Von Thorsten Riedl

Der deutsche Webdienstleister United Internet erweitert seine Infrastruktur in den Vereinigten Staaten - und will so monatlich bis zu 15.000 Neukunden gewinnen.

Der Internetdienstleister United Internet stärkt durch den Ausbau seiner technischen Infrastruktur das Geschäft in den Vereinigten Staaten. "In diesem Jahr werden wir vor allem in den USA unser Netz erweitern. Der Datenverkehr dort ist sehr stark gestiegen", sagte Andreas Gauger, Vorstandssprecher der United Internet-Tochter 1&1, im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Seit vier Jahren ist das Unternehmen in den Vereinigten Staaten präsent und dort inzwischen nach eigenen Angaben die Nummer fünf. Die Erweiterung des Datennetzes soll die Basis für das weitere Wachstum bilden im Webhosting, einem Geschäftsbereich von United Internet, der gemeinhin unterschätzt wird.

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Die Nummer zwei im deutschen DSL-Geschäft will Richtung USA wachsen. (© Foto: United Internet-Hompage, screenshot: sueddeutsche.de)

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Beim Webhosting stellt ein Anbieter auf Netzrechnern - im Jargon der Branche als Server bekannt - Speicherplatz und Verbindungskapazitäten zum Internet bereit. Der Inhalt einer jeden Webseite lagert irgendwo auf der Welt auf einem solchen Server und wird von den Internetsurfern über schnelle Datenleitungen abgefragt - 24 Stunden am Tag. United Internet betreibt alleine in Deutschland mehr als 40.000 solcher Netzrechner. In den USA hat das Unternehmen vor zwei Jahren in Kansas City ein Rechenzentrum mit einer Kapazität in derselben Größenordnung gebaut, das im Moment etwa zu einem Fünftel ausgelastet sei, erklärt Jörg Hennig, Leiter der Rechenzentren bei 1&1 und verantwortlich für alle Infrastrukturfragen bei dem Unternehmen mit Sitz in Montabaur.

Das eigene Netz als grundlegende Struktur

Der Internetdienstleister erhöht nun das Tempo im US-Netz auf 120 Gigabit pro Sekunde und hat eine Leitung direkt zu einem Austauschknoten in Chicago gelegt, über den ein Teil des Internetverkehrs in Nordamerika fließt. "Für uns ist das eigene Netz eine grundlegende Struktur, über die wir unsere Dienste verkaufen", erklärt Geiger. "Es gibt viele Anbieter, denen das Wissen fehlt, Leitungen selbst zu betreiben." Die Konkurrenz lagert solche Bereiche oft an Telefongesellschaften oder IT-Dienstleister aus. "Wir holen das Gewinnstreben eines Vorlieferanten ins eigene Haus." Das bildet die Basis für ein hochrentables Geschäft: Marcus Sander, Analyst bei Sal. Oppenheim, prognostiziert zwar, dass 51 Prozent des Umsatzes, der 2007 seiner Berechnung zufolge bei rund 1,5 Milliarden Euro gelegen hat, aus dem DSL-Geschäft kommt. Den Gewinn ohne Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von schätzungsweise 281,3 Millionen Euro jedoch erwirtschaftet zu fast der Hälfte der Webhosting-Bereich. "Das Hosting-Geschäft wird unterschätzt. Viele nehmen United Internet nur als DSL-Anbieter wahr", sagt Sander.

Das Geld aus dem Hosting-Bereich verwendet United Internet teils zur Stärkung der Position im DSL-Bereich. Hier spielt das Unternehmen gerade eine aktive Rolle bei der Konsolidierung des deutschen Marktes. Unternehmenschef Ralph Dommermuth hat in der vergangenen Woche die Beteiligung am Rivalen Versatel auf eine Sperrminorität von 25 Prozent aufgestockt. Ohne das Plazet von Dommermuth geht nun nichts mehr bei der Düsseldorfer Firma, die als Übernahmekandidat gilt. Hinter der Deutschen Telekom ist United Internet die Nummer zwei im deutschen DSL-Markt.

Multimedia gefragt

Die Zukunft für das weitere Wachstum im Hosting-Bereich liegt außerhalb von Deutschland. "United Internet wird hierzulande noch neue Verträge abschließen können, aber das Wachstum des Umsatzes bleibt verhalten", sagt Jochen Reichert, Analyst bei SES Research. Im Heimatmarkt ist das Unternehmen mit mehr als 1,7 Millionen Kunden vor Strato aus Berlin, einem Geschäftsbereich von Freenet, die Nummer eins. In Großbritannien führt United Internet den Markt ebenso. Vor vier Jahren startete der Webdienstleister neben den USA auch in Frankreich und Österreich. Im vergangenen Jahr folgte der Markteintritt in Spanien. Vor allem auf den Vereinigten Staaten ruht die Hoffnung: Pro Monat unterschreiben dort zwischen 10.000 und 15.000 Neukunden einen Vertrag mit der US-Tochter von United Internet, sagt Geiger. "Im vergangenen Jahr haben wir in den USA 150.000 neue Kundenverträge gemacht." Zum Jahresende hatte das Unternehmen dort 650.000 Kunden.

Die zunehmende Nachfrage der Internetsurfer nach Fotos, Videos und Musik macht den Ausbau der Kapazitäten für das Webhosting unabdingbar. "Einfache Webseiten müssen von unseren Netzrechnern so reibungslos abgerufen werden können wie Filme", erklärt Hennig. Dabei würden Amerikaner schon stärker als hiesige Surfer Multimedia-Dateien nutzen. Der aktuelle Ausbau der Infrastruktur schlägt mit rund vier Millionen Euro zu Buche, sagt Geiger. Analysten kritisieren, dass die Ausweitung des profitablen Hostinggeschäftes so langsam vonstatten geht. So sei schon vor einem Jahr die Rede vom Markteintritt in Asien gewesen, heißt es, bis heute aber sei nichts passiert. Der 1&1-Vorstandssprecher beruhigt die Kritiker: "Es kann im laufenden Jahr noch etwas passieren im Hinblick auf die Internationalisierung."

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(SZ vom 21.01.2008/ang)