Von Moritz Koch

Die legendären "Big Three" der US-Autobauer sind womöglich bald nur noch zu zweit: General Motors und Chrysler prüfen einen Zusammenschluss.

Die legendären "Big Three", die drei großen amerikanischen Autobauer, sind womöglich bald nur noch zu zweit: General Motors (GM) und Chrysler prüfen einen Zusammenschluss. GM steckt in großen Schwierigkeiten, die Aktie des Konzerns ist nur noch so viel Wert wie nach der Weltwirtschaftskrise. Insgesamt erlebt die Autobranche wegen der Finanzkrise einen massiven Einbruch bei den Verkäufen.

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Auf dem Weg zur Fusion mit Chrysler: der angeschlagene US-Autohersteller General Motors. (© Foto: Reuters)

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Asiatische Konkurrenz holt auf

Die US-Hersteller General Motors, Ford und Chrysler gehören zum industriellen Kern der USA. Jahrzehntelang dominierten die drei Konzerne den Automarkt. Eine Fusion von GM und Chrysler wäre ein tiefer Einschnitt in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte und eine Konsequenz aus der wirtschaftlichen Not, in die die US-Hersteller geraten sind.

Die Konkurrenz von asiatischen und europäischen Unternehmen setzt ihnen immer stärker zu. Der Marktanteil der Marktführer schrumpft. Die spritfressenden Straßenkreuzer aus Detroit entsprechen nicht den Kundenwünschen nach sparsamen Autos, die inzwischen auch in den USA verbreitet sind.

GM betrachtet eine Fusion offenbar als beste Strategie, um einen Kollaps abzuwenden. Eine Zusammenlegung von Produktionskapazitäten könnte Kosten sparen. Der Konzern, der erst kürzlich von Toyota als größter Autohersteller der Welt abgelöst worden ist, verbrennt pro Monat mehr als eine Milliarde Dollar. Die Bargeldreserven von 21 Milliarden Dollar, über die GM noch im Sommer verfügte, könnten schon im nächsten Jahr aufgezehrt sein.

Aktie stürzt ab

Vergangene Woche sah sich GM gezwungen, Gerüchte zu dementieren, wonach es Gläubigerschutz suchen wolle. Den Absturz der GM-Aktie konnte aber auch das nicht aufhalten. Sie notierte am Freitag mit knapp fünf Dollar auf dem tiefsten Stand seit 1950. GM ist inzwischen nur noch etwa vier Milliarden Dollar wert. Der kleinere VW-Konzern ist 30 mal so wertvoll.

Auch Chrysler sucht verzweifelt nach einem Partner. Cerberus Capital Management, eine Beteiligungsgesellschaft, hat das Unternehmen vor einem Jahr dem Stuttgarter Daimler-Konzern abgekauft. Seither veröffentlicht Chrysler keine Geschäftsergebnisse mehr. Das Ausmaß der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in denen der Hersteller steckt, ist daher nicht bekannt. Sicher ist allerdings, dass es Cerberus nicht gelungen ist, Chrysler profitabel zu machen.

Der Finanzinvestor will den Konzern daher loswerden und führte bereits Verhandlungen mit Renault und Nissan. Jedoch ohne dass greifbare Ergebnisse bekannt wurden. Die Gespräche mit GM begannen nach amerikanischen Medieninformationen vor etwa einem Monat. Etwa zur gleichen Zeit brach Ford Verhandlungen mit GM ab, die sich den ganzen Sommer über hingezogen hatten. Seither haben sich führende Manager von GM, Cerberus und Chrysler mehrmals getroffen. Wegen der Zuspitzung der Finanzkrise wurden die Verhandlungen aber unterbrochen. Es könnte noch Wochen dauern, bis eine Einigung erreicht ist.

Der amerikanische Autosektor steht vor einer dreifachen Herausforderung. Die schwache Konjunktur bremst die Kaufbereitschaft der Konsumenten und die Situation dürfte sich noch weiter verschlechtern, wenn die USA in eine Rezession abgleitet, wie es fast alle Experten erwarten. Zudem schockierten die hohen Spritpreise im Sommer viele Amerikaner.

Auf einmal sind sparsame Autos gefragt, deren Produktion die Konzerne bisher vernachlässigt haben. Und schließlich erschüttert die Finanzkrise Detroit. Kredite sind das Lebenselixier der Branche. Händler brauchen sie, um ihre Lager mit Neuwagen zu füllen, und Konsumenten brauchen sie, um sich die neuen Autos leisten zu können. Doch selbst kreditwürdige Amerikaner haben es derzeit schwer, Darlehen von Banken zu bekommen. Die schwer angeschlagenen Institute horten Kapital. Das Resultat: Der Autoabsatz bricht ein. Im September wurden 26 Prozent weniger Autos verkauft als im Jahr zuvor.

Auch die Hersteller selbst haben große Schwierigkeiten, sich Geld zu leihen. Wertpapiere von GM und Ford werden inzwischen als Ramsch-Anleihen gehandelt, entsprechend hoch sind die Zinsen, die Gläubiger verlangen. Vergangene Woche meldete die Ratingagentur Standard & Poor's, dass sie eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit von GM und Ford prüfe. Dies würde die Geldzufuhr zusätzlich erschweren.

Dabei ist der Kapitalbedarf der Autohersteller gewaltig. Die Finanztöchter GMAC und Ford Credit gehören traditionell zu den wichtigsten Schuldnern auf dem Kapitalmarkt. Ihre Mutterkonzerne brauchen Geld, um ihre Fabriken zu modernisieren und umweltfreundliche Technologien zu entwickeln. Erst zu Monatsbeginn gewährte der US-Kongress den Detroiter Konzernen einen günstigen 25-Milliarden-Dollar-Kredit, den sie zur Umstellung ihrer Produktion nutzen sollen.

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(SZ vom 13.10.2008/jkr)