Umweltschutz in Asien Plötzlich Vorbild

Solarenergie hat das Leben der Menschen im Dorf Meerwada in Indien völlig verändert: Die Sonne am Tag sichert gute Beleuchtung am Abend.

(Foto: Adnan Abid/Reuters)

China und Indien sind dank Windkraft und Solarenergie auf dem besten Wege, ihre Klimaschutzziele zu erreichen, zeigt ein Bericht. Trumps Amerika bleibt zurück.

Von Marlene Weiss

China und Indien sind beim Ausbau erneuerbarer Energien auf einem guten Weg, ihre Ziele für das Jahr 2030 zu erreichen - in den USA dagegen ist die Lage unübersichtlich. Das geht aus einer Analyse hervor, die eine Forschungseinheit des Allianz-Konzerns, die Allianz Climate Solutions, gemeinsam mit dem deutschen New Climate Institute und der Umweltorganisation Germanwatch am Donnerstag veröffentlicht haben.

Wenn die globale Erwärmung - wie 2015 bei der Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Paris vereinbart - deutlich unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter bleiben soll, muss es gelingen, Strom bis Mitte dieses Jahrhunderts weitgehend emissionsfrei zu erzeugen. Um das zu schaffen, sind enorme Investitionen in erneuerbare Energien nötig. Entscheidend für die weitere Entwicklung sind vor allem China, Indien und die USA, auf die mehr als 50 Prozent der globalen Emissionen entfallen. Zumindest in China und Indien, wo zusammen mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, sieht es dem Bericht zufolge nicht so schlecht aus.

In China etwa sind die Neu-Investitionen in erneuerbare Energien zuletzt zwar auf 78 Milliarden Dollar eingebrochen, nötig wären einer Schätzung des Allianz-Konzerns zufolge etwa 200 Milliarden Dollar jährlich. Insgesamt verlaufe der Ausbau aber zügig, daher bekommt das Land gute Noten: Die Politik sei angemessen und zuverlässig, was den Ausbau erneuerbarer Energien angeht. Von 2015 bis 2016 stieg die Strommenge in China, die mit Windkraft erzeugt wurde, um 30 Prozent. Solarstrom legte sogar um 72 Prozent zu. Der Kohleverbrauch ging dagegen das dritte Jahr in Folge zurück. China hat im Rahmen des Paris-Abkommens zugesagt, bis 2030 mindestens 20 Prozent der Energie mit erneuerbaren Quellen zu erzeugen, von 2030 an sollen die CO₂-Emissionen des Landes sinken. Diese Zusagen werde China leicht erfüllen können, heißt es in der Studie. Möglicherweise sinken die Emissionen schon früher.

Auch für Indien, das Klimaschützern wegen des starken Zubaus von Kohlekraftwerken lange Sorgen machte, sind die Autoren der Studie optimistisch. Inzwischen würden die Pläne für neue Kohlekraftwerke überprüft, womöglich baue Indien schon von 2022 an keine weiteren. Gemäß Indiens Zusage in Paris sollen 2030 etwa 40 Prozent der Kapazität zur Stromerzeugung auf Erneuerbare entfallen. Das sollte das Land dem Bericht zufolge schaffen. Offenbar plant Indien inzwischen sogar, deutlich früher deutlich mehr zu erreichen. "Indien hat mich überrascht", sagt Jan Burck von Germanwatch, einer der Autoren. "Natürlich gibt es noch viele Fragezeichen, aber insgesamt sind die Signale sehr positiv."

Amerika hingegen schneidet in dem Report vergleichsweise schlecht ab. "Die USA haben in den vergangenen Jahren stark auf Erdgas gesetzt. Das ist besser als Kohle, aber im Vergleich zu Erneuerbaren sind die Emissionen immer noch zu hoch", sagt Burck. Der Bericht moniert, dass aus Washington wenig Unterstützung für erneuerbare Energie komme; lobend erwähnt werden nur die Bemühungen einzelner Staaten wie Kalifornien und Texas. Insgesamt halten die Autoren die Klimapolitik der USA weder für angemessen noch für zuverlässig. Sollte Präsident Donald Trump tatsächlich damit durchkommen, den "Clean Power Plan" seines Vorgängers Barack Obama zu beenden, sei auch das Erreichen des amerikanischen Ziels aus dem Paris-Abkommen gefährdet. Eigentlich wollten die USA bis 2025 etwa 26 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als noch 2005.

Doch selbst wenn alle Paris-Zusagen erreicht werden, reichen sie nicht aus, um die Erwärmung wie vereinbart deutlich unter zwei Grad zu halten. Eher dürften sie auf einen Temperaturanstieg von gut drei Grad hinführen. Aber die Ziele von Indien, China und den USA seien ungefähr vergleichbar, sagt Jan Burck. Wenn also unter den drei Nationen allein die USA ihr Ziel verfehlen, könnte man das wohl als besonderes Versagen deuten.

Fossile Quellen sind viel teurer als erneuerbare: Umweltschutz wird ökonomisch vernünftig

Die düstere Einschätzung für Trumps Amerika teilen jedoch nicht alle. "Es stimmt, dass man in den USA vor allem auf die Staaten-Ebene schauen muss, und da sind die politischen Bedingungen sehr unterschiedlich", sagt Markus Steigenberger vom Thinktank Agora Energiewende, der nicht an der Studie beteiligt war. "Aber die wirtschaftlichen Fakten sind dort mittelfristig ganz klar." Er rechne fest damit, dass erneuerbare Energien in den USA schnell weiter ausgebaut werden, schlicht, weil sie so günstig geworden sind.

Die Preise für die Erzeugung grünen Stroms sind weltweit dramatisch gefallen, inzwischen sind Wind- oder Sonnenenergie oft billiger als die Förderung fossiler Ressourcen. Dafür ist Steigenberger skeptisch, was China angeht. "Da beginnt jetzt die Phase, in der die Kohlestrom-Industrie den Zubau Erneuerbarer schmerzhaft spürt", sagt er. Wie sich die chinesische Regierung in diesem Konflikt verhalte, ist für ihn noch längst nicht ausgemacht.

Die Autoren des Berichts setzen auch in das nationale Emissionshandelssystem Hoffnungen, das China noch in diesem Jahr starten will. Dann müssen Kraftwerksbetreiber, die mehr CO₂ als geplant emittieren wollen, Zertifikate von anderen zukaufen, die CO₂ einsparen; das soll Wind- und Sonnenenergie attraktiver machen. Allerdings gibt es so ein System in der EU schon lange. Bisher ist seine Wirkung bescheiden, weil zu viele Zertifikate im Markt sind, sodass der Preis lächerlich niedrig bleibt. Ob es China besser hinbekommt? Das wird sich zeigen. "Die kommenden Jahre werden jedenfalls sehr spannend", sagt Steigenberger.