Umweltverschmutzung in Textilbranche "Es muss transparenter werden"

Greenpeace hat seine Resultate vor Veröffentlichung den beanstandeten Markenhersteller präsentiert. Nur zwei haben den Angaben zufolge reagiert. Die Sportartikelhersteller Puma und Nike erklärten sich bereit, bis 2020 auf alle gefährlichen Chemikalien in der Produktion zu verzichten und die gesamte Lieferkette zu kontrollieren. Auch Adidas weiß um die Belastung mit Chemikalien, will sich aber nicht auf eine Jahreszahl festlegen.

Dreck im Stoff

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Einer allein könne das Problem nicht lösen, weil Substanzen wie NPE weit verbreitet seien und die Industrie mit vielen Lieferanten kooperiere, sagt eine Adidas-Sprecherin der Süddeutschen Zeitung: "Wir setzen mehrere hundert Substanzen ein." Es gäbe seit längerem Gespräche mit Vertretern der gesamten Industrie. Noch habe Adidas keine Informationen von Greenpeace, auf welchen Teilen der Produkte genau NPE nachgewiesen worden sei. "Logos, Streifen oder Garne kommen von verschiedenen Lieferanten", so die Firmensprecherin.

Adidas führe seit 1998 eine Liste verbotenen Substanzen, erklärt sie weiter. Die jüngste Fassung stammt vom Herbst 2010. Dort taucht auch NPE auf. Der Einsatz der Substanz sei zumindest reglementiert. Da es in Europa nur für Produktionsprozesse, aber nicht für Produkte einen gesetzlichen Schwellenwert gebe, habe Adidas sich selbst eine Grenze gesetzt - die liege bei 100 Parts per Million (ppm). Das bedeutet: In einer Million Teile dürfen höchstens 100 Teile NPE vorkommen. "Nach unserem Kenntnisstand liegt die von Greenpeace nachgewiesene Belastung sehr deutlich unter diesem Wert", so die Sprecherin. Der von der EU für den Produktionsprozess festgesetzt Wert liegt bei 1000 ppm.

Auch der Schmidt-Gruppe, dem deutschen Lizenznehmer der italienischen Modemarke Kappa, sind die Studien bekannt. Auf Basis des Qualitätssiegels Oeko-Tex Standard 100 sei vor mehreren Jahren eine Qualitätsrichtlinie entwickelt worden, sagt Marketingchef Tobias Blick. Die Vorgaben seien für alle Lieferanten der Kappa Deutschland GmbH bindend. "Mit Lieferanten, die diese Auflagen nicht erfüllen, arbeiten wir nicht zusammen."

Unter dem Namen Kappa, offizieller Ausrüster von Borussia Dortmund, entwickelt der Mittelständler eigene Kollektionen, die unter anderem in China entstehen. Die Ware werde sowohl vor Ort getestet als auch von unabhängigen Laboren in Deutschland wie dem SGS Institut Fresenius, sagt Blick. Insbesondere bei Sportmode gebe es aber einen Graumarkt. Blick schließt nicht aus, dass die von Greenpeace monierten Produkte so auf den Markt kämen.

Dreist findet Greenpeace-Experte Santen, dass einige der beanstandeten Markenhersteller mit ihrer vermeintlichen Umweltfreundlichkeit werben. So heißt es etwa im Nachhaltigkeitsbericht der schwedischen Kette H&M: "Wir wenden das Vorsorgeprinzip in unserer Umweltarbeit an und haben einen präventiven Ansatz mit der Substitution gefährlicher Chemikalien übernommen." Was genau gemeint ist, bleibt unklar. Die Realität sieht anders aus. Die Regeln für die Verwendung von Chemikalien seien "lückenhaft", beklagt Santen. "Die Labels können nicht verhindern, dass die von ihnen beauftragten Fabriken gefährliche Chemikalien einsetzen."

Genau das muss sich seiner Ansicht nach ändern. "Markeninhaber sind für die gesamte Produktionskette verantwortlich und müssen dafür sorgen, dass keine gefährlichen Chemikalien die Gewässer verschmutzen. Dafür muss die Zulieferkette transparent werden."