Unternehmer Warren Buffett Stepptanzend zur Arbeit

Die Kultur des Mittleren Westens: Warren Buffett ist immer wieder in seine Heimat Omaha (Nebraska) zurückgekehrt. Das war Teil seines Erfolgs.

(Foto: Larry W. Smith/dpa)

Warren Buffett feiert an diesem Wochenende seinen 85. Geburtstag. Für sein Unternehmen ist er immer noch unentbehrlich. Die Aktionäre dagegen treibt nur eine Frage um.

Von Nikolaus Piper

In vielen Familienbetrieben gilt es als Alarmzeichen, wenn der Chef mit 65 noch nicht an den Nachfolger übergeben hat. Bei Berkshire Hathaway in Omaha (Nebraska) gehen die Uhren anders. Dort feiert der Chef, der legendäre Warren Buffett, am Sonntag seinen 85. Geburtstag. Er denkt nicht ans Aufhören und niemand verlangt das von ihm, im Gegenteil: Die größte Sorge der Aktionäre von Berkshire Hathaway besteht darin, dass Buffett plötzlich nicht mehr da sein könnte.

Zwar gibt es mit Charlie Munger einen Stellvertreter, der wesentlich zum Erfolg Buffetts beigetragen hat, aber der ist 91. Buffett versichert jedenfalls, er gehe jeden Morgen "stepptanzend" zur Arbeit, voller Vergnügen. Mehr noch: Buffett baut gerade jetzt die Firma nochmals um.

Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise prägten ihn

Geboren wurde Warren Buffett am 30. August 1930 in Omaha. Seinen Vater, den Börsenhändler und Kongressabgeordneten Howard Buffett, bewunderte er, unter seiner Mutter Leila, einer schwierigen, vermutlich seelisch kranken Frau, litt er. Die Nachwirkungen der Weltwirtschaftskrise prägten ihn. Beeinflusst von dem Börsentheoretiker Benjamin Graham gründete er eine kleine Anlagegesellschaft namens Buffett Partnership Ltd. (BPL). Der junge Investor hielt sich an die von Graham entwickelte "Fundamentalanalyse". Graham fragte vor einem Aktienkauf: Was wäre das Vermögen eines Unternehmens - Immobilien, Anlagen, Beteiligungen - wert, wenn die Firma "tot" wäre, also kein eigenes Geschäft mehr betreiben würde? Lag dieser "intrinsische" Wert deutlich über dem Kurs der Aktie, dann sollte man kaufen.

Mit diesen Theorien im Hinterkopf stieg Buffet 1964 bei Berkshire Hathaway ein, einem maroden Textilunternehmen aus Neuengland. Das war zwar billig, aber das Geschäft wurde immer schlechter, was Buffett beinahe überforderte. "Ich war der Hund, der ein Auto erlegt hatte", schrieb er rückblickend. Schließlich schloss er die Produktion und machte Berkshire zur Hülle für eine neue Finanzholding, es war der Beginn der eigentlichen Buffett-Saga.

Einstieg bei Geico

Noch wichtiger als Berkshire selbst war dabei der Einstieg bei einem anderen Unternehmen: Geico (für Government Employee's Insurance Company), heute eine der größten Autoversicherungen der USA. Damit war ein wichtiger Teil der Strategie Buffetts vorgezeichnet, der in der Öffentlichkeit meist vernachlässigt wird. Viel ist die Rede von den populären Firmen, an denen Buffett beteiligt ist - Coca Cola, IBM, American Express, oder die Bank Wells Fargo. Im Kern jedoch ist Berkshire als Versicherungsunternehmen groß geworden.

Neben Geico gehören Buffett die Rückversicherung General Re und BH Reinsurance. An Munich Re aus München ist er mit 11,8 beteiligt. Schadens- und Rückversicherungen haben aus Sicht eines Investors einen großen Vorteil: Für den Fall, dass etwas passiert, müssen sie große Reserven vorhalten - "Geld, das uns nicht gehört, mit dem wir aber arbeiten können", wie Buffett immer wieder sagt. Dabei kommt es darauf an, auch für Extremfälle liquide zu bleiben und trotzdem gute Renditen zu erzielen. Darin entwickelte Buffett eine Meisterschaft. Die Schadensreserven Berkshires stiegen von 39 Millionen Dollar (1970) auf 83,9 Milliarden (2014).