Interview: Tobias Dorfer

Unicredit-Stratege Gerhard Schwarz über einen drohenden Abschwung, die Probleme der Realwirtschaft und die Zukunft der Aktie.

Gerhard Schwarz ist Leiter der Abteilung Aktienstrategie bei der Unicredit-Bank in München. Im Gespräch mit sueddeutsche.de erklärt er die jüngsten Kursverluste an den Weltbörsen und erläutert, warum die Realwirtschaft stärker von der Finanzkrise betroffen ist, als viele vermuten.

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Händler an der New Yorker Wall Street: Die Börse reagiert auf die schlechten Vorgaben. (© Foto: AFP)

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sueddeutsche.de: Herr Schwarz, nach dem Kursfeuerwerk zu Beginn der Woche kehrte schnell wieder traurige Realität an den Weltbörsen ein und die Kurse schwankten nervös auf und ab. Warum ist die Euphorie nach den Rettungspaketen so schnell verpufft?

Gerhard Schwarz: Weil immer deutlicher wird, dass wir nicht nur an einer Bankenkrise oder einer Vertrauenskrise leiden. Die Finanzkrise ist längst in der Realwirtschaft angekommen. Und darauf reagiert die Börse.

sueddeutsche.de: In den USA ist bereits von einer Rezession die Rede und auch die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose auf 0,2 Prozent gekürzt. Wird der Abschwung langsam greifbar?

Schwarz: Genau das nehmen die Anleger voll Sorge wahr. In diesen schwierigen Zeiten werden die Börsen stark von Impulsen getrieben und die Vorzeichen sind schlecht. Die Aussicht auf eine globale Rezession ist aber nur ein Aspekt. In den kommenden Wochen werden viele Unternehmen ihre Zahlen veröffentlichen. Da steht uns möglicherweise noch einiges bevor. Wir stecken bereits in einem Abschwung.

sueddeutsche.de: Wie lange wird diese Rezession anhalten?

Schwarz: Alle Indikatoren, die uns vorliegen, sagen, dass wir mindestens bis Mitte 2009 mit einer schwachen Konjunktur rechnen müssen.

sueddeutsche.de: Wie kommen wir aus diesem Negativkreislauf heraus?

Schwarz: In jeder Krise kommen Faktoren zusammen, die sich gegenseitig hochschaukeln. Meistens reicht es dann, die Situation mit einer guten Fiskal- und Geldpolitik zu beruhigen. Jetzt genügt das allerdings nicht mehr. Wir brauchen unorthodoxe Mittel.

sueddeutsche.de: Welche?

Schwarz: Das können Bankgarantien sein oder Rekapitalisierungsmaßnahmen. Viele Unternehmen haben noch vor drei Monaten gesagt, sie spüren wenig von einem Abschwung. Das hat sich inzwischen geändert.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum die Realwirtschaft stärker als gedacht unter den Folgen der Finanzkrise leidet - und ob Anleger überhaupt noch in Aktien investieren sollten.

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