutzschirme des Steuerzahlers. Wer kann das alles begrenzen? Nur die Politik durch Kompetenz und Unabhängigkeit. Aber genau das fehlt in der freien Welt. Wo bleibt eigentlich die dritte Gewalt, weiß noch jemand was das früher war?