Ein Kommentar von Michael Kuntz

Die amerikanische Autoindustrie ist ohne Obamas Unterstützung pleite - sie hat in den vergangenen Jahren einfach zu viele Fehler gemacht.

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es schon wieder witzig. Die Deutsche Bank setzt das Kursziel für General Motors auf null. Nichts geht mehr.

Ein Polizist fotografiert auf der Detroit Motor Show einen Chevrolet Camaro Bumblebee mit seinem Handy (© Foto: dpa)

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Die jüngsten Quartalsergebnisse von General Motors und Ford bestätigen die finstersten Vorahnungen. Die einstigen Ikonen der amerikanischen Industrie sind wirtschaftlich abgewrackt.

GM und Ford verbrannten jeweils mehr als neun Milliarden Dollar allein im dritten Quartal. Das verträgt auf die Dauer keiner der beiden Konzerne, zumal es nun schon einige Jahre her ist, dass sie ordentlich verdient haben.

Bei Chrysler, dem dritten der "Big Three" aus Detroit, lässt sich nur ahnen, was wirklich los ist. Seit Daimler die Mehrheit an die Finanzfirma Cerberus verkauft hat, gibt es keine Berichte mehr, sondern nur Gerüchte.

Und die sind übel. Selbst GM-Chef Rick Wagoner sagt jetzt ganz offen, dass ohne Staatsknete aus Washington in der ersten Hälfte des kommenden Jahres die Lichter ausgehen am Detroit River im Hauptquartier von General Motors, dem Konzern mit weltweit 250.000 Beschäftigten.

Selber schuld, mag man da sagen. Wer jahrzehntelang gutes Geld verdiente mit dicksten Geländewagen und Pick-ups, darf sich nicht wundern, wenn bei steigenden Benzinpreisen und sinkenden Einkommen die Amerikaner sich allenfalls noch kleine Autos aus asiatischer Produktion leisten.

Branchenprimus Toyota kämpft ebenfalls

Oder trendige Cityflitzer wie den Smart von Daimler oder den Mini von BMW. Wer den Hybrid verschlafen hat und den sparsamen, spurtfreudigen modernen Diesel ignoriert - den bestraft das Leben. Wer sich zu lange auf den schrumpfenden nordamerikanischen Automarkt konzentrierte - der bekommt nun die Quittung.

Ganz so einfach ist es freilich inzwischen nicht mehr. Denn in Zeiten der Finanzkrise und eines beispiellosen Käuferstreiks auf dem weltweit größten Automarkt Nordamerika kommt selbst der Branchenprimus Toyota nicht mehr voran. Schon zum zweiten Mal im laufenden Geschäftsjahr mussten die erfolgsgewohnten Japaner ihre Gewinnprognose senken. Auch für luxuriöse Autos läuft derzeit nicht viel, wie man an BMW, Daimler und Porsche sieht.

Es sieht nicht danach aus, dass die Lage in absehbarer Zeit besser wird. Schwer erhältliche, teure Kredite, höhere Arbeitslosigkeit, niedrigere Einkommen, sinkende Aktienkurse, ein praktisch toter Immobilienmarkt - das ist in etwa die Wirtschaftslage, die Barack Obama bei seinem Amtsantritt als neuer amerikanischer Präsident vorfindet.

George W. Bush empfahl den Autoherstellern, doch einfach mehr gefragte Autos zu bauen. Die würden dann auch gekauft. Der nächste Präsident scheint mehr Verständnis für die Autokonzerne zu haben, von denen angesichts ihrer Werke in Kanada und Korea, Deutschland und Russland keiner mehr so recht weiß, wie sehr sie eigentlich noch amerikanisch sind. Nun soll Barack Obama alles richten. Staatsgeld nimmt zwar Ängste, lähmt aber auch. Staatshilfe wirkt zudem wie eine Droge - die Dosis reicht nie.

Bush hatte schon recht: Derzeit stehen in Amerika ein paar Autowerke zu viel. Die lassen sich nur erhalten mit neuen, attraktiven Autos zu Preisen, die sich der Konsument leisten kann und will.

Das Geld-Päckchen aus Washington darf daher kein Startschuss zu einem globalen Wettlauf um Subventionen sein, sondern nur eine einmalige Hilfe zur Selbsthilfe. Damit es für GM, Ford und Chrysler nicht heißt: "Letzte Ausfahrt Detroit".

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(SZ vom 12.11.2008/hgn)