Von H. Schwarz

Der Börsenwert der teuersten Konzerne ist im letzten Jahr dramatisch gesunken. Dennoch konnten gerade deutsche Unternehmen an Bedeutung gewinnen.

Die globale Finanzkrise und der Absturz der Aktienkurse hat die Sichtweisen an den Weltbörsen spürbar verändert. Vor einem Jahr sei es in den Diskussionen am Kapitalmarkt noch um Zukunftsvisionen gegangen, berichtet Hendrik Hollweg, Vorstandsmitglied der Prüf- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

"Deutschlands Gewicht an den Weltbörsen ist weiter gestiegen", sagt die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (© Foto: dpa)

Anzeige

Gesucht worden sei etwa nach Antworten auf die Verknappung und Verteuerung der Rohstoffe, auf die globale Klimaerwärmung und das wirtschaftliche Erstarken der Schwellenländer. Zwölf Monate später stellten sich, so Hollweg, die Akteure an den Börsen hingegen vergleichsweise einfache Fragen. Sie lauten: "Wen trifft die Krise am härtesten? Und: Wer überlebt die Krise." Auch Unternehmen fragen sich dies. Sie bangen um ihre Lieferanten und Kunden, also die Abnehmer ihrer Waren.

Vergleichsweise wertvoll

Deutsche Firmen scheinen allerdings relativ gut aufgestellt zu sein. Zwar konnten sie sich dem Debakel an den Börsen nicht entziehen und erlebten auch einen erheblichen Wertverlust. Doch ihre Bedeutung an den Weltbörsen konnten sie trotz Finanzkrise und Crash der Aktienkurse ausbauen. "Deutschlands Gewicht an den Weltbörsen ist weiter gestiegen", betont Ernst & Young in einer Analyse zur Marktkapitalisierung der höchstbewerteten Unternehmen weltweit. Die Marktkapitalisierung spiegelt dabei den Börsenwert der Firmen wider.

In der Hitliste der 100 teuersten Konzerne sind zum Stichtag 31. Dezember 2008 immerhin acht deutsche Firmen vertreten. Zwölf Monate zuvor waren es sieben Unternehmen aus der Bundesrepublik; und Ende 2006 sogar nur vier. Im Länder-Ranking konnte sich Deutschland damit vom vierten auf den zweiten Platz hinter den Vereinigten Staaten vorschieben. Es folgen Frankreich, China, Großbritannien und Japan.

Allerdings hat sich die Dominanz der US-Unternehmen weiter verstärkt. In den Top-Zehn finden sich sieben Firmen aus den Vereinigten Staaten und drei aus China. Europa ist in dieser Hitliste nicht mehr vertreten.

Manager Hollweg von Ernst & Young sagt dazu: "Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die aktuelle Krise, die in den USA ihren Ursprung hat, nun zu einem Bedeutungsgewinn der US-Wirtschaft an den internationalen Börsen führt." So ist die Zahl der US-Firmen im Top-100-Ranking binnen Jahresfrist um elf auf 43 gestiegen. Europa ist nur noch mit 38 Konzernen vertreten. Vor zwölf Monaten waren es noch 46.

Die Übernahmepläne des Stuttgarter Sportwagenherstellers Porsche haben den Wolfsburger Autokonzern Volkswagen zum teuersten deutschen Unternehmen gemacht. VW konnte sich im vergangenen Jahr in der Liste der Top-100 von Rang 94 auf Platz 26 verbessern und hat zugleich beim Börsenwert um 27 Milliarden Dollar zugelegt. Während Daimler mittlerweile nicht mehr zu den 100 teuersten Unternehmen der Welt zählt, konnten sich der Pharmakonzern Bayer und der Softwarehersteller SAP neu in dem Ranking platzieren.

Der Wert der 100 teuersten Konzerne schrumpfte im zurückliegenden Jahr um 42 Prozent auf 9,3 Billionen Dollar. Zu einem großen Teil ist das Minus auf den Niedergang der Finanzbranche zurückzuführen. Kreditinstitute allein büßten 2,2 Billionen Dollar an Wert ein und kamen auf nur noch 1,4 Billionen Dollar.

Rohstoffunternehmen verlieren

Hollweg glaubt, dass diese Schwäche der Finanzdienstleister nicht dauerhaft sein wird. Er sagt voraus: "Sobald die aktuellen Unsicherheiten hinsichtlich des Abschreibungsbedarfs und der operativen Situation der Banken überwunden sind, werden wir wieder eine deutlich steigende Bedeutung des Finanzsektors sehen." Überdurchschnittlich an Gewicht verloren haben zuletzt neben den Banken auch Rohstoffunternehmen.

Dagegen sind Konsumgüterfirmen verstärkt ins Blickfeld an den Weltbörsen gerückt. Es wird erwartet, dass sie weniger unter der Krise leiden werden. Zu ihnen gehören beispielsweise Pharma-, Kosmetik- und Lebensmittelhersteller.

Leser empfehlen 

(SZ vom 07.01.2009/hgn)