Die Sanierungskonzepte der amerikanischen Autohersteller sehen harte Einschnitte vor, doch die Rettung der Unternehmen ist noch keineswegs sicher.
Die Rettung der amerikanischen Autoindustrie wird fast doppelt so teurer wie bisher angenommen. Die beiden Konzerne General Motors und Chrysler brauchen weitere Staatshilfen in Milliardenhöhe, sonst droht ihnen schon Ende März der Konkurs.
Bild vergrößern
Übersicht wichtiger Arbeitgeber: General Motors beschäftigt in Europa an etlichen Standorten mehr als 55.000 Mitarbeiter. (© Foto: AP)
Anzeige
GM beziffert seinen Kapitalbedarf auf insgesamt 30 Milliarden Dollar. Das sind zwölf Milliarden mehr, als das Unternehmen im Dezember beantragt hatte, als es zum ersten Mal kurz vor der Pleite stand. Der kleinere Rivale Chrysler braucht fünf Milliarden Dollar, zwei Milliarden Dollar mehr als ursprünglich veranschlagt.
Die Zahlen gehen aus den Sanierungskonzepten hervor, die die Konzerne am Dienstagabend nach Washington schickten. Damit erfüllten sie eine Auflage der Regierung.
Harte Einschnitte angekündigt
Bisher hat GM 13,4 und Chrysler vier Milliarden Dollar aus Washington erhalten. Die Konzerne kündigten harte Einschnitte an. GM will 47.000 seiner weltweit 244.000 Arbeitsplätze streichen und fünf der 14 Fabriken in Nordamerika schließen. Künftig soll sich das Angebot auf die Marken Chevrolet, Cadillac, GMC und Buick konzentrieren. Auch die Marke Pontiac steht zur Disposition.
Saturn, Saab und die Hummer-Geländewagen sollen eingestellt oder verkauft werden. Zur Zukunft der deutschen GM-Tochter Opel äußerte sich Konzernchef Rick Wagoner nicht.
Chrysler will weitere 3000 Jobs abbauen und mehrere Modelle aus dem Angebot nehmen. Sollte die Sanierung gelingen, sieht die Konzernspitze die Zukunft des Unternehmens offenbar als nordamerikanischer Geschäftszweig des italienischen Autobauers Fiat, mit dem eine Allianz verabredet worden war.
Entscheidung fällt Ende März
Die US-Regierung erklärte, die Konzepte von einer eigens dafür einberufenen Expertengruppe prüfen zu lassen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Robert Gibbs, machte aber bereits deutlich, dass "von allen Beteiligten mehr gefordert seien wird - Gläubigern, Zulieferern, Händlern, Arbeitern und Managern - um die Lebensfähigkeit der Unternehmen sicherzustellen".
Ende März soll eine Entscheidung fallen. Grundsätzlich wird die Regierung zwischen zwei Optionen wählen müssen. Entweder sie stellt weitere Milliardenhilfen für die Autoindustrie bereit und reißt damit ein immer größeres Loch in den durch Kriegsausgaben, Konjunkturprogramme und Finanzmarktinterventionen deutlich überzogenen Staatshaushalt, oder sie lässt die Konzerne in die Insolvenz gehen und riskiert den Untergang der Unternehmen.
Die Konzernspitzen von GM und Chrysler behaupten, dass eine Sanierung auf Staatskosten letztlich günstiger sei als die Restrukturierung unter Gläubigerschutz.
Lesen Sie auf der zweiten Seite, welche Probleme in den Sanierungskonzepten immer noch ungelöst sind.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Gysi gegen Lafontaine
Die Situation ist doch völlig grotesk.
Die US Autobauer verbrennen jeden Tag Millionen. Sie haben aber keine Produkte, die jemand kaufen möchte (da schliesse ich übrigens Opel, Saab, Volvo mit ein). Die Produkte, die sich verkaufen würden, existieren bestenfalls auf dem Zeichentisch. Das Verbrennen der Millionen würde also noch Jahre anhalten.
Ich habe mir den Chrysler "Sanierungsplan" angesehen. Die Hoffnung ist, dass Chrysler-Autos durch italienische Getriebe und Motoren von Fiat quasi über Nacht zu Bestsellern werden. Fiat mag ja die eine oder andere Innovation haben, aber wie die gesamte italienische Wirtschaft ist die Firma siech. Wenn ein Partner auf dem rechten Bein hinkt und der andere auf dem linken, macht die Kombination doch keinen Sprinter.
Ähnliches gilt z.B. für Volvo: Es gibt immer noch einen gewissen skandinavischen Charme in Volvos, aber das Design wurde mehr und mehr amerikanisiert (genauso wie die Zuverläsigkeit) und die Entwicklung moderner Motoren hat man völlig vernachlässigt. Kein Wunder also, dass die Kunden wegbleiben, und ohne Kunden gibt's nun mal kein Geschäft.