Unternehmen der Kirchen Mit gutem Glauben wirtschaften

Zusammen sind sie Deutschlands zweitgrößter Arbeitgeber: die evangelische und die katholische Kirche. Unternehmen mit Milliardenumsätzen befinden sich in frommen Händen. Dazu zählen die Verlagsgruppe Weltbild, die nun verkauft werden soll, Lebensmittelhersteller, Filmproduzenten oder Finanzinstitute.

Von Caspar Busse, Sophie Crocoll und Stefan Mayr

Die Verlagsgruppe Weltbild ist nicht das einzige kommerzielle Unternehmen in Deutschland, das sich komplett in Händen der katholischen Kirche befindet. Doch keines polarisiert die Gläubigen derart wie das Verlagshaus aus dem Nordosten Augsburgs. In kommerzieller Hinsicht ist Weltbild überaus erfolgreich, das Unternehmen macht seit Jahren Millionen-Gewinne. Andererseits ist es vor allem in den konservativen Kreisen der katholischen Kirche sehr umstritten.

Die Verlagsgruppe Weltbild soll verkauft werden.

(Foto: dapd)

Hauptkritikpunkt ist, dass der Konzern auch erotische, okkultistische oder esoterische Inhalte vertreibt. Nun haben die deutschen Bischöfe offenbar endgültig ihre Geduld verloren. Ein Weltbild zerbricht - sie wollen das Unternehmen wieder einmal verkaufen. Diesmal scheinen sie entschlossener zu sein als 2008 und 2009. Damals bliesen sie ihre Pläne ab, weil in der Finanzkrise kein zufriedenstellender Preis zu erzielen war.

In den vergangenen drei Jahren erwirtschaftete das Unternehmen dem Bilanzbericht zufolge einen Gewinn von zusammen gerechnet mehr als 126 Millionen Euro. Dabei wurden drei Millionen Euro an die Gesellschafter ausgeschüttet - einige Kritiker bezeichnen diesen Betrag als viel zu gering. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte zuletzt vehement den Verkauf des Weltbild-Verlages gefordert.

Dabei stellte er aber auch kirchliche Unternehmens-Beteiligungen generell zur Diskussion: "Unabhängig von der moralischen Qualität" mancher Produkte dürften Bischöfe "nicht einen Konzern unterhalten, mit 6000 Mitarbeitern, mit Milliarden-Umsätzen". Andererseits äußerte er ein Verständnis für die Geschäftspolitik des Verlages: "Die können doch jetzt nicht ganze Sparten, die wahrscheinlich besonders gehen, rausnehmen." Ein derartiger Konzern könne wohl nur existieren, wenn er expandiere.

Weniger differenziert argumentierten die erzkonservativen Weltbild-Gegner in einschlägigen Medien; sie versuchten die Diskussion auszunutzen, um missliebige Personen im Aufsichtsrat namentlich zu kritisieren. Die derartige Berichterstattung "in Medien, die der Kirche nahestehen", kritisierten die Bischöfe in ihrer Stellungnahme als "verzerrend und unangemessen".

Sozialtarifvertrag soll Weltbild-Mitarbeiter absichern

Weltbild-Chef Carel Halff, seit 1975 im Unternehmen, nahm die Entscheidung der Gesellschafter "mit Demut und Dankbarkeit" zur Kenntnis: "Wir bedauern zutiefst, dass durch einzelne Internetangebote, mögen sie wirtschaftlich noch so unbedeutend gewesen sein, die Glaubwürdigkeit der Gesellschafter und des Unternehmens gelitten hat." Vor sechs Wochen noch hatte Halff beteuert: "Ein Verkauf ist im Moment kein Thema."

Die große Frage ist nun, ob und wann der Verlag tatsächlich einen Käufer findet. Bei einer Informationsveranstaltung für die Führungskräfte sprach Geschäftsführer Halff von einem Zeitraum zwischen einem und zwei Jahren. Der Betriebsratsvorsitzende Peter Fitz forderte dabei einen Sozialtarifvertrag, um die Mitarbeiter abzusichern. "Doch das stößt auf Ablehnung bei der Geschäftsleitung und wohl auch bei den Gesellschaftern", kritisierte Fitz.

Die Kirche ist nie nur eine geistige, sondern immer auch eine wirtschaftliche Macht gewesen. Heute beschäftigen die evangelische und die katholische Kirche etwa 1,2 Millionen Arbeitnehmer - sie sind damit der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland nach dem öffentlichen Dienst. Der überwiegende Teil der Beschäftigten arbeitet bei Caritas und Diakonie, besonders in der Pflege, in Krankenhäusern und als Erzieher.

Die wichtigste Einnahmequelle der Kirche ist die Kirchensteuer, die evangelische Kirche erhielt 2010 fast 4,3 Milliarden Euro, die katholische Kirche 4,8 Milliarden Euro. Zudem verfügt die Kirche noch immer über einen beachtlichen Besitz: Allein 60.000 denkmalgeschützte Immobilien gehören der katholischen Kirche, nicht denkmalgeschützte Häuser werden nicht zentral erfasst. Die evangelische Kirche besitzt insgesamt etwa 75.000 Gebäude, davon sind 21.000 Kirchen und Kapellen. Sie veröffentlicht auch ihren Grundbesitz: 325.000 Hektar.

Kirchliche und klösterliche Eigentümer betätigen sich auch als Unternehmer: Sie führen Krankenhäuser, Behindertenheime und Sozialstationen, dazu Banken und Versicherungen. Auch viele andere Firmen sind in kirchlichem Besitz: Als Reaktion auf die Finanzkrise gründete die Diözese Rottenburg-Stuttgart die Unternehmensberatung Kirche und Wirtschaft Aktiengesellschaft (Kiwi AG). Das Bayerische Pilgerbüro, von den sieben bayerischen Bistümern und dem Bistum Speyer gegründet, bietet Wallfahrten etwa nach Lourdes, Rom oder Israel an, aber beispielsweise Nil-Kreuzfahrten. Außerdem führt die Kirche Verlage, Getränkehersteller, Filmproduzenten.