"Am Rand liegengelassen": Ursula von der Leyen will alleinerziehende Mütter aus Hartz IV holen. Doch so einfach, wie die Ministerin glaubt, ist das nicht.
Wenn Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen über Arbeitslose redet, spricht die CDU-Politikerin am liebsten über Alleinerziehende. Diese Gruppe, so die Botschaft der Ministerin, sei bislang "am Rand liegengelassen" worden, obwohl die meist jungen Frauen besser qualifiziert seien als der durchschnittliche Langzeitarbeitslose. Die Jobcenter müssten deshalb mehr tun, um diese Gruppe der Hartz-IV-Empfänger zu vermitteln.
Mutter im Schlosspark von Ludwigsburg bei Stuttgart: Ungefähr 600.000 alleinerziehende Frauen sind auf Hartz IV angewiesen. (© Foto: AP)
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Wie das gehen soll, will von der Leyen am Mittwoch präsentieren. In der Bundesagentur für Arbeit (BA) verfolgt man die Äußerungen der Ministerin allerdings schon jetzt mit einem gewissen Befremden. Mancher hat dort sogar den Eindruck gewonnen, dass "Frau von der Leyen vergessen hat, dass sie nicht mehr Familienministerin ist".
Kinderbetreuung - eine Aufgabe der Kommunen
Ungefähr 600.000 alleinerziehende Frauen beziehen Hartz IV. Die meisten von ihnen stehen dem Arbeitsmarkt aber gar nicht zur Verfügung. Etwa jede vierte Alleinerziehende lebt mit mindestens einem Kind unter drei Jahren in einem Haushalt - diese Mütter müssen nicht arbeiten gehen. Ein Job ist für sie laut Gesetz nicht zumutbar. Das gilt zugleich für diejenigen mit älteren Kindern, sofern sie keine Betreuungseinrichtung haben.
Als nicht jobsuchend gilt auch, wer sich zum Beispiel weiterbildet. So bleiben 280.000 Hartz-IV-Empfängerinnen, die tatsächlich arbeitslos sind. Davon wiederum sind 41 Prozent schon länger als zwei Jahre ohne Stelle, obwohl nach den Erkenntnissen der BA - und anders als es die Ministerin zu wissen meint - die Qualifikation der arbeitslosen Alleinerziehenden "nicht nennenswert" von der aller Hartz-IV-Empfänger abweicht.
Ein Großteil dieser tatsächlich arbeitslosen Alleinerziehenden sind Verkäuferinnen, Putzfrauen oder Köchinnen - häufig mit unregelmäßigen Arbeitszeiten. Die Öffnungszeiten in den Kitas sind jedoch oft so begrenzt, dass die Frauen nicht wie von potentiellen Arbeitgebern gewünscht samstags, abends oder sehr früh am Morgen arbeiten können. Daran aber könne die Bundesagentur nichts ändern, sagt das Vorstandsmitglied der BA, Heinrich Alt. "Für die Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen sind die Kommunen zuständig." Und deren finanzielle Mittel sind begrenzt.
Begünstigt vom Sozialrecht
Alt weist deshalb darauf hin, dass die öffentliche Hand viel Geld mit Unterhaltsvorschüssen verliert. Alleinerziehende haben Anspruch auf Unterhalt. Doch viele Väter zahlen nicht, weil sie selbst nichts haben, sich arm rechnen oder untergetaucht sind. Bund, Länder und Kommunen strecken deshalb gut eine Milliarde Euro im Jahr an Unterhaltsvorschüssen vor, von denen die amtlichen Alimente-Jäger nur 15 bis 30 Prozent eintreiben können. "Vielleicht könnte man von anderen Ländern lernen, die zum Teil drastische Methoden einsetzen, um das Geld von den Vätern zurückzubekommen", sagt Alt. Damit ließen sich dann Kinderbetreuungsplätze finanzieren. Diskussionen über rabiatere Formen der Geldeintreibung - von der Parkkralle, dem Führerscheinentzug bis zum Unterhaltsregister für säumige Väter - gab es immer wieder. Durchsetzen lässt sich so etwas in Deutschland wohl kaum.
Hinzu kommt ein ganz anderes Problem: Der Anreiz für alleinerziehende Hartz-IV-Bezieher, eine Stelle anzunehmen, ist nicht immer hoch. Häufig ist es finanziell vorteilhafter, meist auf 400-Euro-Basis ein paar Stunden zu arbeiten: So ergänzt jede dritte dieser Hilfebedürftigen Hartz IV mit einem Erwerbseinkommen.
Außerdem werden sie vom Sozialrecht begünstigt: Diejenigen mit einem Kind unter sieben Jahren erhalten einen "Mehrbedarf" von 129 Euro zum Hartz-IV-Satz von 359 Euro. Beim Einführen dieser Regelung 1985 geschah dies unter anderem mit dem Hinweis, Alleinerziehende hätten "keine ausreichende Zeit zum Preisvergleich" und müssten "die nächstgelegene Einkaufsmöglichkeit nutzen". Von so viel staatlicher Fürsorge können Mütter mit einem richtigen Job wohl nur träumen.
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(SZ vom 20.04.2010/tob)
Demonstrationen in Hamburg
Viele Fälle von ALGII - Alleinerziehend könnten umgangen werden, wenn Deutschland endlich im Jahre 2010 sein Familienrecht anpasst.
Viele alleinerziehende Frauen nehmen bestimmte Optionen doch gar nicht war - mit Änderungen aus fam.rechtlicher Sicht, wäre es einfacher. Väter mehr Zeit zugestehen, gemeinsame Absprachen und vieles würde anders aussehen. Aber Deutschland gibt Müttern die Macht, beschimpft Väter als angebliche grundlose Nichtzahler. Falsch - ich erlebe es stetig udn immer wieder anders. Frau - schreibe bewusst nicht Mutter - könnte, wenn sie den Gedanken aufgibt, nur sie ist gut fürs Kind, mehr erreichen im Leben. Warum nach einer Trennung nicht dem Vater mehr Zeit mit dem Kind zugestehen, beide stimmen das Leben ab - was funktionieren kann, wenn Frau nicht stetig einen Besitzanspruch anmeldet. Ich will auch nichts mehr hören - kein Vater hat interesse an seinem Kind - falsch, viele haben es - nur geben aus Liebe zum Kind den Kampf auf.
Wie würde es sein, grundsätzlich allen Kindern ab Geburt beide Elternteile zu gleichen Teilen zu ermöglichen? Sprich - Mutter UND Vater haben die gemeinsame Sorge. Fangen Mütter an mit den gängigen Methoden der Entfremdung - knallhart auf die Finger hauen. Das Unterhaltsrecht grundsätzlich refomieren, könnte auch dem Staat einiges sparen.
Aber - diese Sachen, sind ja zu revolutionär, Deutschland müssen das Mutterallmachtsbild abgeben. Man sah es ja letztes Jahr im Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof - wie der Papa sein Recht bekam.
Achso - bin selber 3fache Mutter, meine beiden großen Kinder haben stetigen Kontakt zum Vater, leben teile bei ihm UND bei uns ist das nie ein Problem gewesen, weil ich als Mutter mich eben nicht vor den Vater gestellt habe - ich bin die ALlmacht. Vielleicht sollten viele darüber mal nachdenken.
Achso - bei den ganzen über die Alleinerziehenden - ein weitere Randgruppe, die ien viel größeres Problem hat wie alleinerziehende Frauen, wird wie immer vergessen ... die Zweitehefrauen
Als Akademikerin mit ehemals TVÖD 13 Einkommen in befristestem Vertrag bin ich durch die Tatsache alleinerziehend zu sein Hartz IV Bezieherin geworden. Hätte man mir von Anfang einen Kindergartenplatz für Kleinkind unter 3 Jahren geboten, hätte ich nunmehr schon seit 4 Jahren arbeiten können und mir selbst aus der Situation herausgeholfen. Die "Anschubfinanzierung" hätte Unmengen von Sozialleistungen gespart.
Jobs auf Honorarbasis können Alleinerziehende kaum annehmen, weil sie dann Bruttoverdienst auf ALG II angerechnet bekommen und die Steuern praktisch "draufzahlen".
Keine Mutter will sich in ALG II einrichten sondern arbeiten, für die Rente einzahlen und am normalen Arbeitsleben teilnehmen. Finden Sie mir einen sozialversicherungspflichtigen Job, der mit den Kindergarten-Zeiten und Schulzeiten vereinbar ist (wenn man die Wege allein bestreitet) und ich nehme ihn sofort!
Sie treffen den Nagel auf den Kopf.
Diese beide Problemfelder sind in Deutschland allgegenwärtig und kosten dem Staat ein Vermögen, werden aber weitestgehend totgeschwíegen.
Durch Mütter, die sich in ALG II einrichten und die unzähligen angebotenen geldwerten Vorteile genießen, und säumige Väter, die auf keinen Fall eine SV-pflichtige Beschäftigung annehmen
wollen/dürfen, gerät die Beteuerung der Ministerin "Die allergrößte Mehrheit der Leute tut alles, um aus Hartz IV herauszukommen..." zum Treppenwitz.
Wir sollten ruhig bei den Nachbarn in Dänemark oder den Niederlanden abkupfern und hier endlich mal aufräumen.
@ madhouse: "aber solange es noch für jedes Kind extra Kindergeld gibt, vermehren sich halt die "ganz besonders schlauen" :-) in unserem Land immer"
Wer hat Ihnen das erzählt?
Noch einmal, zum zigsten Mal: HartzIV-Empfänger - und die von Ihnen so despktierlich und vorurteilsbeladen Beschriebenen gehören ja wohl in diese Gruppe - kriegen im Endeffekt KEINEN Cent Kindergeld, da es ihnen sofort auf HartzIV angerechnet und wieder abgezogen wird.
Leider, leider hält sich die gegenteilige Behauptung zäh und unausrottbar, wie das halt mit Bildzeitungsmärchen so ist. Wie ich schon schrieb: Die Masse braucht ihre Sündenböcke, um nicht zu merken, dass sie selbst lang schon vor dem Eselskarren hertrottet.
... wann Frau von der Leyen gedenkt im Arbeitsministerium anzkommen?!
In Zeiten unserer vollflexibilisierten Arbeitswelt muss man (mindestens) zu zweit sein, um Kind und Beruf überhaupt unter einen Hut zu bringen.
Arbeitnehmer werden in zunehmendem Maße zu Leibeigenen, die Einkommensentwicklung ist nach wie vor negativ.
Die Konzentration auf Alleinerziehende (und diese Gruppe auch noch zu reduzieren auf die Mütter) löst kein einziges Problem in ihrem Ministerium.
Bin gespannt, ob und wann Frau von der Leyen merkt, dass man solche Probleme losgelöst von der Geschlechterfrage betrachten muss.
Der letzten Krise vielen fast ausschließlich Vollzeitjobs zum Opfer, und betroffen sind davon im wesentlichen Männer (auch Väter). Interessiert das irgendwen???
Sorgen Sie dafür Frau von der Leyen, dass die Leute genug verdienen, um Ihren Lebensunterhalt so zu bestreiten, dass man eine vernünftige Erziehungsarbeit leisten kann, dass die Jobs sicher genug sind, um sein Leben wieder planbarer zu machen und sorgen Sie dafür, dass Kinder in Bewerbungsverfahren kein Handycap mehr darstellen.
Ebenfalls ein völlig Geschlechter-unabhängiges Problem, denn in den Personalabteilungen ist mittlerweile bekannt, dass auch Väter Erziehungsarbeit leisten.
Paging