Unseriöser Werbemethoden Nciht zeitgemäß - aber effektiv

Die Suche nach den Adressenlieferanten führte zunächst in die idyllischen Weinberge bei Burg Layen an der Nahe, zu Jochen Acker. Er ist Geschäftsführer der Reichsgraf von Plettenberg GmbH, einer Tochterfirma des weltweit größten Wein-Direktvertriebs WIV Wein International AG. Die umstrittene Werbung sei zwar "nicht mehr ganz zeitgemäß", gibt Acker zu. Aber effektiv. Seine Weinberater haben im vergangenen Jahr immerhin 1,7 Millionen Flaschen verkauft.

Traumquote von sechs Prozent

Um neue Kunden zu ködern, ließ Acker 350.000 Gewinnmitteilungen verschicken. 94 Prozent der Empfänger beförderten die getarnte Werbepost zwar gleich in den Papierkorb, aber rund 21.000 haben geantwortet und ihren "Gewinn" angefordert. Eine Rücklaufquote von sechs Prozent. Davon können die Versender "normaler" Werbepost nur träumen. Meist reagieren nur ein bis zwei Prozent der Verbraucher auf die Schreiben.

Solche Briefe erreichen auch Menschen, die auf ihren Briefkasten "Bitte keine Werbung" schreiben. Etwa fünf persönlich adressierte Werbebriefe stecken pro Woche in jedem der rund 40 Millionen deutschen Haushaltsbriefkästen. Das summierte sich vergangenes Jahr auf insgesamt 10,7 Milliarden Briefe, weiß die Deutsche Post AG, die maßgeblich von dieser im Branchenslang "Dialogmarketing" genannten Werbepost profitiert. Allerdings haben sich bereits 700.000 Menschen aus diesem "Dialog" ausgeklinkt und ihre Anschrift auf der "Robinsonliste" des Deutschen Dialogmarketing Verbandes eintragen lassen, weil sie absolut keine Werbung erhalten wollen.

Der Weinhändler erwarb die Adresse bei einer Firma im westfälischen Gütersloh. Die AZ Direct GmbH gehört zum Imperium der Bertelsmann AG und spielt in der ersten Liga internationaler Datenhändler: 37 Millionen "qualitätsgeprüfte Privatadressen" hat das Unternehmen im Angebot. Zum Beispiel jene von 7700 Haushalten in München, die Marktforscher dem Wohngebietstyp "Kleinbürger" zuordnen. Diese fahren Autos der Golf- oder Mittelklasse, schauen gerne Privatfernsehen und kaufen am liebsten im Versandhandel. 14 Cent kostet eine solche Anschrift.

Günstiger gehandelt wurde wohl die Adresse, die Graf von Plettenberg gekauft hat. Sie stammt aus der bundesweiten "Haushaltsdatei", teilt Elisabeth Hanschmidt von der firmeninternen Datenschutzabteilung per Formschreiben mit. Diese Daten werden "mit Hilfe von Adresslieferanten zusammengestellt." Im aktuellen Fall war dies eine Firma in Straelen.