Bekommen Fernbuslinien in Deutschland vor Gericht eine Chance? Busunternehmer Michael Svedek erklärt, warum die Bahn sich so heftig wehrt.
Bus oder Bahn? Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entscheidet, ob es eine Fernbuslinie zwischen Dortmund und Frankfurt geben darf. Darüber streiten sich die Busgesellschaft Deutsche Touring und die Bahn. Bis auf wenige Ausnahmen verbietet eine Vorschrift innerdeutschen Fernverkehr mit Bussen - und schützt somit das Geschäft der Deutsche Bahn.
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Momentan gibt es schon einige Fernbus-Linien in Deutschland. Nach dem Urteil könnten es noch mehr werden. (© Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer)
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Möglicherweise hat das Urteil weitreichende Konsequenzen: Wenn das Gericht die Buslinie erlaubt, könnte das den Weg für private Anbieter freimachen. Im Interview erklärt Michael Svedek, der bei der Deutschen Touring für das laufende Geschäft zuständig ist, warum das Urteil den Reiseverkehr in Deutschland verändern könnte.
SZ: Das Bundesverwaltungsgericht urteilt an diesem Donnerstag: Wird das Reisen in Deutschland revolutioniert?
Michael Svedek: Wenn wir recht bekommen, dann wird das Reisen zumindest auf einen Stand gebracht, den andere Ländern längst erreicht haben. England, Spanien, Taiwan, Polen - ganz egal, wo Sie hingehen: Fernreisen mit Bussen sind dort längst üblich. Nur in Deutschland geht vieles nicht. Von einer Revolution kann und will ich zwar nicht sprechen, aber es wird mehr Möglichkeiten und Auswahl geben.
SZ: Wie wird sich das Reiseverhalten verändern, wenn Busfernlinien zugelassen würden?
Svedek: Alle Studien zeigen, dass in diesem Fall nicht die Bahn verlieren würde, sondern eher der individuelle Personenverkehr. Es könnte also sein, dass es etwas entspannter auf den Straßen zugeht. Die Busse, die jetzt schon auf den Straßen fahren, fallen im Gegensatz zu den Lastwagen kaum auf. Wenn da noch ein paar Busse hinzukommen, wird das die Verkehrsdichte kaum merklich erhöhen.
SZ: Wieso kann die Bahn einem privaten Unternehmer wie Ihnen derart ins Geschäft reinreden?
Svedek: Das liegt am Personenbeförderungsgesetz von 1934, das damals zum Schutz der Reichsbahn geschaffen wurde. Diese konnte so ihre Strecken ausbauen und war vor der Konkurrenz geschützt. Dieses Gesetz gilt immer noch. Deswegen muss heute noch bei jedem neuen Streckenantrag bewiesen werden, dass es eine Verbesserung des Angebotes gibt. Da kann die Bahn natürlich immer dagegenhalten und sagen: "Wir fahren schon überall, da gibt es keine Verbesserung." Wir sagen jetzt: "Es ist auch schon eine Verbesserung, wenn man einen günstigeren Preis oder eine umsteigefreie Verbindung hat." Darum geht es vor Gericht.
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Armes Deutschland, dieses planwirtschaftliche Schandgesetz verhindert sinnvollen Einsatz von Resourcen. Sollte in Deutschland Demokratie stattfinden dann wuerde der Unfug schnellstens beendet. Ich lebe hier in Brasilien mit einem vollstaendig frei (von den landestypischen "Spenden" an Politiker mal abgesehen) wirtschaftenden Bussystem, ca. 50 Unternehmen im Wettbewerb miteinander. Die Busse sind komfortabel (Sitzkomfort wie im Flieger in der Business, bei einer der besseren Airlines) und machen ca. alle 3 Stunden einen Stop an einem Umsteigepunkt/Tankstelle/Rasthof. Fuer Langstrecken gibt es meist eine Nachtfahrt. Die Fahrplaene sind meistens auf das Umsteigen an diesen Punkten abgestimmt. Die Fahrpreise sind bescheiden und entsprechen fuer eine Person etwa den reinen Spritkosten eines Mittelklasse-PKW. Man kann das Ticket vorab kaufen und einen Sitzplatz reservieren (im Gegensatz zur Bahn 100% der Plaetze _in_ Fahrtrichtung) aber auch eine Sekunde vor Abfahrt hineinspringen und im Bus bezahlen. Und das beste ist der Platz fuer's Gepaeck, unten im Bus. Ich reise manchmal mit ziemlich viel Gepaeck, hier ein Kinderspiel. Ich hab' das auch mal in einem ICE versucht, schauder!
Versucht's doch mal mit gesundem Menschenverstand in Deutschland!
Teddiy schrieb: "Die Festkosten meines Wagens rechne ich mal nicht. 200 € Sprit. Die Bahn mit den 640 € kann da überhaupt nicht mithalten."
Klar, wenn man die Festkosten willkürlich weglässt, kann man sich alles schönrechnen. Kauf dir doch ne Bahncard 100, lass dann die Festkosten weg, und schon fährst du mit der Bahn gratis - so einfach, was? ;-)
Ein Auto hat auch Verschleiß, der mit jedem Kilometer anfällt, desweiteren hängt der Wiederverkaufswert vom Tachostand ab. Die Kilometerkosten liegen also weit über dem Benzinpreis. Und bei der Bahn gibt es fast immer ein Sonderangebot, ich habe für Amsterdam-Frankfurt selten über 50 Euro gezahlt.
So sehr ich die Konkurrenz durch Fernbusse begrüße (belebt das Geschäft): über eine entspannte Bahnfahrt geht doch nichts drüber.
Ich kenne Fernbusse aus vielen europäischen Ländern. Wer das Sitzen aushält, auch auf gewissen Komfort verzichten kann (schon Zeitung lesen ist in einem vollen Bus schlecht, Laptop etc. geht gar nicht) findet da immer gute Alternativen zur Bahn, klar.
Ich bin seit 25 Jahren viel getrampt, (beinah) überall hin. Da ist das Verhältnis von Aufwand und Nutzen meist auch okey.
Die Preise der Bahn sind mir zu unübersichtlich und im Vergleich zu Flugzeug oder Auto definitiv zu hoch. Aber nachdem es hier um Busreisen geht habe ich da mal nachgesehen und München/Berlin, mit Berlin Linien Bus, für €84 hin und zurück klingt doch recht günstig.
Nicht unbedingt die komfortabelste oder schnellste Art zu Reisen, aber mehr Konkurrenz wäre sicher angebracht.
Versteh ich Sie richtig: Die Bahn ist in einem so schlechten Zustand und nutzt dazu ihre Monopolstellung so übel aus, weil wir zu wenig Autobahnen haben ?
Ja, da begreife ich jetzt auch, was schief läuft in diesem Land.
Paging